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Spannungsfeld Schadenfall: Aus der Praxis eines Maklers

18.10.2019 – Gerade im Schadensfall habe der Makler viele Pflichten, um die Interessen des Versicherungsnehmers zu wahren. Er müsse Ansprüche geltend machen, Leistungen fällig stellen, Fristen wahren oder ungerechtfertigten Einwendungen und Ablehnungen widersprechen. Bei Fehlern drohen Konsequenzen, bis hin zu Schadenersatzansprüchen des Kunden, warnt Gerhard Veits.

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„Das Verhältnis zwischen Versicherer und Versicherungsmakler gestaltet sich im optimalen Fall partnerschaftlich, aber Auseinandersetzungen entstehen nicht zufällig, sondern zwangsläufig“, so Gerhard Veits bei seinem Vortrag zur Rechtssicherheit für Makler beim „Asscompact Trendtag“ gestern, Donnerstag.

Veits, Geschäftsführer der Veits & Wolf Versicherungsmakler GmbH, Vorstandsmitglied des Österreichischen Versicherungsmaklerrings (ÖVM), gerichtlich beeideter Sachverständiger, Buchautor und Leiter der Österreichischen Versicherungsakademie, kennt die Branche seit 37 Jahren, wie er sagt.

Damit könne er „locker aus der Praxis“ referieren, auch wenn er sich dabei manchmal „unsympathisch“ macht, wie er betont. Das Spannungsfeld zwischen Makler und Versicherer sei ja gesetzlich verordnet.

Das „Müssen“ des Maklers

„Wir gehen nicht zu weit, wir erfüllen gesetzliche Vorschriften“, kontert Veits diesbezügliche Vorwürfe. Schließlich sei Maklern die Wahrung der Interessen des Versicherungsnehmers im Schadensfall vorgeschrieben, andernfalls könne dieser Schadenersatzansprüche gegen ihn haben.

Veits listet dazu eine Reihe von Verpflichtungen auf, um die sich der Makler zu kümmern hat – von der Geltendmachung von Ansprüchen des Versicherungsnehmers über die Wahrung von Fristen bis hin zur Abwehr ungerechtfertigter Einwände des Versicherers.

Versicherer würden oft darauf verweisen, dass nur äußerst wenige Schadensfälle vom OGH entschieden werden müssen. „Aber was ist mit den Fällen, die nicht bei Gericht landen?“, fragt Veits. „Wir als Makler haben uns für die Kunden einzusetzen, wenn wir glauben, dass eine Ablehnung nicht berechtigt ist.“

Beispiele aus der Praxis

Referierte beim Trendtag: Gerhard Veits (Bild: ÖVM)
Referierte beim Trendtag:
Gerhard Veits (Bild: ÖVM)

Ein Bereich, in dem es typischerweise immer wieder zu Differenzen mit Versicherern komme, sei die Prüfung der in Aussicht gestellten Versicherungsleistung. Veits nannte beispielhaft dazu die Unfall- und die Haushaltsversicherung.

So gehe es bei Invaliditätsleistungen unter anderem um die Prüfung wesentlicher Daten, der Plausibilität (so sei beispielsweise eine „altersbedingte Degeneration“ laut OGH keine Krankheit) oder der korrekten Anwendung der progressiven Invaliditätsleistung.

In der Haushaltsversicherung wiederum sei die Frage der Neuwert- oder Zeitwertleistung ein häufiger Streitpunkt. Veits verwies dabei auf Berechnungsfehler, wenn bei einer Neuanschaffung zerstörter Sachen der Neuwert ersetzt wird.

Über Fristen, Quoten und Zinsen

Zu den Pflichten des Maklers gehöre es auch, Leistungen des Versicherers fällig zu stellen und Fristen zu wahren. Ebenso habe er sich um die Geltendmachung des Quotenvorrechts nach § 67 VersVG zu kümmern, wenn der Versicherer einen Schaden nur zum Teil ersetzt.

Hierzu führte Veits Selbstbehalte in der Kfz-Kaskoversicherung an, die bei einem Mitverschulden des Unfallgegners von dessen Haftpflichtversicherer eingefordert werden können; ebenso gebe es bei einer Brandstiftung und bestehender Unterversicherung eine Forderung an den Brandstifter.

Unterschätzt würden beim aktuellen Zinsniveau auch die Ansprüche des Versicherungsnehmers auf Verzugszinsen. Sei dieser Konsument, würden ihm ab Ablehnung vier Prozent Zinsen, einem Unternehmer sogar 9,2 Prozent über dem Basiszins zustehen. Sogar ohne Verzug gebe es einen Anspruch auf Zinsen bei Feuerschäden.

Ungerechtfertigte Ablehnungen

„Nur selten“ gebe es eine ungerechtfertigte Ablehnung von Leistungen, so Veits mit einem Augenzwinkern. Zu den „Klassikern“ zähle dabei, dass nicht jede Alkoholisierung eines Versicherten in der Unfallversicherung zur Verweigerung der Leistung führen müsse.

Zum Einwand der groben Fahrlässigkeit in der Kaskoversicherung plauderte Veits aus seiner Erfahrung: „Es ist unglaublich, was manche Versicherer als grobe Fahrlässigkeit bezeichnen.“

In der Rechtsschutzversicherung sei wieder die Ablehnung aufgrund „mangelnder Erfolgsaussicht“ typisch, in der Haushaltsversicherung komme es zu Problemen, wenn die Wohnungsgröße zu niedrig angegeben ist. Unterversicherung gebe es aber nur, wenn der Wert höher sei als die Versicherungssumme.

Weitere Maklerpflichten

„Gegebenenfalls“ müsse ein Makler den Versicherer auch auf die Beweislastverteilung hinweisen; einzig für den Eintritt eines versicherten Schadens und einen eventuellen Kausalitätsgegenbeweis treffe die Beweislast den Versicherungsnehmer, sonst den Versicherer, erinnerte Veits.

Auch bei ungerechtfertigten Regressforderungen müsse der Makler „gegenhalten“. Als Beispiele nannte Veits Fragen im Zusammenhang mit dem Familienprivileg und dem Regress gegen den Lenker in der Kfz-Haftpflicht wegen Gefahrenerhöhung.

Und natürlich sei der Makler auch verpflichtet, ungerechtfertigten Verjährungseinwänden des Versicherers zu widersprechen; dabei sei unter anderem auf den Beginn der Verjährung und eine mögliche Hemmung zu achten.

Schließlich gehe es um die Frage, was wichtiger sei, beendete Veits seinen Vortrag: Sympathiewerte oder Maklerpflicht, eine „gute“ Schadensquote oder die Maklerhaftung?

Schlagwörter zu diesem Artikel
Haushaltversicherung · Invalidität · Rechtsschutz · Versicherungsmakler
 
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