Unabhängige Beratung gezieltes strategisches Opfer?

26.7.2012 – Gesetzliche Regelungen, die für bestimmte Beraterformen – Verkäufer bei Banken und Versicherer sind keine „Berater“ – eine inhaltich andere Transparenz vorsehen, haben kein langes Leben. Gesetz hin oder her. Denn „so“ dumm sind die Menschen bei allen Wissensmängeln auch nicht. Allein das Beispiel der VKI-Altersvorsorgestudie zeigt, wo die „Beratungsqualität“ nicht zuhause ist: 15 Minuten (!) für eine Altersvorsorge durch einen „Bankberater“!

Solange zuallererst die Offenlegung der Rechtsstellung zum Kunden „weitestgehend im Vorfeld“ nicht gesetzlich strengstens sanktioniert wird, allenfalls auch mit Haftstrafe, und der seit 2009 veröffentlichte „Trustcheck“ für die 100%ige formale Sicherheit über die Art der Berechtigung eines Beraters vor Überweisung des Geldbetrages für Wertpapier und Prämie nicht endlich umgesetzt wird (es bedarf bloß einer zertifizierten Software!), würde die IMD-2 für die Masse der privaten Kunden wie der Klein-KMUs die von Produktanbietern unabhängige Beratung mit Lichtgeschwindigkeit aus dem Markt schießen.

Der naiv anmutende Kommentar von Com. Barnier, man will die „Vermittler nicht bestrafen“, beweist, dass es andere Gründe sind, als eine getürkte Transparenz. Das versteckte Ziel der Versicherer ist offensichtlich, den viel zu teuren Außendienst endlich reduzieren zu können. Ein dringend notwendiger Kostenabbau als Folge von Solvency II. Strategisch muss dafür die unabhängige Beratung, sprich der Wettbewerbsmotor, zuerst geopfert werden.

Wenn der Konsumentenschutz sich dafür stark macht, dass mangels Wettbewerbs dann die Prämien steigen und die Schadenzahlungen abnehmen, für Verbraucher wie Unternehmer, muss dort verantwortet werden, welche „Interessen“ gewahrt werden. Die Summe aus Mehrprämie, weniger Schadenleistung und Courtageverlagerung zur Bank bewegt sich für den EU-Raum bei mindestens rund 300 Milliarden Euro jährlich. Interessant für Großinvestoren und die Politik als Beiwagerl für den ESM.

Walter Michael Fink

office@RMF.at

zum Leserbrief: „Gleichheit”.

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