5.11.2026 – Die Sicherung einer ausreichenden Altersvorsorge, physische und mentale Vorsorge und vieles mehr, damit Menschen ihren Ruhestand genießen können, sollen „zertifizierte Ruhestandsplaner“ ihren Klienten anbieten können. Ziel ist die Bildung eines Netzwerks wissensbasierter Berufe, sagt Initiator und Lehrgangsleiter Rudolf Mittendorfer.

Die Idee kommt aus den USA, aber auch in Großbritannien, Australien oder Deutschland ist das Thema seit langem präsent: Ruhestandsplanung. Nun hat die IDD Akademie auch in Österreich einen Lehrgang „zertifizierter Ruhestandsplaner“ ins Leben gerufen.
Im Gespräch mit dem VersicherungsJournal geht Initiator und Lehrgangsleiter Rudolf Mittendorfer auf seine Beweggründe und den holistischen Ansatz des zweisemestrigen und berufsbegleitend ausgestalteten Lehrgangs ein.
Pensionen seien in Österreich seit Jahrzehnten ein Thema, für Gegenwart und Zukunft würden sich gewaltige Probleme abzeichnen. Die Pensionen mögen zwar „sicher“ sein, deren Höhe und Zeitpunkt des Anfalls seien es keinesfalls, heißt es dazu in Unterlagen des Lehrgangs.
Damit Menschen aber ein langes Leben im Ruhestand genießen können, sei mehr notwendig als Geld: Besonders wichtig sei auch die physische und mentale Gesundheit.
Ein objektiver Berater sollte alles abdecken können – Versicherungen, Vermögensberatung, Immobilien und vieles mehr, so Mittendorfer. Doch das werde angesichts steigender Auflagen immer schwieriger, weshalb es zu Segmentierung und Spezialisierung in den Unternehmen komme.
Kooperationen und Netzwerke würden deshalb an Bedeutung gewinnen. Es gehe darum, Kunden vertrauensvoll zu anderen Beratern schicken zu können; die Branche denke aber „nicht sehr kooperativ“.
Ziel sei es, Berater interdisziplinär auszubilden. „Was uns vorschwebt, ist ein strukturiertes Netzwerk wissensbasierter Berufe“, sagt Mittendorfer. Wer in einem Bereich merkt, dass seine Kenntnisse enden, solle wissen, an wen er Menschen verweisen kann.
Zielgruppe für den Lehrgang sei vor allem die Finanzbranche, insbesondere Finanzberater sowie Versicherungsmakler, aber auch Steuerberater, Notare, Rechtsanwälte, Lebens- und Sozialberater, Coaches, Psychologen oder Erwachsenenvertreter sollen angesprochen werden.
Ruhestandsplanung sei allerdings kein eigenes Berufsbild, betont Mittendorfer. Rechtlich gesehen bleibe jeder in seinem Quellberuf, durch den auch die gewerberechtlichen Grenzen gesetzt sind. Der Lehrgang biete aber zusätzliche Kenntnisse.
Dank des umfangreichen Lehrplans und der „extrem profunden Vortragenden“ soll der Horizont über den Quellberuf hinaus verbreitert werden. Berater könnten sich dank einer „qualifizierten Empfehlung“ selbst aufwerten.
Das Thema „Lebensversicherung“ werde in der Bevölkerung eher negativ gesehen: „Keiner will eine Lebensversicherung kaufen“, sagt Mittendorfer. Der Begriff der Ruhestandsplanung sei dagegen „sehr positiv konnotiert“.
Bereits der Begriff „Ruhestand“ sei positiv besetzt, ihn zu planen sei schön. Menschen hätten dazu eine andere Erwartungshaltung, sie würden nicht davon ausgehen, dass ihnen ein Finanzprodukt angeboten wird. Verkauf sei deshalb kein Thema, es gehe um einen lösungsorientierten Ansatz.
Wichtig seien bei der Ruhestandsplanung auch Emotionen: In welcher Situation sind Menschen, was sind ihre Wünsche und was brauchen sie dazu? Dabei wolle man bewusst keine konfrontative Situation mit der staatlichen Versorgung schaffen, betont Mittendorfer.
Neben den Grundlagen der Ruhestandsplanung behandelt der Lehrgang eine Vielzahl von Themen: von gesetzlichen Systemen und privater Vorsorge über Unternehmens- und Vermögensstrategien bis hin zu psychosozialer und körperlicher Vorsorge sowie einer interdisziplinären Risikobetrachtung.
Absolventen sollten in der Lage sein, individuelle Ruhestandspläne zu entwickeln, dabei finanzielle, rechtliche, psychosoziale und körperliche Aspekte zu verbinden, Risiken bei fehlender Vorsorge zu erkennen und zu kommunizieren und ihre Klienten fachlich und empathisch zu begleiten.
Der erste öffentlich zugängliche Lehrgang startet im Februar 2027 und wird „obligatorisch“ als Präsenzveranstaltung abgehalten. Am Ende der 200 Unterrichtseinheiten findet eine schriftliche und mündliche kommissionelle Prüfung statt. Zertifizierungsstelle ist Austrian Standards International. Nach drei Jahren ist eine Rezertifizierung vorgesehen.
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