KI oder Mensch: Wem bei der Beratung mehr vertraut wird

16.10.2026 – Mehr als ein Drittel der Österreicher nutzt künstliche Intelligenz für Finanzwissen, Vorsorge und finanziellen Entscheidungen, so ein Ergebnis der Finanzvorsorgestudie. Dabei zeigen sich die Befragten aber durchaus risikobewusst. Und persönliche Beratung wird als deutlich kompetenter eingeschätzt als jene durch KI.

Präsentierten die Uniqa-Finanzvorsorgestudie: Studienleiterin Martina Zöchner, Uniqa-Vorstand Rene Knapp und WU-Professorin Bettina Fuhrmann (Bild: VJ)
Präsentierten die Uniqa-Finanzvorsorgestudie: Studienleiterin Martina Zöchner, Uniqa-Vorstand René Knapp und WU-Professorin Bettina Fuhrmann (Bild: VJ)

Bereits zum sechsten Mal hat die Uniqa Insurance Group ihre Finanzvorsorgestudie veröffentlicht. Ein besonderer Schwerpunkt lag diesmal auf der Rolle, die künstliche Intelligenz für Finanzwissen und Beratung spielt, betonte René Knapp, für Personenversicherung zuständiger Vorstand, bei der Präsentation.

Für die Studie hat das Marktforschungsinstitut Reppublika Research & Analytics von Mai bis Juli dieses Jahres 3.029 Personen zwischen 16 und 60 Jahren in computergestützten Online-Interviews befragt. Die Studie sei repräsentativ für die österreichische Bevölkerung, so das Institut.

Künstliche Intelligenz wird im Zusammenhang mit Finanz- und Versicherungsthemen signifikant häufiger von 18- bis 29-Jährigen als von den übrigen Alterskohorten sowie von Männern als von Frauen genutzt, sagte Studienleiterin Martina Zöchner.

Wie künstliche Intelligenz genutzt wird

Die Erklärung von Finanzbegriffen ist für die Studienteilnehmer das wichtigste Thema bei der Anwendung künstlicher Intelligenz für Finanzwissen, Vorsorge und finanzielle Entscheidungen: 36 Prozent der Befragten nutzen KI dafür regelmäßig oder gelegentlich.

Mehr als ein Viertel setzt KI auch für den Vergleich verschiedener Anlagemöglichkeiten und konkreter Finanzangeboten, zur Unterstützung bei der Auswahl von Anlageformen, für konkrete finanzielle Entscheidungen oder die Einschätzung von finanziellen Risiken ein.

Beim Einsatz der KI für Finanzthemen gebe es auch ein ausgeprägtes Risikobewusstsein, so Zöchner. 52 Prozent der Befragten trauen sich sehr oder eher zu, Antworten der künstlichen Intelligenz zu Finanzthemen kritisch zu hinterfragen.

42 Prozent sagen, sie könnten passende Fragen an die KI stellen, um hilfreiche Antworten zu Finanzthemen zu erhalten. Je 34 Prozent glauben gut einschätzen zu können, ob die Informationen der KI zu Finanzthemen verlässlich und korrekt sind und wann sie der KI vertrauen können.

Zweifel an der Kompetenz der KI

Persönliche Beratung werde eindeutig als stärker eingeschätzt als jene durch KI, vor allem Frauen würden der persönlichen Beratung mehr Kompetenzen zuschreiben, so ein weiteres Ergebnis der Studie.

Nur jeweils ein Zehntel der Befragten glaubt, dass KI besser darin sei, passende Finanz- und Versicherungsprodukte zu empfehlen, Sicherheit bei Entscheidungen zu geben oder individuelle Bedürfnisse und die persönliche finanzielle Situation zu berücksichtigen. Menschen wird das von jeweils mehr als 50 Prozent stärker zugetraut.

Am ehesten wird der KI noch zugetraut, verschiedene Finanz- und Versicherungsprodukte schnell und umfassend zu vergleichen (KI besser: 29 Prozent; Mensch besser: 35 Prozent) und komplexe Themen verständlich zu erklären (KI: 18 Prozent; Mensch: 44 Prozent).

Persönliche Beratung bevorzugt

Nur ein geringer Anteil der Befragten würde sich bei einer Entscheidung vollständig auf die KI verlassen, so Zöchner. Die meisten Österreicher würden, nachdem sie sich mittels KI über Finanz- und Versicherungsthemen informiert haben, noch zusätzlich eine persönliche Beratung in Anspruch nehmen.

So würden 70 Prozent im Bereich der Altersvorsorge, Pensionsplanung und Absicherung jedenfalls oder eher zusätzlich eine persönliche Beratung nutzen wollen; bei der privaten Krankenversicherung sind es 69 Prozent und bei Sachversicherungen immer noch 67 Prozent.

Insgesamt ist das Vertrauen in persönliche Beratung hoch: Wenn persönlicher Berater und künstliche Intelligenz unterschiedliche Empfehlungen abgeben, würden nur neun Prozent eher der KI, 44 Prozent aber eher dem Berater folgen; 35 Prozent würden eine dritte Entscheidungshilfe suchen.

Grundsätzlich wäre eine professionelle Vorsorgeberatung den Österreichern auch etwas wert: 45 Prozent der Studienteilnehmer wären bereit, dafür zu zahlen; unter den 16- bis 29-Jährigen sind es sogar 62 Prozent.

Schlagwörter zu diesem Artikel
Altersvorsorge · Marktforschung · Sachversicherung
 
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