Vorsorge für junge Familien oft nicht leistbar

16.5.2019 – Ein Jungfamilien-Haushalt hat im Schnitt 4,2 Versicherungsverträge, häufig handelt es sich dabei um eine Lebensversicherung, weniger oft um eine staatlich geförderte Pensionsvorsorge, besagt eine Helvetia-Umfrage unter Familien mit Kindern unter 14 Jahren. Zugleich gibt die Hälfte der Befragten an, Vorsorge sei „derzeit“ für sie mehr oder minder nicht leistbar. Wenn vorgesorgt wird, dann in erster Linie fürs Alter und für die Familie.

Wie geht es Österreichs Jungfamilien, wie sorgen sie vor, wie sichern sie sich ab? Dem ist die Helvetia Versicherungen AG zusammen mit der Triple M Matzka Markt- und Meinungsforschung KG in einer laut Triple M repräsentativen Umfrage nachgegangen.

Für die Studie wurden Jungfamilien mit Kindern in einem Alter von unter 14 Jahren befragt. Die Stichprobe umfasst 496 Interviews, die Schwankungsbreite beträgt +/–4,2 Prozentpunkte.

Ergebnisse aus der im ersten Quartal online durchgeführten Untersuchung hat die Helvetia am Mittwoch in der Wiener Unternehmenszentrale vorgestellt.

Die Einkommenssituation der Jungfamilien

48 Prozent der befragten Haushalte haben ein Kind, 43 Prozent zwei Kinder unter 14 Jahren; neun Prozent haben drei oder mehr Kinder in diesem Alter.

Eine relative Mehrheit von 35 Prozent bezieht ein monatliches Netto-Haushaltseinkommen in Höhe von 2.501 bis 3.750 Euro, 26 Prozent kommen auf 1.251 bis 2.500 Euro. 13 Prozent machten zu ihrem Einkommen keine Angabe.

Monatliches Haushaltseinkommen (Grafik: Helvetia)
Monatliches Haushaltseinkommen (Grafik: Helvetia).
Zum Vergrößern Grafik anklicken.

Wie Jungfamilien wohnen, wie viel sie wofür ausgeben

56 Prozent wohnen in Eigentum, 44 Prozent in Miete. Die Wohnfläche beträgt durchschnittlich 128,9 Quadratmeter, im Median sind es 112 Quadratmeter.

95 Prozent der Jungfamilien-Haushalte sind motorisiert, im Schnitt hat ein Haushalt 1,6 Pkws, 19 Prozent haben ein Motorrad. 88 Prozent machen pro Jahr im Schnitt 1,8 Urlaubsreisen mit mehr als vier Nächtigungen.

Gut ein Drittel der Haushaltsausgaben entfällt – die Befragten wurden für verschiedene Kategorien um Schätzungen gebeten, 89 Prozent machten Angaben – auf die Fixkosten fürs Wohnen (35,7 Prozent), den zweitgrößten Anteil machen Lebenshaltungskosten aus.

Für Versicherungen wird etwa ein Zehntel, für Sparen rund 7 Prozent aufgewandt. 73 Prozent aller Haushalte sparen duchschnittlich 155 Euro pro Monat.

Monatliche Ausgaben, unterteilt nach Kategorien

Kategorie

Anteil

Fixkosten Wohnen

35,7 %

Lebenshaltung

23,3 %

Fixkosten Auto

9,6 %

Versicherungen (inkl. Kfz)

9,5 %

Freizeit, Unterhaltung

8,3 %

Sparen (inkl. Altersvorsorge)

6,9 %

Urlaub

6,4 %

Einstellungen zum Sparen und Vorsorgen

Wie sieht es nun im Detail mit dem Spar- und Vorsorgeverhalten aus? Das Thema Vorsorge „ist in den Familien angekommen“, sagt Triple-M-Geschäftsführerin Christina Matzka. Sie stützt sich dabei auf das Stimmungsbild, das sich aus den Antworten zu einzelnen Fragen ergibt.

So stimmten 48 Prozent „voll und ganz“, weitere 39 Prozent „eher“ der Aussage zu: „Man kann nicht früh genug damit anfangen, für die Zukunft vorzusorgen.“ Insgesamt 77 Prozent sehen sich mehr oder weniger in der Pflicht, den Grundstein für die Vorsorge ihrer Kinder zu legen.

