Wia ’s woa, wird ’s nimmamehr ...

28.10.2013 – Ein spannende Diskussion, die der „Konsument“ da angerissen hat. An der Tatsache, dass es solche Vergleichsplattformen gibt, wird man nicht mehr verbeikommen, und das ist auch in Ordnung so.

Aber auf die Gefahren, welche das blinde Vertrauen in solche Hilfsmittel für Konsumenten bringt, müssen die echten Experten schon hinweisen.

Ein Beispiel: Welches Vergleichsprogramm ist denn in der Lage, dem Benutzer zu „sagen“, dass eine Rückdatierung des Vertrages um einen Monat für die gesamte Vertragslaufzeit eine günstigere Risikolebens-Prämie verschaffen würde? Oder – weil gerade Jahresende ist – ein Vordatieren auf den 1. Jänner bei Rentenverträgen einen Jahressprung bringt? Und welches Programm zeigt, welcher Tarif mit dem Kalenderjahr, und welches mit der 6-Monatsregel das Versicherungsalter bestimmt?

Kurzum – das muss man wissen, und dieses Wissen kann man in kein Programm auslagern – denn die rechnen automatisch mit dem nächsten Monatsersten! Ähnlich – und noch viel komplexer – ist es in vielen anderen Sparten.

Es ist löblich, dass der Konsument die Gefahren der maschinellen Vereinfachung erkennt. Manchmal entsteht nämlich der Eindruck, dass die IT und Technik alles lösen. Persönliche Interaktion und „Augendiagnose“ (=Risikobesichtigung vor Ort) sind aber unersetzbar. Schließlich kann man mit einem Pschyrembel und Wikipedia bewaffent auch keinen Bauchspeicheldrüsenkrebs diagnostizieren und behandeln.

Richtig ist, dass in „einfachen“ Produkten der Computervergleich eine wichtige Orientierungshilfe leisten kann. Aber was ist in unserer Branche „einfach“? Kfz-Versicherungen? Scheint so, aber man schaue sich einmal den örtlichen Geltungsbereich in Haftpflicht und Kasko an – und schon ist es mit der Einfachheit vorbei. Jedenfalls im Schadenfall – denn der ist die „Mutter aller Schlachten“ – nicht der Prämienvergleich.

Rudolf Mittendorfer

r.mittendorfer@unabhaengigeswirtschaftsforum.at

zum Artikel: „VKI zu Online-Versicherungsvergleichen: Ja, aber …”.

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