Makler und VVO ergänzen Muster für Courtagevereinbarungen

29.5.2018 – Fachverband und Versicherungsverband haben sich auf einen unverbindlichen Mustertext zur Ergänzung von Courtagevereinbarungen verständigt. Er soll Anpassungen an die neue IDD-Rechtslage im Hinblick auf wechselseitige Informationspflichten bringen. Viele Versicherer hätten bereits Ergänzungen versandt. Teilweise seien erhebliche Abweichungen vom Mustertext festzustellen, empfiehlt der Fachverband eine genau Prüfung der zugeschickten Ergänzungen.

WERBUNG

Bekanntermaßen wird die Versicherungsvertriebs-Richtlinie (IDD) in Österreich „zweiteilig“ umgesetzt.

Den ersten Teil, also das vom Finanzministerium vorgelegte Versicherungsvertriebsrechts-Änderungsgesetz (VersVertrRÄG 2018), das sich auf den Direktvertrieb bezieht, hat der Nationalrat bereits im März verabschiedet (VersicherungsJournal 22.3.2018).

Die Umsetzung für den Bereich der selbstständigen Versicherungsvermittlung steht indes noch aus – wobei die Zeit drängt, denn der nationale Gesetzgeber muss die IDD bis Jahresmitte in nationales Recht gegossen haben (VersicherungsJournal 20.3.2018).

Trotz des derweil fehlenden „zweiten Teils“ der heimischen IDD-Umsetzung: Die Bestimmungen des VersVertrRÄG wirken sich – zumindest indirekt – auch auf den Vertrieb im Allgemeinen, also auch auf die Vermittler, aus.

Courtage-Ergänzungen zwecks IDD-Konformität

Aufgrund dessen „ist es notwendig, die Courtagevereinbarungen zwischen Versicherern und Maklern IDD-konform zu gestalten“, wie der Fachverband in einer Sonderaussendung am Montag schreibt, zumal IDD und VAG-Novelle „diverse unterschiedliche neue wechselseitige Pflichten für Versicherer und Vermittler“ enthielten.

Nach dem (unverbindlichen) Annex zur Muster-Courtagevereinbarung in Sachen Datenschutz-Grundverordnung (VersicherungsJournal 4.5.2018) habe man deshalb mit dem Versicherungsverband (VVO) auch eine unverbindliche Courtage-Ergänzung erarbeitet, „in der die künftigen IDD-getriebenen wechselseitigen Rechte und Pflichten beschrieben werden“.

Im Kern geht es um das Thema „Aufsichts- und Lenkungs-Anforderungen“ für die Produktentwicklung beziehungsweise Produktgenehmigung (englisch: „Product oversight and governance requirements”, kurz „POG“) (VersicherungsJournal 29.5.2017, 6.9.2017). Stichworte sind hier Zielmarkt, Produkt- und Vertriebsinformation.

Der VVO habe seine Mitglieder bereits von der neuen Mustervereinbarung in Kenntnis gesetzt. Bei vielen Versicherern seien in den letzten Tagen Ergänzungen zu den jeweiligen Courtagevereinbarungen versandt worden.

Fachverband spricht von teils erheblichen Abweichungen

„Soweit überblickbar, greifen dabei die meisten Versicherer (zumindest großteils bzw. weitgehend) auf die Textvorschläge des Fachverbandes und des VVO zurück“, berichtet der Fachverband weiter, „teilweise weichen die Courtageänderungen jedoch erheblich von der unverbindlichen Mustervereinbarung mit dem VVO ab.“

Beispielsweise bestimme ein Passus, dass eine Verarbeitung von Gesundheitsdaten durch den Versicherer, etwa im Zuge einer Schadenabwicklung, nur erfolgen könne, wenn diese Daten vom Kunden direkt an den Versicherer mit der Bitte um Prüfung und Schadenbearbeitung übermittelt werden – nicht aber, wenn sie durch einen Vermittler eingereicht werden.

Der Fachverband hält eine derartige Regelung für problematisch, „da hier vertraglich in die gesetzlich geregelten Rechte des Maklers – Schadenabwicklung für den Kunden – eingegriffen wird“. Die Standesvertretung rät Maklern deshalb, Ergänzungen genau zu prüfen und zu bewerten.

Die Standesvertretung kündigte an, mit dem VVO und einzelnen Versicherern „in nächster Zeit ergänzend Gespräche über die IDD-bezogenen Inhalte von Courtagevereinbarungen“ zu führen.

Weiterführende Information

Das eineinhalbseitige Dokument ist im Mitgliederbereich der Fachverbandswebsite sowie auf www.fitforidd.at abrufbar.

 
WERBUNG
Ihr Wissen und Ihre Meinung sind gefragt

Ihre Leserbriefe können für andere Leser eine wesentliche Ergänzung zu unserer Berichterstattung sein. Bitte schreiben Sie Ihre Kommentare unter den Artikel in das dafür vorgesehene Eingabefeld.

Die Redaktion freut sich auch über Hintergrund- und Insiderinformationen, wenn sie nicht zur Veröffentlichung unter dem Namen des Informanten bestimmt ist. Wir sichern unseren Lesern absolute Vertraulichkeit zu! Schreiben Sie bitte an redaktion@versicherungsjournal.at.

Allgemeine Pressemitteilungen erbitten wir an meldungen@versicherungsjournal.at.

Täglich bestens informiert!

Der VersicherungsJournal Newsletter informiert Sie von montags - freitags über alle wichtigen Themen der Branche.

Ihre Vorteile

  • Alle Artikel stammen aus unserer unabhängigen Redaktion
  • Die neuesten Stellenangebote
  • Interessante Leserbriefe

Jetzt kostenlos anmelden!

VersicherungsJournal in Social Media

Besuchen Sie das VersicherungsJournal auch in den sozialen Medien:

  • Facebook – Ausgewähltes für den Vertrieb
  • Twitter – alle Nachrichten von VersicherungsJournal.at
  • Xing News – Ausgewähltes zu Karriere und Unternehmen
  • Youtube – Hintergründe zum Buchprogramm
Diese Artikel könnten Sie noch interessieren
22.3.2018 – Die Umsetzung der IDD und das Vollzugsgesetz zur Basisinformationsblätter-Verordnung standen am Mittwoch zur Beschlussfassung an – mit denen nicht alle Abgeordneten einverstanden waren. Wir haben beim Finanzministerium auch nachgefragt, was es mit den zwei unterschiedlichen Definitionen des Begriffs „Versicherungs-Anlageprodukt“ auf sich hat. (Bild: Parlamentsdirektion/Thomas Jantzen) mehr ...
 
17.11.2017 – Die Zeit für die Umsetzung der Versicherungsvertriebs-Richtlinie wird knapp. Wie es scheint, stehen aber die Chancen gut, dass die Branche einen Aufschub bekommt. Im Wirtschafts- und im Finanzministerium findet das aus mehreren Gründen Unterstützung. mehr ...