Gesetzliche Unfallversicherung verzeichnete 2025 weniger Fälle

17.8.2026 – Die Zahl der von den Sozialversicherungsträgern in der gesetzlichen Unfallversicherung anerkannten Versicherungsfälle nimmt seit Jahren ab. Insgesamt wurden im Vorjahr 107.840 Fälle verzeichnet, darunter waren 246 Todesfälle. Der weitaus größte Teil betraf Arbeitsunfälle, in mehr als zwei Dritteln der Fälle waren Männer betroffen.

Symbolfoto (Bild: succo auf Pixabay)
Symbolfoto (Bild: succo auf Pixabay)

Die Statistik Austria hat die Zahlen zu Versicherungsfällen in der gesetzlichen Unfallversicherung für das Jahr 2025 veröffentlicht, die Arbeits- und Wegunfälle sowie Berufskrankheiten umfassen. Die Daten wurden vom Dachverband der Sozialversicherungsträger erhoben.

Es sei eine bedeutende gesundheitspolitische Aufgabe, gesunde Bedingungen am Arbeitsplatz sicherzustellen, so die Statistik Austria. Voraussetzung dafür sei die Identifikation von arbeitsplatzbezogenen Gesundheitsrisiken und -problemen, um gegensteuern zu können.

Rechtsgrundlage für die Erhebung sei die EU-Verordnung Nr. 349/2011 betreffend Statistiken über Arbeitsunfälle. Die im Folgenden angegebenen Zahlen beinhalten keine Unfälle von Schülern und Studenten.

Zahl der Versicherungsfälle stark rückläufig

Die Gesamtzahl der anerkannten Versicherungsfälle sank auf 107.840 und damit auf den zweitniedrigsten Wert der letzten 50 Jahre; einzig im „Corona-Jahr“ 2020 gab es mit 94.090 weniger Fälle, bis Anfang der neunziger Jahre waren es noch mehr als 200.000 jährlich.

Auch die Gesamtzahl der von der gesetzlichen Unfallversicherung anerkannten tödlichen Versicherungsfälle reduzierte sich in den letzten Jahren: 2025 wurden 246 Todesfälle registriert, drei weniger als im Jahr davor. Zum Vergleich: 1975 waren es 856, 2015 noch 313 Todesfälle.

Männer sind dabei deutlich gefährdeter: Nur 32,1 Prozent aller anerkannten Versicherungsfälle betrafen Frauen. Allerdings ist der Frauenanteil in den vergangenen Jahrzehnten stark gestiegen: Betrug er 1990 (Beginn der veröffentlichten Daten) noch 19,4 Prozent, so waren es 2015 bereits 28,8 Prozent.

Auf die durchschnittliche Beschäftigtenzahl umgelegt ist der Rückgang der anerkannten Versicherungsfälle noch deutlicher: 2025 hat es pro 100.000 Beschäftigte 2.003,7 Versicherungs- und 4,6 Todesfälle gegeben; 50 Jahre davor waren es 6.676,3 Versicherungs- und 27,4 Todesfälle.

Anerkannte Versicherungsfälle in der gesetzlichen Unfallversicherung*

Jahr

Arbeitsunfälle

Wegunfälle

Berufskrankheiten

gesamt

davon tödlich

gesamt

davon tödlich

gesamt

davon tödlich

1975

185.605

636

20.209

206

2.603

14

2000

130.239

232

13.198

71

1.516

13

2010

117.959

185

14.059

52

1.837

73

2020

82.910

113

10.096

31

1.084

101

2021

91.181

123

12.776

36

7.194

105

2022

93.562

134

13.010

32

14.072

82

2023

95.407

138

13.617

54

5.501

93

2024

96.227

127

14.747

42

1.618

80

2025

92.672

114

13.560

42

1.608

90

Unterschiede nach Erwerbstätigkeit und Geschlecht

Mit 98.717 Versicherungsfällen betraf der weitaus überwiegende Teil unselbständig Erwerbstätige. Sie erlitten im Vorjahr 84.417 Arbeitsunfälle, 12.885 Wegunfälle und 1.415 Berufskrankheiten. Insgesamt gab es dabei 178 Todesfälle

Selbständig Erwerbstätige einschließlich mittätiger Familienangehöriger in der Land- und Forstwirtschaft verzeichneten 5.116 Versicherungsfälle, davon 4.717 Arbeits-, und 223 Wegunfälle sowie 176 Berufskrankheiten. Die Zahl der Todesfälle betrug insgesamt 58. Die übrigen Fälle betrafen sonstige geschützte Personen.

