Wie sehr kann man Realitätsverweigerung praktizieren?

12.9.2019 – Es ist zumindest bedauerlich, wie sich Vertreter einer Organisation, die von Pflichtbeiträgen gespeist wird, sich den Zahlen, Daten und Fakten des Staates verschließen.

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Beispielsweise hätten gemäß dem Sozialbericht Österreich, herausgegeben vom Sozialministerium (korrekt Bundesministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Konsumentenschutz), rund 44 Prozent aller Österreicher ohne Sozialtransfer ein Einkommen unter der Armutsgefährdungsgrenze.

Andererseits beträgt die Anzahl derer, die soviel in das System einzahlen, damit der gesamte Staat „läuft“, knapp zehn Prozent der Steuerpflichtigen – sprich diejenigen, die weit mehr an den Staat zahlen als sie über diverse Sozialleistungen wieder herausbekommen.

Man könnte auch einfach sagen: die Nettozahler oder auch tragenden Säulen Österreichs (Quelle: Einkommensstatistik, herausgegeben von Statistik Austria).

Selbstverständlich ist es so, dass jemand, der Zuwendungen vom Staat, also von den Nettozahlern, benötigt, um nicht zu den Armutsgefährdeten zu zählen, kaum die Möglichkeit haben wird, selbst vorzusorgen und daher auf die staatliche Pension angewiesen sein wird.

Ebenso ist es nicht leicht für jemanden, der gut aber nicht viel verdient, etwas auf die Seite zu legen. Und deshalb dürfen die bösen Nettozahler bzw. diejenigen, die sich der Problematik bewusst sind, und den jetzigen Konsum zugunsten eines späteren etwas einschränken, nichts für später vorbereiten, diese sind dann Opfer „der Neoliberalen”?

Es dürfte auch der AK OÖ bekannt sein, dass die staatliche Pension mit 80 Prozent des Lebensdurchschnitts-Einkommens maximiert ist (auch wenn einige der dort Tätigen möglicherweise etwas bessere Regelungen haben mögen) – und nur wenn 45 Beitragsjahre vorliegen.

Wer wird diese 45 Jahre aufweisen können? Bei 40 Jahren sind es nur mehr 60 Prozent des Lebensdurchschnittes. Alle Daten, Zahlen, Fakten liegen auf.

Aber es wird immer Leute geben, die – aus nicht nachvollziehbaren Gründen – das Gegebene einfach ignorieren oder abstreiten, selbst wenn es schwarz auf weiß von staatlichen Organisationen wie Pensionsversicherungsanstalt, Sozialversicherung, Sozialministerium, Statistik Austria usw. publiziert ist.

Oder ist die AK OÖ der Meinung, dass alle diese staatlichen Organisationen „neoliberal unterwandert“ sind?

Jörg Ziegler

bav@bav-kanzlei.at

zum Artikel: „Pensionen: AK OÖ wirft Versicherern „Propaganda“ vor”.

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