Wir hatten schon genug „Erlebnis”

27.8.2012 – Finanzberatung muß also „zum Erlebnis” werden — ich denke, wir hatten schon genug davon. Genau das müssen anständige Berater wirklich fürchten: Die Shows der Verkäuferbrigaden, die darüber hinwegtäuschen, dass sie gar nichts Schlaues zu verkaufen haben. Und wieder wird auf die „tolle Verpackung” mehr Wert gelegt als auf den Inhalt!

Und die Kunden werden gar nicht gefragt, ob sie ein Risiko eingehen wollen, sie bekommen das auf jeden Fall, egal, für welches Produkt sie sich entscheiden, selbst dann, wenn sie gar keines kaufen und Bargeld unters Kopfkissen legen. Mit Hilfe eines Beraters läßt sich nur die Wahrscheinlichkeit senken, und das auch nur dann, wenn der ausgewählte Berater sich einiger Mühe unterzieht, um Tatsachen darüber herauszufinden, was er in Wirklichkeit vermittelt. Denn so, wie jetzt die Erlebniswelt für Kunden „aufgemascherlt” werden soll, so war doch in der Vergangenheit die Erlebniswelt für Berater gestaltet: Möglichst bunt, möglichst spielerisch, möglichst „sexy”!

Im Zeitalter der um sich greifenden Transparenz kann man heute ganz leicht über Produkte im Internet und in gedruckter Form alles Mögliche nachlesen. Verstehen kann man sie nur mit entsprechender Erfahrung, mit einem allgemeinen Hintergrundwissen, was dem Kunden regelmäßig fehlt — sonst bräuchte er wohl keinen Berater. Das alles erinnert an die Forderung, dass ein Patient verstehen soll, was sein Arzt mit ihm vorhat – ein Ding der Unmöglichkeit. Das dazugehörige Formular ist für Anwälte gut, nicht für Patienten, und auch nicht für den behandelnden Arzt. Dasselbe gilt auch für die Finanzbranche.

Financial education in der Schule? Wenn sie Spaß macht, hat sie ihren Sinn verfehlt. Geld kennt keinen Spaß. Besser wäre wohl, die Tatsachen auf den Tisch zu legen und den Schülern einen pädagogisch wertvollen Anreiz zu geben, dieselben zu verinnerlichen, um im künftigen Leben gegen die „spaßmachenden Erlebnisse” gewappnet zu sein. Für so eine Erziehung in finanziellen Belangen spreche ich mich seit Jahren aus und unterstütze einige interessierte Lehrer und Schulen ebenso lange dabei.

Ich selbst habe während der Erlebnisse von 2008 die Inhalte meiner Beratung angeglichen und eine Zusatzausbildung absolviert, das halte ich für die bessere Antwort. So kann ich mich auf meine Arbeit konzentrieren, meine Kunden gut beraten und ich kann mich über Weiterempfehlungen meiner Kunden freuen.

Christoph Ledel

cml@gmx.at

zum Artikel: „„In Österreich gibt es sowieso zu viele Finanzberater“”.

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