Vorsorge für rund die Hälfte nicht leistbar

Ein – recht hoher – Anteil von 46 Prozent identifiziert sich stark oder eher mit der Aussage, sich Altersvorsorge derzeit nicht leisten zu können.

Helvetia-Vertriebsvorstand Werner Panhauser sieht eine Erklärung darin, dass das Sample Familien in unterschiedlichen Situationen umfasst: Während die einen bereits die gröbsten finanziellen Engpässe hinter sich haben, sind andere noch im Aufbau begriffen.

Matzka weist außerdem darauf hin, dass es Personen wie etwa Alleinerzieherinnen gibt, wo schlicht das Geld für Vorsorge fehlt.

Einstellungen und Meinungen zur Vorsorge (Grafik: Helvetia)
Einstellungen und Meinungen zur Vorsorge (Grafik: Helvetia).
Zum Vergrößern Grafik anklicken.

Genutzte und geplante Vorsorge

Gefragt wurde auch, ob und welche Art von Vorsorge bereits genutzt wird und was – auf kurze oder lange Sicht – geplant ist.

66 Prozent besitzen eine Form von Lebensversicherung, 14 Prozent haben einen Abschluss in Planung. Das Sparbuch kommt auf nahezu identische Werte. Der Bausparvertrag liegt ein wenig darunter: 57 Prozent haben, 18 Prozent wollen einen.

Die „Pensionsvorsorge mit staatlicher Förderung“ rangiert weiter unten, sie liegt nur bei 29 Prozent im Polizzenordner, immerhin ein gutes Fünftel hat aber einen Abschluss vor.

Bestehende und geplante Vorsorge- und Sparformen (Grafik: Helvetia)
Bestehende und geplante Vorsorge- und Sparformen (Grafik: Helvetia).
Zum Vergrößern Grafik anklicken.

Motive für die Vorsorge: hauptsächlich die Pension

Die Vorsorgemotive sind in erster Linie langfristig ausgerichtet: 51 Prozent nennen Alter und Pension als Antrieb fürs Sparen. Für 33 Prozent ist die Familie ein Vorsorgemotiv.

Gründe und Ziele der Vorsorge (Grafik: Helvetia)
Gründe und Ziele der Vorsorge (Grafik: Helvetia).
Zum Vergrößern Grafik anklicken.

Spezielle Vorsorge für Kinder

Apropos Familie: Wenn es speziell um die Vorsorge für die Kinder geht, ist der „Bausparer“ ein bevorzugtes Mittel der Wahl: 58 Prozent machen davon Gebrauch. Etwa gleich viele haben ein Sparbuch für den Nachwuchs angelegt. Die Lebensversicherung „performt“ hier mit 19 Prozent etwas schwächer.

Von den oben genannten 155 Euro fließt etwa ein Drittel in die Vorsorge für die Kinder, im Schnitt 57 Euro. Das ist aber noch nicht das vollständige Vorsorgevolumen: Für jedes dritte Kind sparen auch andere Familienmitglieder, vor allem Großeltern, an, und zwar durchschnittlich 84 Euro pro Monat.

Mit welchen Zielen wird für die Kinder gespart? 60 Prozent legen Geld für die Ausbildung zur Seite, 53 Prozent haben das Thema Mobilität im Blick.

Wofür für Kinder gespart wird

Sparziel

Anteil

Sparziel

Anteil

Ausbildung

60 %

Familie(ngründung)

18 %

Mobilität

53 %

Reisen/Urlaub

12 %

Wohnraum

45 %

Auslandsaufenthalt

11 %

Welche Versicherungen genutzt werden

Abseits der „Ansparvorsorge“ wurde auch gefragt, welche Versicherungsprodukte vorhanden sind. Durchschnittlich finden sich der Umfrage zufolge 4,2 Versicherungsprodukte in einem Haushalt. Am weitesten verbreitet ist, nicht ganz überraschend, die Haushalts- und Eigenheim-Versicherung.

Hohe 66 Prozent gaben an, eine Rechtsschutz-Versicherung zu haben. Um welche Art von Rechtsschutz es sich handelt, wurde nicht im Detail erfragt. Erklärt eventuell ein mit der Kfz-Versicherung verbundener Rechtsschutz den hohen Anteil?

