Wasserstoff: Allianz rechnet mit mehr Versicherungsnachfrage

30.4.2021 – Die Wasserstofftechnologie gilt als ein Element der „Energiewende“. In der Allianz-Gruppe erwartet man eine steigende Nachfrage nach Versicherungsschutz für Wasserstoff-Industrieprojekte. Denn neben einem hohen Maß an technischer Expertise seien mit dieser Technologie auch einige Risiken verbunden.

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Wasserstoff als Treibstoff oder Energieträger – das ist eine der Optionen, die als Alternativen zu fossilen Brennstoffen helfen sollen, den Kohlenstoffausstoß zurückzufahren.

Wasserstoff ist auch Teil der österreichischen „Langfriststrategie 2050“, die das Nachhaltigkeitsministerium Ende 2019 veröffentlicht hat. Sie schreibt erneuerbarem Wasserstoff „eine zentrale Rolle bei der Dekarbonisierung“ in der Industrie zu, vor allem in energieintensiven Branchen.

„In den industriellen Prozessen wird Wasserstoff nicht nur als prozessbedingter Rohstoff eingesetzt, sondern kann auch Erdgas als Energieträger ersetzen, wenn eine Elektrifizierung des Erzeugungsprozesses nicht möglich ist“, steht dort weiter zu lesen.

Milliardenschwere Programme

Stefanie Thiem, Hauptbevollmächtigte AGCS Österreich (Bild: Allianz)
Stefanie Thiem,
Hauptbevollmächtigte
der AGCS in Österreich
(Bild: Allianz)

Der Unternehmensversicherer Allianz Global Corporate & Specialty (AGCS) beschäftigt sich in einem aktuellen „Risiko-Bulletin“ mit Chancen und Risiken des „grünen Wasserstoffs“.

Er sei „von wachsender Bedeutung als Ersatz für fossile Brennstoffe im Energie-, Versorgungs-, Mobilitäts- und Industriebereich“, so Stefanie Thiem, Hauptbevollmächtigte der AGCS in Österreich.

Laut einem Bericht, den das Hydrogen Council und McKinsey im Februar 2021 veröffentlicht haben, gibt es in mehr als 30 Ländern der Welt Wasserstoff-Förderprogramme, von 228 großangelegten Wasserstoffprojekte ist die Rede.

Wenn alle diese Projekte verwirklicht werden, werde sich das Gesamtinvestment bis 2030 auf über 300 Milliarden Dollar belaufen. Regierungen weltweit haben laut dem Bericht bislang über 70 Milliarden Dollar zugesagt.

Für „Ausweitung des Risikomanagements“

Die geplanten Großprojekte „erfordern allerdings eine Ausweitung des Risikomanagements“, wie es von der AGCS aufgrund ihrer Risikoanalyse heißt. Potenzielle Gefahren rund um die Produktion, die Lagerung und den Transport von Wasserstoff „sollten künftig proaktiv gemanagt werden“.

„Art und Umfang von Wasserstoffprojekten werden sich grundlegend ändern – mit einem rasanten Wachstum der Anlagen ist zu rechnen, und neue Akteure treten in den Markt ein. Das Risikomanagement wird damit Schritt halten müssen”, sagt Thiem.

Wesentliche Risiken der Wasserstofftechnologie

Der Versicherer spricht in der Analyse insbesondere folgende „Kernrisiken“ an:

  • Brand- und Explosionsgefahren: Die Hauptgefahr beim Umgang mit Wasserstoff bestehe in einer Explosion, wenn der Stoff mit Luft in Verbindung kommt. Zudem seien Lecks ohne spezielle Detektoren schwer zu erkennen, da Wasserstoff farb- und geruchlos ist. „Statistiken zeigen, dass etwa einer von vier Wasserstoffbränden auf Leckagen zurückzuführen ist, die zu rund 40 Prozent vor dem Schaden unentdeckt blieben.“
  • Materialversprödung: Durch die Diffusion von Wasserstoff, so die AGCS, können Metalle und Stahl verspröden, wie zum Beispiel Rohrleitungen. Wichtig sei also, dass Probleme wie Versprödung und Rissbildung schon in der Konstruktionsphase durch die Auswahl der richtigen Werkstoffe berücksichtigt werden.
  • Betriebsunterbrechung: Im Falle einer Beschädigung von Elektrolysezellen oder Wärmetauschern in Verflüssigungsanlagen könne es Monate dauern, bis diese ersetzt werden, mit Produktionsverzögerungen und erheblichen finanziellen Verlusten als möglicher Konsequenz.

Schadenauswertung: Feuer und Explosionen kommen teuer

AGCS-Analyse zu Wasserstoff (Cover; Quelle: AGCS)
AGCS-Analyse zu Wasserstoff
(Cover; Quelle: AGCS)

Die AGCS hat mehr als 470.000 Schadensfälle aus fünf Jahren quer durch die Industriesektoren untersucht.

Ergebnis: Feuer und Explosionen zerstörten Werte von mehr als 14 Milliarden Euro, berichtet der Versicherer. Ohne Berücksichtigung von Naturkatastrophen seien elf der 20 größten untersuchten Versicherungsschäden auf diese Ursache zurückzuführen.

Durch Kosten für Betriebsunterbrechungen nach einem Brand könne die endgültige Schadensumme erheblich steigen. „Zum Beispiel beträgt der durchschnittliche BU-Schaden durch einen Brand oder eine Explosion laut einer AGCS-Studie 5,8 Millionen Euro im Vergleich zu vier Millionen Euro für den durchschnittlichen direkten Sachschaden bzw. 45 Prozent mehr.“

Fünf Prozent des Gesamtwerts aller Schäden waren im Berichtszeitraum auf Schäden an technischen und maschinellen Anlagen zurückzuführen.

Prognose: Nachfrage nach Deckungen wird zunehmen

Bei der AGCS schließt man aus alldem, dass Versicherer in Zukunft „mit einem deutlichen Anstieg der Nachfrage nach Deckung für den Bau und Betrieb von Elektrolyseanlagen oder Pipelines für den Wasserstofftransport“ rechnen können.

Thiem: „Es gibt zu Recht eine große Begeisterung für Wasserstofflösungen als Schlüsselfaktor für eine kohlenstoffarme Wirtschaft. Aber wir sollten nicht übersehen, dass diese Projekte komplexe Industrie- und Energierisiken beinhalten und ein hohes Maß an technischer Expertise und Versicherungs-Know-how erfordern.“

Zum Herunterladen

Das „Risiko-Bulletin ‚Die Wasserstoff-Industrie: Chancen und Risiken bei der Energiewende‘“ kann als PDF-Dokument (6 Seiten, 606 KB) von der Website der Allianz heruntergeladen werden.

Schlagwörter zu diesem Artikel
Nachhaltigkeit · Unwetter
 
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