Unterversicherung ohne vereinbarte Versicherungssumme?

13.1.2020 – Die Schlichtungsstelle der Versicherungsmakler empfahl dem Kfz-Vollkaskoversicherer nach einem Unfall die Zahlung der vollen Summe: Nur, wenn eine feste Versicherungssumme ausgemacht sei, könne man sich auf eine Unterversicherung berufen. Zu deren Ermittlung habe der Versicherungsnehmer alle Daten geliefert.

Beim Abschluss eines Leasingvertrages im Jahr 2016 für einen Mercedes Benz V-Klasse wurde eine Haftpflicht- und Vollkaskoversicherung abgeschlossen, deren Grundlage das Angebot des Fahrzeuglieferanten war.

In diesem war der Brutto-Listenpreis mit 69.193 Euro angegeben, inklusive Sonderausstattungen errechnete sich ein Gesamtpreis von 102.725,37 Euro. Laut Leasingantrag betrug der Kaufpreis inklusive Zubehör, NoVA und Umsatzsteuer dann 90.000 Euro.

Versicherungs- und Leasingantrag wurden an den Versicherer übermittelt. Die Versicherungspolizze enthielt dann allerdings keine Versicherungssumme. Für einen Teilschaden war festgelegt, dass der Versicherer die Kosten der Reparatur selbst sowie die Transportkosten der Ersatzteile decke.

Kaskoversicherer sieht Unterversicherung

Im Mai 2019 war das Fahrzeug in einen Verkehrsunfall verwickelt; die Reparaturkosten beliefen sich auf brutto 5.618,90 Euro.

Bei der Abrechnung des Schadenfalls ging der Versicherer von einer Unterversicherung aus, da es sich um einen Bruttovertrag handle. Die Versicherungssumme betrage 69.193 Euro, der Neuwert laut Sachverständigengutachten 104.963,00 Euro.

Damit ergab sich abzüglich eines Selbstbehalts von 600 Euro eine Auszahlung in Höhe von 3.092,47 Euro. Damit war der Versicherungsnehmer nicht einverstanden. Er wandte sich an die Rechtsservice- und Schlichtungsstelle des Fachverbandes der Versicherungsmakler und Berater in Versicherungsangelegenheiten (RSS).

Er erklärte, der Versicherer könne sich auf keine Unterversicherung berufen, da alle Informationen im Antrag angegeben gewesen wären.

Unterversicherung nicht gegeben

Die RSS verwies in ihren rechtlichen Folgerungen auf den § 56 VersVG, wonach der Versicherer nur nach dem Verhältnis der Versicherungssumme zum Wert des versicherten Objekts hafte, wenn die Versicherungssumme niedriger als der Versicherungswert ist.

Diese anteilige Kürzung der Versicherungsleistung aufgrund einer Unterversicherung sei aber nur dann anwendbar, wenn eine Versicherungssumme vereinbart wurde. Die Beweislast treffe den Versicherer, der aber nicht bereit war, sich am Verfahren zu beteiligen.

So konnte der Entscheidung nur der vom Antragssteller behauptete Sachverhalt zugrunde gelegt werden. Demnach habe dieser tatsächlich alle Kalkulationsgrundlagen offengelegt. Es bestehe damit keine Grundlage für eine Kürzung – die Zahlung der vollen Leistung wurde empfohlen.

Weitere Informationen

Die Empfehlung der RSS kann als PDF-Dokument (367 KB) von der Website des Fachverbandes heruntergeladen werden.

Leserbriefe zum Artikel:

+Gerhard Pesendorfer - Leider nur eine Empfehlung. mehr ...

Jesenitschnig Reinhard - Tatsächlich keine Versicherungssumme. mehr ...

Walter Michael Fink - Teures Lehrgeld. mehr ...

Schlagwörter zu diesem Artikel
Kfz-Versicherung · Leasing · Versicherungsmakler
 
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