Kuh-Attacke: „Gibt bereits geeignete Versicherungslösungen“

1.3.2019 – Der Fachverband der Versicherungsmakler hat sich zum Urteil, das in Folge des tödlichen Unfalls erging, zu Wort gemeldet. Zum Ruf nach Versicherungslösungen sagt die Standesvertretung, solche gebe es bereits. Der Fachverband warnt auch vor „überzogener Judikatur“: Eine solche münde letztlich in ein höheres Prämienniveau.

Der tödliche Unfall einer Wanderin nach einer Kuh-Attacke im Jahr 2014 und das vor kurzem ergangene erstinstanzliche Zivilgerichtsurteil haben zu Verunsicherung unter Landwirten und zu einer Debatte um den Versicherungsschutz geführt.

Die steirische Landwirtschaftskammer plädierte für eine „praktikable, von der öffentlichen Hand finanzierte Versicherungslösung“.

Wie der ORF Tirol berichtet, hat Landeshauptmann Günter Platter nach einem Runden Tisch am Mittwoch angekündigt, dass es so schnell wie möglich einen umfassenden Versicherungsschutz für Bauern geben solle; Bundeskanzler Sebastian Kurz habe gesetzliche Nachschärfungen in Aussicht gestellt.

Fachverband: Lösungen vorhanden, Kritik an „überzogener Judikatur“

Fachverbandsobmann Christoph Berghammer (Bild: FV Versicherungsmakler)
Fachverbandsobmann
Christoph Berghammer
(Bild: FV Versicherungs-
makler)

Am Donnerstag hat sich nun der Fachverband der Versicherungsmakler und Berater in Versicherungsangelegenheiten zu Wort gemeldet.

Gute Versicherungslösungen, die derartige Vorfälle „ausreichend abdecken und für die Bauern noch leistbar sind“, gebe es bereits, sagt Fachverbandsobmann Christoph Berghammer.

Der Fachverband sieht das Urteil als solches kritisch, es sei überzogen. „Überzogene Judikatur“ führe jedoch mittelfristig für alle zu steigenden Versicherungsprämien, sagt Berghammer. „Die Schreckensszenarien, die wir aus Amerika kennen, sollten unseren Gerichten und Politikern als Warnung dienen.“

Der Fachverband warnt auch vor einem Abschluss ohne umfassende Beratung. „Nur wenn im Vorfeld klar ist, ob es sich um einen Bauernhof mit oder ohne Almen handelt, ob der Weidebereich in der Verantwortung eines Bauern oder einer Agrargemeinschaft bzw. einer Weidegemeinschaft liegt, kann die passende Versicherungslösung abgeschlossen werden.“

EFM: Ausreichender Schutz für ähnliche Fälle ist erhältlich

EFM-Makler Franz Innerhuber (Bild: Anna Kirchweger)
EFM-Makler
Franz Innerhuber
(Bild: Anna Kirchweger)

Auch die EFM Versicherungsmakler AG äußerte sich gestern zu dem Fall und hielt fest, es gebe bereits passende Haftpflichtversicherungen, die für ähnliche Unfälle ausreichenden Schutz böten.

„Fast alle Landwirte haben in Österreich eine landwirtschaftliche Haftpflichtversicherung abgeschlossen“, sagt EFM-Versicherungsmakler Franz Innerhuber.

Im Falle einer Deckungsverweigerung rät Innerhuber zu einer Überprüfung: „In vielen Fälle stellen sich diese als unrichtig heraus. Ein professioneller Rechtsschutz für den Bereich Landwirtschaft ist deshalb zu empfehlen.“

Checkliste

Innerhuber empfiehlt, im Zusammenhang mit dem landwirtschaftlichen Versicherungsschutz folgende Punkte zu beachten:

  • Gibt es eine landwirtschaftliche Betriebshaftpflichtversicherung?
  • Ist die Tierhaltung generell eingeschlossen?
  • Sind die Berechnungsgrundlagen (Grundfläche, Anzahl der Tiere etc.) richtig angegeben?
  • Sind die Tiere nur auf eigenen Flächen oder auch auf Gemeinschaftsalmen versichert?

Er legt überdies nahe, den Versicherer schriftlich zu fragen, ob für Fallkonstellationen, die bei Landwirten derzeit Befürchtungen auslösen, Versicherungsschutz gegeben ist. „Eine schriftliche Rückbestätigung ist wichtig“, unterstreicht Innerhuber. Bei Unklarheiten biete es sich an, professionellen Rat einzuholen.

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Betriebshaftpflicht · Haftpflichtversicherung · Rechtsschutz · Versicherungsmakler
 
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