Gezillmerte Kosten sind kein Werk des Teufels

14.4.2014 – Ich berate und verkaufe seit 1978 Lebensversicherungen und 99% meiner Kunden zahlen dort, wo es Unterjährigkeitszuschläge gibt, jährlich! Abgesehen davon, dass aus dem Leserbrief nicht hervorgeht, wer mit „wir verrechnen 3%....” gemeint ist, betrugen/betragen die UJZ eher 5 bis 6%, was zinseszinslich korrekt berechnet über 13% ausmacht. Das einem Kunden nicht klarzumachen und unterjährige ZW zu vereinbaren, kann sehr problematisch werden.

Im Übrigen ist die kopflastige Provision keineswegs das Problem für die hohen Rückkaufsquoten. Im Gegenteil, das VersRÄG 2006 (das leider von den Vermittlern viel zu wenig hinterfragt worden ist, weil eben nur diese die „Krot zu schlucken hatten”) hat doch dazu geführt, dass die Rückkäufe zunahmen.

Wieso wohl? Weil unseriöse Verkäufer mit höheren Rückkaufswerten den Ausstieg besser argumentieren konnten – die Welt ist halt oft verquer, aber dieses Ergebnis habe ich selbst sowohl dem Ministerium als auch den Konsumentenschützern vergeblich dazulegen versucht.

Gezillmerte Kosten sind also keineswegs ein Werk des Teufels, sondern eine durchaus kluge und weit über 100 Jahre bewährte Vorgangsweise. Aber die Menschen wollen Blut sehen – und daher wird im nächsten Schritt die Provision wohl weiter verteilt werden.

Viel wichtiger wäre hingegen, wenn sich die Branche dazu aufraffen würde, die bereits bekannten schwarzen Schafe aus dem Markt zu nehmen, und die Zugangskriterien zu verschärfen. Es gibt doch genug Beispiele von „Vermittlern“, die – sogar gerichtlich wegen Betrugs verurteilt – weiterhin in der Branche tätig sind. Mitunter gepfändet – „... mir kann man eh nix mehr wegnehmen ...“.

Wenn die Branche diese „Ingredienzen“ nicht los wird, dann kann man den Kuchen noch so schön mit Zucker bestreuen ... Der Biss hinein wird schmerzhaft oder zumindest nicht schmackhaft sein.

Im Übrigen möchte ich weder einen VVO, der „Gesetze oder Provisionsschemata“ vorgibt, noch eine Pensionsvorsorge mit einem Sparbuch verglichen haben. Beides geht einfach nicht!

Rudolf Mittendorfer

r.mittendorfer@unabhaengigeswirtschaftsforum.at

zum Leserbrief: „Produkte, Kosten und Provision der heutigen Zeit anpassen”.

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