Entgeltoffenlegung nur ein Etappenziel?

23.10.2013 – Vom Econ wird ein Spagat der in hohem Maße völlig konträren Vorstellungen aus allen Lagern verlangt. Das wurde nicht erst durch das Referat des Econ-Sprechers Dr. Langen in Velden klar.

Nach rund 3,5 Jahren Dialog überrascht die nicht nachvollziehbare Unkenntnis des Econ darüber, dass eine wettbewerbsneutrale Entgeltvergleichbarkeit aller Vertriebswege rechnerisch nur im Wege eines kalkulatorischen Wertes der Vertragskosten inkl. Beraterentgelt im weitesten Sinn möglich ist. Das gibt es bereits in Deutschland für die Lebensversicherung generell und nur für die neue Zukunftsvorsorge jetzt auch gesetzlich in Österreich.

Völlig praxisfern ist die Idee, einen fixen Betrag als Beratungshonorar in ein KID zu schreiben. Honorare sind im Regelfall leistungsorientiert. Ein Fixhonorar wäre nichts anderes als eine Provision mit anderem Namen.

Das Honorarprinzip bedingt die Risikoverschiebung zum Klienten. Das Beraterwissen ist zu bezahlen, ungeachtet des Zustandekommens eines Versicherungsvertrages. Wird polizziert, begründet das einen weiteren Honoraranspruch für die Vertragserrichtung plus einer Haftungs- und Volumenstangente. Grundlage einer Honorarberatung ist ein Tarifwerk.

Ein Markt, in dem Produktverkäufer Provisionen erhalten, unabhängige Berater aber vom Klienten nur gegen Honorar plus Kosten treibender Mehrwertsteuer entlohnt werden dürfen, wäre eine irre Eigenschädigung durch die prompte Eliminierung des „best advice“ für eine satte Bürgermehrheit. In Großbritannien ist best advice nur noch für hoch betuchte Klienten möglich. Der Rest darf Fertigprodukte auf eigenes Risiko kaufen.

Offensichtlich ist die Entgeltoffenlegung nur ein Etappenziel zur EU-weiten Entschuldung in Ergänzung zum Inflationsklau. Es erhärtet sich der Verdacht, die bedrohlichen EU-Haftungsschirme und Staatschulden durch Ertragskonzentration bei Versicherern und Banken abzulösen, mit Verkauf nur noch über online-Bankportale und webbasierte Vergleichsplattformen, indem die Eliminierung des Beratermarkts mit nachfolgendem Abbau des Außendienstes und in der Folge geringerem Wettbewerb ein jährliches Mehraufkommen aus Lohnkostenersparnis, teureren Prämien plus geringen Leistungen von mindestens rund 300 Milliarden Euro brächte, Index gesichert. Eine Art EURO-Milliarden mit sicherem Jackpot.

Walter Michael Fink

w.fink@unabhaengigeswirtschaftsforum.at

zum Artikel: „EU-„Beipackzettel“ für Finanzprodukte nimmt nächste Hürde”.

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