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Telekom, Bank, Versicherung: ein verschmelzendes Trio?

6.6.2024 – Versicherungsverkauf genau dann und dort, wo der Bedarf anfällt, Bequemlichkeit und Qualität von Versicherungslösungen, „White Label“-Angebote, bei denen sich das Kundenvertrauen vom Versicherer hin zum „Point of Sale“ im Annexvertrieb verlagert – über Szenarien im künftigen Zusammenspiel der drei Sektoren diskutierte ein branchenübergreifendes Panel beim MOI Innovation Day.

Das Panel unter der Leitung von Moderatorin Krisztina Dudas beim MOI Innovation Day im Palais Berg (Bild: VJ/Screenshot)
Das Panel unter der Leitung von Moderatorin Krisztina Dudas beim MOI Innovation Day im Palais Berg (Bild: VJ/Screenshot)

Telekom, digitales Banking, Versicherung: Diese drei sollten nicht notwendigerweise als völlig separate Industrien angesehen werden, meinte Georg Hauer, Berater in Sachen digitales Banking und Fintechs und früherer N26-Manager, am Mittwoch beim „MOI 2024 Innovation Day“ in Wien.

In vielen Märkten der Welt seien diese drei „ein und dasselbe“ – oder zumindest weit weniger scharf voneinander abgegrenzt als in Europa. Das Konzept der eingebetteten Finanzdienstleistung („embedded finance“) lasse diese Grenzen noch weiter verschwimmen.

Zusammenwachsende Geschäftsmodelle

Banken fungierten also als größere Vertriebskanäle für Versicherungen, Telekomunternehmen könnten die Funktion von „digital wallets“ bereitstellen und bestimmte Funktionen von Banken übernehmen, Versicherungen wiederum könnten KI- bzw. datengetriebene Unternehmen werden.

Hauers Prognose: Schnittstellen und das Zusammenwachsen der verschiedenen Geschäftsmodelle werden die Art und Weise, wie diese Unternehmen arbeiten und wie sie mit ihren Kunden interagieren, verändern.

Telekomunternehmen als „Facilitator“

Michael Jakob Reinartz, Vodafone Deutschland (Bild: VJ)
Michael Jakob Reinartz,
Vodafone Deutschland (Bild: VJ)

Jakob Reinartz, Innovation Director bei Vodafone Deutschland, sagte, man sehe sich in der Rolle als „Facilitator“, als „Ermöglicher“ für die Finanzindustrie zu agieren.

Vehikel dafür sei ein Pakets von Schnittstellen, die das Geschäft der Finanzindustrie „sicherer und einfacher“ machen sollen.

Eines der Beispiele, die Reinartz anführte, war das 2021 von Telekomunternehmen initiierte und 2022 gestartete „Camara“-Projekt.

In dessen Rahmen werde eine Standardisierung von Schnittstellen angestrebt.

Bequeme Lösungen …

Igor Richtmann, Uniqa Österreich (Bild: VJ)
Igor Richtmann, Uniqa Österreich
(Bild: VJ)

Banken gehörten zu den „ältesten Affinity-Plattformen“ für Versicherungen, sagte Igor Richtmann, Head of Affinity bei der Uniqa Österreich Versicherungen AG.

Er verwies dabei speziell auf die Kombination von Kreditkarte und Versicherung.

Aktuell seien wir in einer Ära, in der der Fokus darauf liege, Lösungen herzustellen, die für die Nutzer „bequem“ sind.

Heute gebe es bereits deutlich mehr solcher Lösungen als etwa noch vor zehn Jahren, und sie seien zudem noch bequemer geworden.

… müssen aber auch gut sein

Richtmann betonte aber auch: Versicherungsangelegenheiten bequem via Webapp oder Smartphone erledigen zu können, heißte noch nicht, dass die Versicherung auch gut ist. Es gehe also nicht nur darum, die „Customer Journey“ bequem zu gestalten, sondern ein gutes Produkt anzubieten.

„Embedding“ sei im Grunde nicht anderes als Affinity: Der Versicherer verkauft die Versicherung nicht, sondern lässt sie in Kombination mit anderen Produkten verkaufen. Dies werde ein spezieller Teil der Versicherungsindustrie sein, den es weiter zu entwickeln gelte, so Richtmann.

Hauer: Zwei Vorteile durch eingebettete Finanzprodukte

Georg Hauer, Adisory on Digital Banking and Fintech (Bild: VJ)
Georg Hauer, Adisory on Digital Banking
and Fintech (Bild: VJ)

Hauer sieht in „Embedding“ zwei Vorteile. Erstens: Man erreiche den Kunden genau dann, wenn der Bedarf entsteht, beispielsweise beim Checkout im E-Commerce-Store oder wenn eine Geräteversicherung für ein neues Smartphone gebraucht werden könnte.

Der zweite Vorteil: Embedding öffne den kompletten Markt für nicht-traditionelle Akteure. So könne zum Beispiel das Mobilfunkunternehmen eine Versicherung anbieten.

Änderungen bei „alten USPs“

Dabei könnten auch „White Label“-Lösungen zum Einsatz kommen, bei denen also der „eigentliche“ Anbieter im Hintergrund bleibt.

Hauer glaubt daher, dass sich die „alten USPs“ der diversen Marktteilnehmer bis zu einem gewissen Grad ändern werden müssen.

Denn früher, so Hauer, mögen viele Kunden Versicherungsmarken ausgesucht haben, weil sie ihnen vertrauen. Speziell bei kleineren Versicherungen, etwa einer Geräteversicherung, sei dieser Markenaspekt aber nicht mehr so wichtig.

Verlagerung des Vertrauens

Vielmehr werden dann grundsätzlich darauf vertraut, dass der E-Commerce-Provider oder die Hausbank schon „den richtigen Provider“ gewählt haben werden.

„Du vertraust im Prinzip also eher dem Vertriebskanal als dem Versicherungsunternehmen im Hintergrund.“

Ändern und anpassen

Embedding eröffne demzufolge einen völlig neuen Weg, mit Kunden zu interagieren, sie besser zu erreichen und Wettbewerb in den Markt zu bringen, wovon der Kunde profitiert.

„Traditionelle Player müssen sich ändern und anpassen“, schließt Hauer. „Es ist eine Chance für sie, aber es kann natürlich auch größeren Wettbewerb bedeuten.“

Schlagwörter zu diesem Artikel
Darlehen · Fintech · Verkauf
 
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