Strategische Auslöschung

27.7.2012 – Die Aussagen van Hulles bringen Gewissheit: Die Interessen der Versicherungskunden werden verraten. Dazu eine Auswahl an Zitaten, die die fehlgeleitete Denkwelt von Van Hulle zeigen.

Wenn der Vermittlerer seinem Gegenüber nicht eine unabhängige Beratung anbiete, könne er auch ein provisionsbasiertes Regime beibehalten. – Der Versicherungsmakler, der mit Provision als Teil der Prämie im Wege der Inkassofunktion des Versicherers vom Kunden bezahlt wird, übt somit keine unabhängige Tätigkeit aus, ist Agent. Eine strategische Auslöschung (siehe VJ-Beitrag vom 26.7.12).

„Weil wir wollen, dass den Konsumenten Beratung zur Verfügung steht, verbietet die IMD Provisionen nicht.“ Van Hulle ist die Rechtsstellung der Beraterformen zum Kunden egal. Ob diese „Beratung“ vom Produktverkäufer Bank, Versicherer, Agent kommt und eben keine „Beratung“ im Sinne der Kundeninteressen sein kann, sondern bloß provisionsbasierter Produktverkauf oder von einem unabhängigen Berater, der nur vom Kunden beauftragt ist.

„Ein Vermittler oder Versicherer, der einen großartigen Service bietet, hat nichts zu verstecken.“ Hier wird schlicht das Zivilrecht negiert, das vor Gericht unverändert gilt. Inhalte wie Haftung, Beweislast, Erfüllungsgehilfe werden dem „Service“, was immer das ist, geopfert.

„Die IMD versucht, Abhilfe zu schaffen, welcher Teil der Prämie der Risikodeckung und welcher Teil dem Verkaufsprozess zuzurechnen ist“, wird durch die IMD-2 eben gar nicht geregelt. Dazu wäre eine Kalkulationstransparenz der Versicherer nach Kostenblöcken, heruntergebrochen in Prozentsätzen zur Prämie für alle Sparten erforderlich. In der LV auch der Veranlagungserfolg. Nicht bloß die unterschiedlichen Inhalte von „Vergütungen“ der verschiedenen Vertriebswege.

Was bringt all das für die Kundenwahl für ein Absicherungsprodukt? Gar nichts! Themen wie unabhängige Risikoanalyse, Deckungskonzept, Vertragsgestaltung kennt die IMD-2 nicht. Zur Sachversicherung heißt es in der IMD-2: „Die Vergütung ist in der Regel niedriger (die Provision beträgt etwa 5 - 10 % der Prämie), und das Produkt ist mit weniger Risiken behaftet.“ Die Beratung dafür fällt somit unter „bedeutungslos“.

Unter Vorspiegelung von Konsumentenschutz wird die Masse der Bevölkerung mangels Leistbarkeit von Beratungshonorar einem provisionsgierigen Verkäufermarkt mit „tollem Service“ ausgeliefert. Der IMD-2 Entwurf von Van Hulle gefährdet den EU-Wirtschaftsraum.

Walter Michael Fink

office@RMF.at

zum Artikel: „„Ein Vermittler mit großartigem Service hat nichts zu verstecken“”.

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