Große geschlechtsspezifische Unterschiede gibt es bei den Ursachen: Männer erlitten 70,15 Prozent aller Arbeitsunfälle und 87,44 Prozent aller Berufskrankheiten, während bei Wegunfällen Männer und Frauen nahezu gleich betroffen waren (50,09 Prozent Männer, 49,91 Prozent Frauen).

Zu den genannten Zahlen kommen insgesamt noch 54.782 Versicherungsfälle, die Schüler (einschließlich 5-jähriger Kindergartenkinder) sowie Studenten betrafen. Sie erlitten 53.148 Arbeitsunfälle, 1.632 Wegunfälle und zwei Berufskrankheiten. Unter ihnen gab in Summe zwölf Todesfälle.

Sonderfall Corona

Mit der Corona-Pandemie kam es in den Jahren 2020 bis 2022 zu massiven Verschiebungen: Während die Zahl der Arbeitsunfälle und der Wegunfälle in diesem Zeitraum deutlich abnahm, stieg die Zahl der Berufskrankheiten massiv an.

Seit 1975 war die Zahl der Berufskrankheiten je 100.000 Beschäftigter (ohne Schüler und Studenten) fast durchwegs rückläufig gewesen: von 83,4 Erkrankten im Jahr 1975 sank die Zahl auf einen Tiefststand von 21,3 im Jahr 2020.

Mit der Corona-Pandemie kam es dann zu einem starken Anstieg: Je 100.000 Beschäftigter waren 2021 bereits 138,8, 2022 sogar 265,3 und im Jahr 2023 immer noch 102,7 von einer Berufskrankheit betroffen. Eine Rückkehr auf die vorherigen Werte erfolgte auch 2025 nicht: 29,9 von 100.000 Unfallversicherten erkrankten.

Link

Schlagwörter zu diesem Artikel
Gesundheitsreform · Sozialversicherung
 
WERBUNG
Ihr Wissen und Ihre Meinung sind gefragt

Ihre Leserbriefe können für andere Leser eine wesentliche Ergänzung zu unserer Berichterstattung sein. Bitte schreiben Sie Ihre Kommentare unter den Artikel in das dafür vorgesehene Eingabefeld.

Die Redaktion freut sich auch über Hintergrund- und Insiderinformationen, wenn sie nicht zur Veröffentlichung unter dem Namen des Informanten bestimmt ist. Wir sichern unseren Lesern absolute Vertraulichkeit zu! Schreiben Sie bitte an redaktion@versicherungsjournal.at.

Allgemeine Pressemitteilungen erbitten wir an meldungen@versicherungsjournal.at.

Täglich bestens informiert!

Der VersicherungsJournal Newsletter informiert Sie von montags - freitags über alle wichtigen Themen der Branche.

Ihre Vorteile

  • Alle Artikel stammen aus unserer unabhängigen Redaktion
  • Die neuesten Stellenangebote
  • Interessante Leserbriefe

Jetzt kostenlos anmelden!

VersicherungsJournal in Social Media

Besuchen Sie das VersicherungsJournal auch in den sozialen Medien:

  • Facebook – Ausgewähltes für den Vertrieb
  • Twitter – alle Nachrichten von VersicherungsJournal.at
  • Xing News – Ausgewähltes zu Karriere und Unternehmen
Diese Artikel könnten Sie noch interessieren
14.8.2026 – Die Zahl der wegen geminderter Arbeitsfähigkeit bzw. dauernder Erwerbsunfähigkeit ausbezahlten Pensionen ist in Österreich per Ende 2025 auf den tiefsten Stand seit 1975 gesunken. Die Zahl der Neuzugänge stieg leicht, bleibt aber tendenziell rückläufig. (Bild: stevepb auf Pixabay) mehr ...
 
23.7.2026 – Versicherungsmathematiker Christoph Krischanitz über Individualismus und Anspruchsdenken auf der einen Seite und wechselseitige Abhängigkeit im (Versicherungs-)Kollektiv. (Bild: Krischanitz) mehr ...