6.7.2026 – Im Mittel erreichte die Solvenzkapitalquote (SCR) der österreichischen Versicherer per Ende 2025 einen Wert von 275,5 Prozent, hat EY analysiert. Das bedeutet eine Verbesserung gegenüber dem Vorjahreswert von 255,3 Prozent. Die anrechenbaren Eigenmittel seien um 12,3 Prozent gewachsen. 94,1 Prozent seien Eigenmittel höchster Qualität.
Die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsorganisation EY hat in einer Benchmarking-Studie wieder die veröffentlichten „Solvency and Financial Condition Reports“ (SFCR) aller der österreichischen Aufsicht unterliegenden Versicherungsunternehmen analysiert.
Analysiert wurden laut EY unter anderem Solvenzkennzahlen, Eigenmittel, Prämienentwicklung, Combined Ratio, ökonomische Bilanz, versicherungstechnische Rückstellungen, Risikomodule sowie europäische Vergleichswerte. Die Auswertung bezieht sich auf den Datenstand per 31. Dezember 2025.
EY kommt aufgrund der Untersuchung zu dem Schluss: Die Versicherungsunternehmen bleiben „trotz wirtschaftlicher Unsicherheit, hoher Schadenjahre in der Vergangenheit und anhaltender regulatorischer Veränderungen finanziell sehr solide aufgestellt“.
„Versicherer müssen auch in einem Umfeld mit höheren Zinsen, steigenden Kosten, Naturkatastrophenrisiken und neuen regulatorischen Vorgaben ausreichend Kapital halten“, hält EY fest. „Das gelingt der Branche weiterhin gut.“
EY macht das an der Solvenzkapitalquote – der SCR-Quote – fest: Sie stieg 2025 im Mittel auf 275,5 Prozent, nachdem sie ein Jahr zuvor 255,4 Prozent betragen hatte. Damit verfügten die Versicherer im Schnitt über deutlich mehr Eigenmittel, als regulatorisch erforderlich wäre.
Weiter aufgeschlüsselt, zeigt sich: Die höchste Quote erreichte – wie schon in den Vorjahren – die Gruppe der Kompositversicherer (Mittelwert: 286,1 Prozent; 2024: 265,6). Den zweiten Platz belegte das Segment „Lebensversicherer“ (Mittelwert: 268,9 Prozent; 2024: 235,9), knapp gefolgt von der Gruppe der Nicht-Lebensversicherer (265,6 Prozent; 2024: 252,1).
„Die österreichische Versicherungsbranche zeigt sich auch 2025 sehr robust. Die Solvenzquoten sind gestiegen und liegen weiterhin über dem europäischen Durchschnitt“, kommentiert Barbara Czanik, Partnerin und Leiterin des Bereichs Versicherungsprüfungen bei EY Österreich.
„Das ist ein starkes Stabilitätssignal – gerade in einem Umfeld, in dem Versicherer gleichzeitig mit höheren Schadenrisiken, Kapitalmarktveränderungen und zunehmender Regulierung umgehen müssen.“
Als einen zentralen Grund für die verbesserte Solvenzlage macht EY einen deutlichen Anstieg der anrechenbaren Eigenmittel aus. Die „Own Funds“ zur Bedeckung des Solvenzkapitalerfordernisses seien 2025 um 12,3 Prozent gestiegen (2024: +1,5 Prozent).
Gleichzeitig bleibe die Qualität der Eigenmittel sehr hoch: 94,1 Prozent der anrechenbaren Eigenmittel seien Eigenmittel höchster Qualität.
„Das ist entscheidend, weil Solvenz nicht nur eine regulatorische Kennzahl ist, sondern die Fähigkeit eines Versicherers widerspiegelt, Verpflichtungen gegenüber Kunden auch unter Stressbedingungen erfüllen zu können“, betont Christopher Grocholski, Senior Manager und Aktuar bei EY Österreich.
EY zufolge steht Österreichs Versicherungswirtschaft auch im europäischen Vergleich gut da.
„Die österreichischen Lebensversicherer erreichen 2025 eine mediane SCR-Quote von 266,6 Prozent und liegen damit über dem europäischen Vergleichswert von 244,4 Prozent. Im Bereich Non-Life liegt Österreich mit einem Median von 256 Prozent ebenfalls über dem europäischen Markt, der bei 219 Prozent liegt“, berichtet EY.
Neben der aktuellen Kapitalstärke rücke auch der regulatorische Ausblick in den Fokus, fügt EY hinzu.
Das überarbeitete Solvency-II-Regelwerk, das ab 30. Jänner 2027 anzuwenden ist, solle Effektivität und Proportionalität verbessern, langfristige Investitionen fördern und Berichtspflichten vereinfachen. Gleichzeitig würden auch Naturkatastrophenparameter unter Berücksichtigung klimabezogener Risiken aktualisiert.
„Für Versicherer bedeutet das: Die regulatorischen Anforderungen verändern sich weiter. Kleinere und weniger komplexe Unternehmen sollen entlastet werden, gleichzeitig steigt die Bedeutung von Risiko-, Kapital- und Datenmanagement.“ Auch die Frage, wie Versicherer mit langfristigen Garantien, Kapitalmarktvolatilität und klimabezogenen Risiken umgehen, bleibe zentral.
Der Solvency-II-Review beeinflusse, wie Versicherer Kapital einsetzen, Risiken bewerten, langfristig investieren und gegenüber Aufsicht und Öffentlichkeit berichten, sagt Czanik. „Unternehmen sollten die Änderungen daher frühzeitig analysieren und ihre Modelle, Prozesse und Berichterstattung entsprechend vorbereiten.“
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