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Jugend: Die große Mehrheit möchte mehr Finanzwissen

9.6.2026 – Die Mehrheit der AHS-Schüler gibt in einer Studie von Financial Life Park (Erste Bank) und YEPworks an, in der Schule wenig bis nichts über Finanzen zu lernen. Die große Mehrheit der Befragten spricht sich für mehr Finanzbildung aus. Vor allem Möglichkeiten, Geld „gut anzulegen“, scheinen Interesse hervorzurufen.

Figut mit Buch sitzt auf Stapel Euro-Münzen (Bild: Mathieu Stern)
Bild: Mathieu Stern

Das Sozialunternehmen YEPworks hat sich im Auftrag des zur Erste-Gruppe gehörenden Financial Life Park (Flip GmbH – Gemeinnützige Gesellschaft zur Förderung finanzieller Bildung) mit der finanziellen Lebenswelt Jugendlicher befasst.

Österreichweit 1.823 Jugendliche mit der Hauptzielgruppe 14- bis 18-Jährige haben an der Studie teilgenommen, davon 1.638 quantitativ und 185 qualitativ.

Finanzwissen: Unterschiede zwischen AHS- und BHS-Schülern

Deutliche Unterschiede zeigen die Ergebnisse je nach Schultyp, wenn es um die schulische Wissensvermittlung geht: 72 Prozent der AHS-Schüler gaben an, eher nichts oder nichts über Geld und Finanzen zu lernen. Bei den BHS-Schülern beträgt dieser Anteil nur 17 Prozent.

Beim subjektiven Wissensstand gibt es ebenfalls einen beachtlichen Unterschied: 59 Prozent der AHS-Schüler fühlen sich unsicher im Umgang mit Geld, unter den BHS-Schülern „nur“ 34 Prozent.

64 Prozent der AHS-Schüler fühlen sich in Bezug auf Geld und Finanzen nicht ausreichend auf ihre Zukunft vorbereitet, gegenüber 38 Prozent der BHS-Schüler.

Gerda Holzinger-Burgstaller, CEO Erste Bank Österreich, ortet „ein strukturelles Problem“. Wenn Finanzbildung davon abhänge, welche Schule man besucht oder aus welchem Umfeld man kommt, „geht es letztlich um Chancengerechtigkeit“.

Finanzen stressen fast die Hälfte zumindest gelegentlich

Cover der Studie zur Finanzbildung (Quelle: YEPworks/Flip)
Cover der Studie (Quelle: YEPworks/Flip)

Finanzielle Fragen sind den Ergebnissen zufolge für viele Jugendliche auch schon heute mit Stress verbunden.

45 Prozent fühlen sich in Bezug auf Geldthemen oft oder manchmal gestresst, nur 17 Prozent nie. Diese Belastung entstehe etwa durch Ausgaben für Essen, Mobilität, Schulaktivitäten, Online-Shopping oder Freizeit.

Ein Drittel der Jugendlichen aus finanziell weniger abgesicherten Haushalten gibt an, dass ihnen regelmäßig Geld für grundlegende Bedürfnisse fehle.

Unter Gleichaltrigen aus finanziell stabileren Haushalten ist dieser Anteil, nicht ganz überraschend, geringer; er beträgt aber immerhin 10 Prozent.

Der (oft problematische) Kontakt mit Finanzen im Internet

71 Prozent sehen eine große Gefahr, sich durch Online-Bezahldienste zu verschulden. „Gleichzeitig sind digitale Betrugsformen wie Fake-Shops, Phishing, SMS- und Whatsapp-Betrug, Fake-Gewinnspiele oder betrügerische Werbung auf Social Media längst Teil ihrer Realität“, ergänzt Flip.

„Viele Jugendliche kennen diese Risiken, verlassen sich aber oft auf ‚Hausverstand‘ oder einzelne Erfahrungen aus dem Umfeld. Der Bedarf an fundierter Aufklärung ist entsprechend hoch: 70 Prozent möchten mehr über Online-Betrug, Scams und digitale Finanzfallen lernen.“

Zugleich kommen Jugendliche über soziale Medien mit Themen wie Aktien, ETFs oder Kryptowährungen. Daraus ergebe sich ein „hoher Bedarf an seriöser, realistischer und unabhängiger Finanzbildung“.

Über drei Viertel zeigen Interesse an mehr Finanzwissen

73 Prozent der Jugendlichen sprechen sich denn auch für „mehr Finanzbildung in der Schule“. 78 Prozent wollen mehr über das Thema Geld und Finanzen reden; dominierende Themen sind:

  • Investitionen („Was ich mit meinem Geld alles machen kann, damit es gut angelegt ist.“)
  • Budget und Fixkosten („Wie ich gut mit meinem Geld umgehe.“)
  • Verträge („Was ich beachten muss, wenn ich zum Beispiel einen Handyvertrag oder Mietvertrag abschließe.“)

Vier „Hebel“

„Jugendliche treffen heute finanzielle Entscheidungen in einer deutlich komplexeren Welt – oft ohne ausreichende systematische Vorbereitung. Das macht Finanzbildung wichtiger denn je“, sagt Flip-Leiter Philip List.

Aus Sicht des Flip lassen sich aus den Studienergebnissen „vier klare Hebel“ ableiten:

  • Finanzbildung muss verbindlich in allen Schulen verankert werden.
  • „Deutlich mehr Praxis“ ist nötig, weil finanzielle Kompetenz durch Anwendung entstehe.
  • Es gelte, offener über Geld zu sprechen und das Thema „aus der Tabuzone“ zu holen.
  • Finanzbildung muss die digitale Realität abbilden, einschließlich Risiken wie Betrug oder Überschuldung.

Flip selbst spricht hinsichtlich seines eigenen Angebots zur Wissensvermittlung davon, dass die Nachfrage hoch sei. Insgesamt habe man damit bislang rund 600.000, vor allem junge, Menschen erreicht.

List: „Sobald Finanzbildung greifbar wird, steigt das Interesse enorm. Deshalb fließen die Ergebnisse des Jugendberichts auch direkt in die Weiterentwicklung unserer Angebote ein.“

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