23.4.2026 – Allianz Trade hat die globale Unternehmensinsolvenz-Prognose für 2026 nach oben korrigiert. Nun wird mit einem Plus von sechs Prozent gerechnet statt mit vier wie noch vor Ausbruch des Nahostkonflikts. Im schlechtesten Fall könnten es plus 10 Prozent werden. Für 2027 wird eine Stabilisierung auf hohem Niveau erwartet. Für Österreich wird 2026 nach derzeitigem Stand ein marginaler Rückgang erwartet, allerdings auf hohem Niveau.

Allianz Trade prognostiziert für 2026, global betrachtet, um 6 Prozent mehr Unternehmensinsolvenzen als 2025; rund 2,2 Millionen Arbeitsplätze wären weltweit gefährdet, davon 1,3 Millionen in Europa. Treiber: der Nahostkonflikt.
Damit würde die Fallzahl der Unternehmensinsolvenzen nicht nur das fünfte Jahr in Folge steigen, sondern auch deutlich über der Vorkrisenprognose liegen, die noch von +4 Prozent ausgegangen war.
„Die Dynamik hat sich spürbar verschärft“, kommentiert Gudrun Meierschitz, Vorstand der Acredia Group. „Was wir sehen, ist kein kurzfristiger Ausschlag, sondern eine Kettenreaktion entlang der globalen Wirtschaft.“
Die Krise verstärke die Volatilität auf den Energiemärkten, erhöhe Transportkosten und mache globale Lieferketten anfälliger, geht der Versicherer weiter ins Detail.
Gleichzeitig komme es zu einer Verschärfung der finanziellen Rahmenbedingungen, die Inflation erzeuge zusätzlichen Druck.
Die Folgen seien entlang der gesamten Wertschöpfungskette spürbar, von der Agrar- und Lebensmittelindustrie über das verarbeitende Gewerbe bis hin zu technologiegetriebenen Branchen.
Besonders unter Druck stünden energieintensive Sektoren wie Transport, Chemie und Metall, aber auch Unternehmen mit geringen Margen, hoher Verschuldung oder eingeschränkter Preissetzungsmacht.
„Die Effekte greifen ineinander: steigende Kosten, schwächere Nachfrage und schwierigere Finanzierung. Genau diese Kombination bringt viele Geschäftsmodelle unter Druck“, erklärt Meierschitz.
Österreich bewege sich weiter auf einem „historisch erhöhten Insolvenzniveau“, stellt die Acredia fest: Mehr als 6.800 Unternehmensinsolvenzen 2025, das sei der höchste Stand seit 2009, im vierten Anstiegsjahr in Folge.
Diese Dynamik setze sich 2026 fort. Schon im ersten Quartal zähle man 1.687 Insolvenzen, der Anteil mangels Masse nicht eröffneter Verfahren habe mit 41 Prozent einen neuen Höchststand erreicht.
44 Prozent aller Fälle betreffen laut Acredia Handel, Bau sowie Gastronomie und Beherbergung. In Transport und Logistik sowie B2B-Dienstleistungen gebe es deutliche Zuwächse, andere Branchen entwickelten sich differenzierter.
Für das Gesamtjahr 2026 rechnet Acredia zwar mit einem Rückgang um 1 Prozent, allerdings auf hohem Niveau mit rund 6.750 Insolvenzen. Erst 2027 könnte sich mit etwa 6.300 Fällen (–7 Prozent) eine leichte Entspannung abzeichnen.
Als stark exportorientiertes Land sei Österreich von den geopolitischen Entwicklungen und den damit verbundenen Risiken überdurchschnittlich betroffen – vor allem durch steigende Kosten, gedämpfte Nachfrage und zunehmende Unsicherheit.
„Die Kombination aus schwacher Konjunktur, strukturellem Druck in der Industrie und externen Unsicherheiten hält viele Unternehmen unter Spannung. Eine nachhaltige Entlastung wird Zeit brauchen“, meint Meierschitz.
Global fällt die Prognose noch etwas nüchterner aus: Für 2027 ist demnach kein Rückgang in Sicht, nur eine Stabilisierung auf hohem Niveau, so die Acredia. Sollte der Nahostkonflikt weiter eskalieren oder länger anhalten, dürfte sich der Druck auf Unternehmen ihrer Einschätzung nach zusätzlich verschärfen.
Bei einer weiteren Eskalation, insbesondere einer länger anhaltenden Blockade der Straße von Hormus, könnten Unterbrechungen in der globalen Öl- und Gasversorgung sowie zusätzliche Engpässe bei wichtigen Rohstoffen wie Düngemitteln oder Helium die Kosten weiter erhöhen und Lieferketten zusätzlich belasten.
Ein solches Szenario könnte die weltweiten Unternehmensinsolvenzen 2026 um 10 Prozent steigen lassen, 2027 um weitere 3 Prozent. „Besonders betroffen wären die USA und Westeuropa, wo tausende zusätzliche Insolvenzen zu erwarten wären.“
Die aktuelle Entwicklung verdeutliche, dass Risiken nicht punktuell entstehen, sondern entlang der gesamten wirtschaftlichen Wertschöpfung, betont die Acredia. „Für Unternehmen wird es daher entscheidend, frühzeitig Transparenz zu schaffen und aktiv gegenzusteuern.“
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