27.3.2026 – In der Kunden-Journey beeinflusse Künstliche Intelligenz schon heute Kaufentscheidungen und sorge für mehr Transparenz. Berater wiederum können bei bisher zeitintensiven Prozessen profitieren: von der Polizzenüberprüfung bis hin zum Abrechnungs- und Vertragsmanagement. Und längerfristig könnte KI das Geschäftsmodell der Versicherungen revolutionieren.

Der Einsatz Künstlicher Intelligenz (KI) bei Versicherungen und Versicherungsmaklern war vergangene Woche Thema mehrerer Vorträge beim 14. Insurance Forum Austria von Business Circle in Stegersbach. Das VersicherungsJournal fasst einige der interessantesten Punkte zusammen.
Künstliche Intelligenz sei bereits voll in der Versicherungsbranche angekommen, die Auswirkungen der KI seien nicht mehr wegzudiskutieren, betonte Dietmar Kottmann, Partner beim international tätigen Strategieberater Oliver Wyman in München.
Hatten 2024 global erst 29 Prozent der Versicherer KI genutzt, so stieg dieser Anteil 2025 auf 48 Prozent. Der Fokus liege dabei auf den Kernprozessen und der IT. Am häufigsten genutzt werde sie zur Effizienzsteigerung, gefolgt von Underwriting, Marketing und Investitionsevaluierung.
Kurzfristig, mit einem Zeithorizont von ein bis drei Jahren, gehe es einerseits um die Nutzung von KI-Fähigkeiten in der bestehenden Ausbaustufe. KI-Agenten würden allerdings nicht Vieles anders machen als die bereits bestehenden Chatbots, glaubt Kottmann.
Gleichzeitig werde aber die Nutzung der KI durch Kunden in der Kauf-Journey sichtbar. Das bedeute fundamentale Veränderungen für Vertriebe. Menschen würden KI zunehmend für Informationen einsetzen und schon heute mit „null Euro Aufwand“ die günstigste Versicherung finden.
Wenn Kunden ein Angebot hochladen, könne KI innerhalb von Sekunden einschätzen, ob dieses fair ist und eine Zweitmeinung über Vorteile und Schwächen sowie den Preis abgeben. In weiterer Folge können dann Produkte verglichen und damit die Kaufentscheidung beeinflusst werden.
Durch die Marktvergleiche vor Vertragsabschluss nehme die Transparenz zu: So seien 2024 in Deutschland rund 55 Prozent des Neugeschäfts von Versicherungen in intransparenten Märkten erfolgt. Kottmann rechnet damit, dass dieser Anteil bis 2035 auf 30 Prozent sinkt.
Diese Transparenz entstehe durch Navigation, Einholen von Zweitmeinungen und die Anwendung individueller Kaufkriterien. Davon würden tendenziell die dominanten Anbieter in den einzelnen Segmenten profitieren, die Trends frühzeitig und erfolgreich aufgreifen.
Mit einem Zeithorizont von fünf und mehr Jahren seien eine Disruption sowie eine Revolutionierung des Business-Modells und der Prozesse der Versicherungen möglich. Voraussetzungen dafür sind, dass KI das Vertrauen der Anwender gewinnt und menschlichen Expertenstatus erreicht.
Notwendig sei es aber auch, dass es einen regulatorisch sicheren Weg für den automatisierten Verkauf von Versicherungen über KI gibt, dass die KI hinreichend Zugriff auf Daten erhält und Kunden eine digitale ID-besitzen, mit der sie sich regulatorisch sicher identifizieren können.
Sollten diese Bedingungen erfüllt sein, würden Kunden ihr Versicherungsgeschäft an die KI delegieren, erwartet Kottmann. Die Kundenschnittstelle liege dann nicht mehr beim Vertrieb, auch nicht beim Kunden, sondern bei seinem KI-Agenten.
Welche Möglichkeiten KI schon heute bietet, zeigte Ralf Widtmann, Gründer und CEO des auf digitale Versicherungsberatung spezialisierten Insurtechs Riskine, anhand des „AI-Policy Check“ seines Unternehmens auf.
Der Versicherungsmarkt sei im Wesentlichen gesättigt, die meisten Kunden hätten viele Versicherungsverträge, betont Wittmann. Für Versicherungsberater sei es deshalb wichtig, Fremdverträge zu analysieren und Gegenangebote zu legen.
Bisher sei es ein sehr mühsamer Prozess gewesen, herauszufinden, was der Kunde „schon hat“. KI ermögliche nun, die Vertragsdaten auszulesen; analysiert werden dabei neben Metadaten auch Klauseln, Deckungen und Risikodaten.
Daraus würden sich einerseits Impulse für die Beratung ergeben („Wie gut ist der Kunde bisher abgedeckt?“), andererseits könne man durch den schnellen Angebotsprozess effizient zu einem Gegenangebot kommen.
Einen weiteren Use Case für die Praxis des Versicherungsmaklers zeigte Michael Selb, Geschäftsführer des Vorarlberger Versicherungsmaklers Fidesda, am Beispiel der KI-Assistentin „Maia“. Dabei gehe es um Prozesse, die „zeitintensiv jeden Tag auf dem Programm“ stehen.
Im Bereich von Antrags- und Polizzenprozessen unterstütze Maia beispielsweise bei Antragsurgenzen, bei der Überprüfung, ob Polizzen vom Antrag abweichen, ebenso wie bei der Prüfung von Folge-, Wertanpassungs- und Stornopolizzen.
Weiters diene sie als „Prozesswächterin“ unter anderem für E-Mails oder Dokumente von Versicherungen sowie im Abrechnungs- und Vertragsmanagement. Schließlich habe man auch bestimmte Kfz-spezifische Prozesse „komplett automatisiert“.
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