Schaden/Unfall-Vorstand Thomas Neusiedler sagt dazu, dass der Kfz-Rechtsschutz in der Vergangenheit der „klassische Treiber“ war; nach Erfahrung der Helvetia gebe es aber inzwischen so viele Rechtsstreitigkeiten „wie nie“. Rechtsschutz werde daher immer populärer, beispielsweise in den Bereichen Wohnen und Arbeit.

„Hoher kleiner“ Anteil für die Cyberversicherung

Das noch junge Produkt Cyberversicherung haben nach eigenen Angaben zwei Prozent der Befragten – eigentlich ein Wert, der selbst die schon deutlich länger und breiter auf dem Markt angebotene Sparte Berufsunfähigkeitsversicherung neidvoll erblassen lassen könnte.

Neusiedler relativiert aber: Beim Punkt Cyberversicherung könnten auch Assistanceprodukte in die Beantwortung eingeflossen sein. Andererseits werde das Produkt auch über Banken angeboten.

Dass laut Umfrage 15 Prozent eine Haustierversicherung (zum Schutz des Tieres) besitzen, hält Panhauser für zu hoch gegriffen. Er glaubt, dass hier auch Hundehaftpflichtversicherungen als Haustierversicherungen betrachtet worden sein dürften.

Genutzte Versicherungsprodukte (Grafik: Helvetia)
Genutzte Versicherungsprodukte (Grafik: Helvetia).
Zum Vergrößern Grafik anklicken.

Woran Nichtversicherte potenziell interessiert wären

Jene, die bestimmte Versicherungen nicht nutzen, konnten angeben, welche Produkte für sie potenziell von Interesse wären.

In der Lebens- und Pensionsversicherung, in der Krankenversicherung und in der Haushalts-/Eigenheimversicherung sind die Anteile der Interessenten mit jeweils mehr als der Hälfte der Befragten am größten.

Potenziell interessante Versicherungsprodukte (Grafik: Helvetia)
Potenziell interessante Versicherungsprodukte (Grafik: Helvetia).
Zum Vergrößern Grafik anklicken.
 
Ihr Wissen und Ihre Meinung sind gefragt

Ihre Leserbriefe können für andere Leser eine wesentliche Ergänzung zu unserer Berichterstattung sein. Bitte schreiben Sie Ihre Kommentare unter den Artikel in das dafür vorgesehene Eingabefeld.

Die Redaktion freut sich auch über Hintergrund- und Insiderinformationen, wenn sie nicht zur Veröffentlichung unter dem Namen des Informanten bestimmt ist. Wir sichern unseren Lesern absolute Vertraulichkeit zu! Schreiben Sie bitte an redaktion@versicherungsjournal.at.

Allgemeine Pressemitteilungen erbitten wir an meldungen@versicherungsjournal.at.

Täglich bestens informiert!

Der VersicherungsJournal Newsletter informiert Sie von montags - freitags über alle wichtigen Themen der Branche.

Ihre Vorteile

  • Alle Artikel stammen aus unserer unabhängigen Redaktion
  • Die neuesten Stellenangebote
  • Interessante Leserbriefe

Jetzt kostenlos anmelden!

VersicherungsJournal in Social Media

Besuchen Sie das VersicherungsJournal auch in den sozialen Medien:

  • Facebook – Ausgewähltes für den Vertrieb
  • Twitter – alle Nachrichten von VersicherungsJournal.at
  • Xing News – Ausgewähltes zu Karriere und Unternehmen
  • Youtube – Hintergründe zum Buchprogramm
Diese Artikel könnten Sie noch interessieren
19.12.2012 – Im ersten Teil unseres Jahresrückblicks lesen Sie die wichtigsten Ereignisse der ersten vier Monate des zu Ende gehenden Jahres. Zu den prägendsten Themen gehörten Sparpaket und Zukunftsvorsorge. Es gab auch zahlreiche personelle Veränderungen. mehr ...
 
23.12.2016 – 28 Versicherungsvorstände sprechen in einer Umfrage über die größten Herausforderungen des ausklingenden und die wichtigsten Themen des kommenden Jahres. mehr ...
 
17.12.2015 – Wir haben uns in der Versicherungswirtschaft umgehört und nach den Erwartungen für das neue Jahr gefragt. 15 Unternehmen haben uns gesagt, welche Trends sie sehen und wo sie selbst Schwerpunkte setzen wollen. mehr ...