Teures Lehrgeld

15.1.2020 – In der Kfz-Versicherung werden weitverbreitet Angebote von Fahrzeuglieferanten angenommen. Diese verknüpfen meist Vorteile aus einer Finanzierung mit Begünstigungen der Versicherung und umgekehrt.

Wichtige Informationen werden in der Euphorie des Autokaufs oft nicht wahrgenommen. Deckungsmängel bleiben ohne Marktvergleich und Risikoanalyse unentdeckt. Etwa 67 Prozent der Privatkunden in Österreich werden vom Vertrieb der Anbieter bedient.

Spätestens im Schadensfall erleiden Kunden dann unter Umständen die Erkenntnis, dass die Beratung nicht allein im Auftrag und Interesse der Kunden erfolgte. Denn Frau/Herr Vermittler im Auftrag und Interesse einer Versicherungsfirma sind rein rechtlich immer der Gegner. Sichtbar wird das bei Gericht.

Nur der Versicherungsmakler ist zur Risikoanalyse verpflichtet und berechtigt. Ein „Bedarfs- und Wunschtest” ist eben zu wenig. Detto fehlt die Beraterdeklaration. Nur sie schenkt dem Kunden eine hundertprozentig gesicherte Transparenz der Wirkungen der Rechtsstellung der unterschiedlichen Beraterformen zum Kunden.

Es gab bereits im Jahr 2011 eine Forderung der EU-Kommission an alle 28 EU-Staaten, ein Muster vorzulegen. Die EU wählte Österreichs Vorlage. Die Umsetzung blieb aus.

Eine „objektive und relevante Information für eine wohlinformierte Entscheidung des Kunden”, wie es gesetzlich von Versicherern gefordert wird, ist durch die „Produktinformation” weder ausreichend noch zielführend erfüllt.

Sie ist weder Bestandteil der Polizze, das heißt nicht einklagbar, noch hat sie mit dem individuellen Risikoprofil des Kunden zu tun. Eine wohlinformierte Entscheidung geht damit nicht. All das ist in der Gesamtheit wirtschaftlich wie für das Vertrauen schädlich. Für Einzelne wie den Wirtschaftsstandort.

Die im EU-Dialog angelaufene IDD-Novellierung muss daher die Alleinstellung des Versicherungsmaklers in der Form der Vermittlung gegenüber dem Direktvertrieb entscheidend stärken und zu 100 Prozent transparent machen.

Das IDD-Leitbild der EU, „alle Vertreiberformen sind gleich. Man muss sich deklarieren“, kostet teures Lehrgeld für die Kunden und den Wirtschaftsstandort.

Walter Michael Fink

office@RMF.at

zum Artikel: „Unterversicherung ohne vereinbarte Versicherungssumme?”.

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