Ehe der Hahn dreimal gekräht hat ...

4.6.2013 – Nein, kein biblischer Leserbrief, aber eine kleine Erinnerung. Nach dem Hochwasser 2002 gab es eine Versicherung, die ohne rote Zonen Hochwasser versicherte – bloß war der Tarif halt etwas teurer.

Fazit: Der VR bekam keine Anträge, denn kaum dass das Hochwasser halb verdunstet war, glaubten die Betroffenen wie die Nicht-Betroffenen schon, dass das so schnell nicht wiederkommt. Erst recht ist man nicht bereit, eine entsprechende Prämie zu zahlen.

Den Befürwortern von Pflichtversicherungen muss entgegengehalten werden, dass dies eine heikle Angelegenheit ist. Man kann einen Anwalt oder Arzt zu einer Versicherung zwingen, aber wie zwingt man fünf Millionen Haushalte, teils im 16. Stock, ihre Wohnungen gegen Hochwasser zu versichern?

Wenn man aber die Katastrophendeckung nur an die bestehenden Eigenheim- und Haushaltsversicherungen anhängt, sind schon einmal zehn bis 20 Prozent der Risken draußen. Kriegen die dann auch Ersatzleistungen? Vielleicht wieder aus dem aus Steuermitteln gespeisten Katastrophenfonds, so wie jetzt?

Derzeit sind die Vorsorgewilligen die Dummen, denn zumeist zahlt der Katastrophenfonds nach Abzug privater Versicherungsleistungen. Das ist kein Anreiz. Private Versicherungen sollten risikogerecht sein – das Gegenteil zum Umlageverfahren.

Daher ist eine obligatorische Katastrophendeckung – so verlockend die im Moment von Pegelständen jenseits der 10 m auch klingt – ein mehr als zweischneidiges Schwert. Wer bestimmt den Zwang? Wer kann sich diesem entziehen, und wo bleibt die Freiheit und die Eigenverantwortung?

Pflichtversicherungen erhalten im Übrigen zumeist vom Gesetzgeber massiv reduzierte Provisionen verabreicht – siehe Kfz-HP.

Das Problem hat also viele Facetten, und die einfache und allein-seligmachende Lösung sehe ich längst nicht.

Rudolf Mittendorfer

r.mittendorfer@unabhaengigeswirtschaftsforum.at

zum Artikel: „Versicherer rüsten sich für Hochwasserschäden”.

Leserbriefe zum Leserbrief:

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