Verhärteter Markt: Höhere Prämien, strengere Bedingungen

10.9.2021 – Für Unternehmen hat sich der Kostendruck durch das Verhalten der Versicherer weiter verstärkt, konstatiert Greco. Neben Prämienerhöhungen kommen auch neue Ausschlüsse zur Anwendung, dazu müssen Kunden ihr Risikomanagement verbessern. Besonders verhärtet sei der Markt in der D&O-Versicherung.

Der heimische Versicherungsmakler Greco International AG lud am Dienstag dieser Woche zu seinem „Risikotag“ ins Wiener Hotel Imperial. Im Fokus der Veranstaltung: „Gamechanger Hard Market – Risikomanagement am Zug“.

Nachdem lange Zeit Prämien nicht gestiegen oder sogar gesunken seien, haben sich zuletzt die Konditionen aus Sicht der Versicherungsnehmer massiv verhärtet, so Greco. Damit sei der steigende Kostendruck für Unternehmer durch das Verhalten vieler Versicherer weiter verstärkt worden.

Zu den jüngsten Entwicklungen würden der Rückzug vieler Versicherer aus exponierten Branchen, die Reduktion der angebotenen Deckungssummen insbesondere in der Großindustrie, die Aufnahme von Cyber- und Pandemieausschlüssen sowie teilweise massive Prämienerhöhungen zählen.

In besonderer Weise seien zuletzt die Risiken der Großindustrie von den Sanierungsbegehren der Versicherer betroffen gewesen; bei der Mehrzahl kleinerer und mittlerer Unternehmen sei es in der Sach- und Haftpflichtversicherung allerdings nicht zu gravierenden Prämienerhöhungen gekommen.

Erwartete Prämienanstiege in vielen Sparten

Signifikante Prämienerhöhungen im Ausmaß von mehr als 15 Prozent erwartet Greco in der Sach- und Betriebsunterbrechungsversicherung in der kommenden Erneuerungsrunde für Unternehmen, deren Prämien bisher nicht angepasst wurden bzw. die aus Sicht der Versicherer untertarifiert sind.

Im Bereich der Kreditversicherung werde es für schadenträchtige Risiken zu Steigerungen kommen, bei der Betriebs- und Produkthaftpflicht vor allem für Grundverträge mit höheren Limits und Excedenten.

Generell einen starken Prämienanstieg erwartet Greco auch in den Bereichen Aviation, Financial Institutions, Cyber und Crime.

Risikomanagement im Fokus

„Definitiv Einzug in Europa“ habe der internationale Trend gehalten, dass das unternehmerische Risikomanagement im Fokus der Versicherer stehe. Absichtserklärungen, risikominimierende Maßnahmen zu setzen, würden nicht mehr genügen, gefordert werde deren Umsetzung.

Dabei gehe es beispielsweise um den IT-Reifegrad des Unternehmens, um seine Naturkatastrophen-Exponierung oder um Maßnahmen zur Reduktion von Haftungsrisiken.

Um geeignete Versicherungsangebote zu erhalten und gewünschte Deckungskapazitäten sicherzustellen, würden Berichte über die individuelle Risikosituation und vorgenommene Verbesserungsmaßnahmen zum „must have“.

D&O-Versicherung: verhärteter Markt

Einen „harten Markt“ gebe es insbesondere in der D&O-Versicherung, so Sandra Dammalacks, Spartenleiterin bei der Deutschen Assekuranz Makler GmbH.

Erste Versuche zur Einschränkung von Deckungen seien bereits länger zu beobachten, seit 2019 führe in Europa eine Sanierungswelle zur Verhärtung der Märkte. In Österreich erfolge dies zeitlich etwas später, aber: „Die Welle kommt.“

Kunden müssten sich zunehmend „offenbaren“ und betriebswirtschaftliche Auswertungen und Liquiditätsplanungen vorlegen. Dazu komme, dass Corona zu einer massiven Reduzierung der Deckungssummen geführt habe und Zusatzlimite rigoros gestrichen werden.

Grund dafür sei, dass alle Versicherer in der D&O-Versicherung seit vielen Jahren rote Zahlen schreiben, so Dammalacks; die Combined Ratio liege über 100 Prozent, das sei wirtschaftlich nicht vertretbar.

Einschränkungen vor allem für Konzernkunden

Während bei Konzernen Prämiensteigerungen von bis zu 400 Prozent im Vergleich zu den Vorjahren erfolgt sind, seien KMU weniger betroffen. Je nach Ausgangsprämie und Branche habe es im letzten Jahr Steigerungen um zehn bis 30 Prozent gegeben.

Dazu komme, dass Einschränkungen auf dem Vormarsch seien. Für Konzernkunden bedeute das unter anderem, dass Kostenbausteine und Sublimite reduziert, Wiederauffüllung und spezielle Sonderklauseln gestrichen, Selbstbehalte erhöht werden.

Schwierig werde auch die Mitversicherung von Kapitalmaßnahmen und Börsengängen; darüber hinaus seien weitere Bedingungseinschränkungen zu erwarten.

Auch für KMU gebe es Änderungen in der D&O-Versicherung. So würden beispielsweise Insolvenzausschlüsse eingeführt, zukünftig dürfte es auch keine prämienfreien Nachmeldefristen mehr geben. Und für bestimmte Branchen seien Neuabschlüsse praktisch unmöglich zu erreichen.

Marktverhärtung wird anhalten

Für die Zukunft erwartet Dammalacks in der D&O-Versicherung ein Anhalten der Marktverhärtung. Es werde weitere Restriktionen bei den Bedingungen geben, möglich sei eine Rückkehr zum Kern der D&O-Versicherung.

Die Schere zwischen der Haftung der Manager und dem Deckungsschutz werde künftig größer werden: Es stelle sich die Frage, was versichert bleibt und was der Manager selbst werde tragen müssen.

Aufgabe der Makler sei es nun, auf die Versicherer einzuwirken, die Einschränkungen mit Augenmaß vorzunehmen, nicht zu übertreiben und keinen Kunden im Regen stehen zu lassen.

 
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