Rad löste sich während der Fahrt – ein Betriebsschaden?

4.5.2021 – Seit dem letzten Radwechsel war ein Fahrzeug bereits mehrere hundert Kilometer bewegt worden. Mitten während der Fahrt löste sich ein Rad wegen lockerer Radmuttern. Der Kaskoversicherer sieht darin einen Betriebsschaden, der Versicherungsnehmer wandte sich an die Schlichtungsstelle der Versicherungsmakler. Diese empfahl die Deckung, es habe sich nicht um einen Betriebsvorgang gehandelt, dem ein Fahrzeug gewöhnlich ausgesetzt ist.

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Mitten während der Fahrt hat sich im März 2020, offenbar aufgrund lockerer Radmuttern, bei einem Fahrzeug ein Rad gelöst. Dabei beschädigte es den Wagen im Bereich des Radkastens, durch den Aufprall auf den Asphalt wurde das Fahrzeug zusätzlich beschädigt.

Der Fahrzeugbesitzer hatte eine Kfz-Kaskoversicherung abgeschlossen. In den Versicherungsbedingungen war unter anderem vereinbart, dass Betriebsschäden nicht versichert sind.

Unter diesen waren Schäden zu verstehen, „die im Zusammenhang mit Betriebsvorgängen durch normale Abnutzung, Material- oder Bedienungsfehler an dem Fahrzeug oder an seinen Teilen entstehen“.

Vandalismus oder Betriebsschaden?

Mit Schreiben vom 15. April 2020 lehnte der Kaskoversicherung die Deckung des Schadens ab. Der Schaden durch das sich lösende Rad sei ein Betriebsschaden, der Schaden durch den Aufprall am Asphalt liege unter dem Selbstbehalt und sei daher ebenfalls nicht ersatzfähig.

Der Versicherungsnehmer wandte sich daraufhin an die Rechtsservice- und Schlichtungsstelle des Fachverbands der Versicherungsmakler (RSS). Er erklärte, die Radmuttern seien durch Dritte gelockert worden, es habe sich somit um Vandalismus gehandelt.

Ein Fehler bei der Montage der Reifen sei auszuschließen, mit dem Fahrzeug seien nach dem letzten Reifenwechsel bereits mehrere hundert Kilometer zurückgelegt worden.

Der Schaden durch das sich lösende Rat sei nicht vom Begriff des Betriebsschadens umfasst, so der Fahrzeugbesitzer; der gesamte Schaden am Fahrzeug sei daher unter Abzug des Selbstbehalts zu decken. Der Versicherer beteiligte sich nicht am Schlichtungsverfahren.

Kein gewöhnlicher Betriebsvorgang

Ein Betriebsschaden liege dann vor, wenn der Schaden durch eine Einwirkung entstanden ist, der ein Kraftfahrzeug gewöhnlich ausgesetzt ist und die es ohne weiteres überstehen muss, so die RSS. Was unter „gewöhnlich“ zu verstehen sei, richte sich nach der Widmung des Fahrzeugs für einen bestimmten Verwendungszweck.

Ein Unfall sei dagegen ein unmittelbar von außen plötzlich mit mechanischer Gewalt auf das Fahrzeug einwirkendes Ereignis. Notwendig sei, dass der Unfall unmittelbar schadenstiftend gewesen sei, also ohne andere Ursachen den Schaden selbst verursacht habe.

Es sei dem Fahrzeugbesitzer zuzustimmen, dass das plötzliche Lösen eines Rades nicht auf einen typischen Betriebsvorgang zurückzuführen sei, dem ein Fahrzeug gewöhnlich ausgesetzt ist. Dem Versicherer wurde daher die Deckung des Schadens empfohlen.

Weitere Informationen

Die Empfehlung der RSS kann als PDF-Dokument (150 KB) von der Website des Fachverbandes heruntergeladen werden.

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Versicherungsmakler
 
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