Sparziele: „Alarmierender Rückgang“ bei Altersvorsorge

15.10.2019 – 62 Prozent der Österreicher halten das Sparbuch zwar nicht mehr für zeitgemäß, die Hitparade der genutzten Anlageformen führt es in einer neuen Umfrage von Erste Bank und Imas freilich trotzdem weiterhin an. Sie zeigt auch: Als Alternativen zum Sparbuch werden vorwiegend Bausparen und Wertpapiere gesehen; Lebensversicherung und Pensionsvorsorge rangieren weiter hinten. Im Zehn-Jahres-Vergleich hat die Altersvorsorge als Sparmotiv stark eingebüßt.

76 Prozent der Österreicher ist Sparen (sehr oder ziemlich) wichtig. Das haben die Imas-Marktforscher im Rahmen einer von der Erste Bank der oesterreichischen Sparkassen AG in Auftrag gegebenen Studie erhoben.

Für diese wurden von 24. Juni bis 16. Juli 2019 in jedem Bundesland 100 Personen ab einem Alter von 15 Jahren befragt und eine Gewichtung der Bundesländer auf ihr repräsentatives Niveau vorgenommen.

Durchschnittlich 259 Euro im Monat

Im Schnitt werden pro Monat 259 Euro zur Seite gelegt. Das schlage sich besonders stark beim Wachstum der Einlagen nieder, so die Erste.

Nach Daten der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) hielten die privaten Haushalte heuer im zweiten Quartal 159,38 Milliarden Euro in täglich fälligen, 100,21 Milliarden in sonstigen Einlagen.

In Summe liege um 27 Prozent mehr Geld in gering verzinsten Produkten als noch zehn Jahre zuvor, hält die Erste Bank fest – und beurteilt das kritisch.

Realer Wertverlust

„Hätten die Österreicher in den letzten fünf Jahren nur zehn Prozent davon nicht aufs Sparbuch, sondern in Aktien angelegt, hätten sie sieben Milliarden Euro an zusätzlichen Erträgen erwirtschaften können“, sagt Erste-CEO Peter Bosek.

Niedrige Einlagezinsen und Inflation zusammengerechnet, ergibt sich laut Erste Bank eine negative Rendite von durchschnittlich –1,6 Prozent pro Jahr.

Eine „Abschaffung oder zumindest Reduktion der Wertpapier-KESt“ könnte Anreize schaffen, damit mehr Menschen „mit Wertpapieren langfristig vorsorgen“, meinte Bosek anlässlich der Studienpräsentation am Montag.

Das Sparbuch eigne sich „besonders in diesem Zinsumfeld nur mehr als kurzfristige Liquiditätsreserve“.

Bausparer, Aktien, Fonds als „ideale Alternativen“

Erste und Imas wollten denn auch von den Befragten wissen: „Was sind aus Ihrer Sicht die idealen Alternativen zum Sparbuch für mittel- und langfristige Sparziele?“

Die Teilnehmer konnten offene Antworten geben, Imas hat diese dann kategorisiert und ist zu folgendem Bild gekommen: An der Spitze liegt Bausparen mit 30 Prozent, nur knapp dahinter liegen Aktien (28 Prozent) und Fonds (24 Prozent).

Die hohen Werte für die beiden Letzteren mögen überraschen, haftet Aktien und Fonds doch gemeinhin nicht der Ruf garantierter Verlustfreiheit an; und auch in der Umfrage selbst deklarierten sich 84 Prozent als sicherheitsbetonte Sparer, die niedrige Zinsen in Kauf nehmen, wenn sie dafür keine Verluste erleiden.

Lebensversicherung und Pensionsvorsorge werden jeweils von einem vergleichsweise kleineren Anteil als ideale Alternativen für mittel- bis langfristiges Sparen angesehen, und zwar von 15 bzw. 11 Prozent.

Alternativen zum Sparbuch

Bei den „Klassikern“ keine Bewegung gegenüber 2009

Die „Sympathie“ für Wertpapiere spiegelt sich in gewisser Weise in der Frage wider, welche Spar- bzw. Investitionsmöglichkeiten die Befragten nutzen. 2009 gaben 17 Prozent an, in Wertpapiere zu investieren, nun tun dies merklich mehr: 29 Prozent.

In der Lebens- und Kapitalversicherung hat sich hingegen so gut wie nichts verändert: 2009 gaben 41 Prozent an, dieses Instrument zu nutzen, aktuell 40 Prozent. Die „staatlich geförderte Pensionsvorsorge“ wird von 24 Prozent genannt.

An der Spitze liegt mit praktisch unveränderten 76 Prozent (2009: 78) das Sparbuch, vor dem Bausparvertrag mit konstanten 58 Prozent – wobei fast zwei Drittel (62 Prozent) sagen, dass sie das Sparbuch heute „nicht mehr zeitgemäß“ finden, in erster Linie wegen niedriger Zinsen und fehlender Rentabilität.

Nutzung einzelner Spar- und Anlageformen

Altersvorsorge hat als Sparmotiv verloren

Dass das Sparbuch trotzdem so gefragt ist, liegt insbesondere an der Verfügbarkeit: Die Frage nach den Sparmotiven macht klar, dass für die große Mehrheit (82 Prozent) nach wie vor der „Notgroschen“-Gedanke beim Sparen eine Rolle spielt.

Von einem „alarmierenden Rückgang“ spricht die Erste dagegen im Zusammenhang mit der Altersvorsorge. 2009 nannten diese noch 56 Prozent als Motiv. Dieser Wert hat sich stark verringert: „Nur mehr 40 Prozent wollen dafür Geld zur Seite legen“, sagt Privatkunden-Vorstand Thomas Schaufler. „Das ist angesichts der steigenden Lebenswartung keine gute Entwicklung.“

Hinzugewonnen haben vor allem zwei Spar- und Investitionsziele: Anschaffungen wie Haus, Wohnung oder Auto (49 Prozent; 2009: 42) sowie Urlaubsreisen (31 Prozent; 2009: 22 Prozent).

Sparziele

Leserbriefe zum Artikel:

Akad. Vkfm. Paul Veselka - Ringsum Polemik. mehr ...

Engelbert Löcker - Logische Folge. mehr ...

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Altersvorsorge · Bausparen · Kapitallebensversicherung · Lebensversicherung · Marktforschung
 
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