15.7.2026 – Laut einer Valida-Umfrage gibt es in Betrieben bei Management und Mitarbeitern Problembewusstsein hinsichtlich des Pensionssystems, gleichzeitig aber auch Wissenslücken in Bezug auf betriebliche Vorsorge und fehlendes Vertrauen in ergänzende Modelle. Nicht nur strukturelle Reformen sind daher nach Ansicht von Valida nötig, sondern auch „mehr Transparenz, Information und ein generelles gesellschaftliches Umdenken“.

Das österreichische Pensionssystem werde – insbesondere aufgrund des demografischen Wandels und der Belastung des Umlagesystems – als reformbedürftig wahrgenommen.
Dies folgert die auf betriebliche Vorsorge spezialisierte Valida aus einer beim Meinungsforschungsinstitut Triple M in Auftrag gegebenen qualitativen Umfrage. Dieses hat im Frühjahr Arbeitnehmer, Arbeitgeber, Geschäftsführer und HR-Verantwortliche unterschiedlichen Alters und aus unterschiedlichen Branchen in Fokusgruppen befragt.
„Die Befragten rechnen damit, dass sie rund 50 Prozent ihres Nettogehalts künftig als Pension bekommen“, berichtet Triple-M-Geschäftsführerin Christina Matzka. „Dies zeigt das sehr geringe Vertrauen in das System und eine große Unsicherheit.“
Von Geschäftsführern und HR-Verantwortlichen werde das Pensionssystem zwar grundsätzlich als stabil bewertet, aber durch demografische Entwicklungen, steigende staatliche Zuschüsse und strukturelle Schwächen zunehmend unter Druck gesehen, heißt es in der Mitteilung von Valida.
Die große Abhängigkeit von der ersten Säule und ein vergleichsweise schwach ausgeprägtes betriebliches Vorsorgesystem würden kritisch betrachtet.
Langfristig werde eine stärkere Verschiebung in Richtung eines Mehrsäulenmodell mit mehr Gewicht für die betriebliche Vorsorge erwartet. Auch eine Stärkung der Eigenverantwortung des Einzelnen werde als notwendig erachtet.
Die Befragung zeige allerdings „erhebliche Defizite im Verständnis der zweiten Säule“, teilt Valida weiter mit. Viele Teilnehmer verbänden betriebliche Vorsorge weiterhin vor allem mit der früheren Abfertigung.
Die „Abfertigung neu“ werde meist gar nicht als Teil der Pensionsvorsorge wahrgenommen, da häufig die Option der Einmalauszahlung gewählt werde. Auch die tatsächliche Höhe und die Auswirkung der Beiträge auf die Pension seien in den meisten Fällen unklar.

Generell werde die betriebliche Vorsorge aber als „sehr sinnvoll“ erkannt. „Die Befragten wünschen sich höhere laufende Beiträge aus der betrieblichen Vorsorge für ihre Pensionsbezüge“, so Valida.
„Die Ergebnisse bestätigen, was wir tagtäglich sehen“, sagt Valida-CEO Martin Sardelic. „Das Problembewusstsein ist grundsätzlich vorhanden, aber das Wissen über die betriebliche Vorsorge ist nach wie vor sehr gering.“
Was wünschen sich die Befragten von der „idealen“ betrieblichen Vorsorge? Einfach, sicher und flexibel soll sie sein, fasst Valida zusammen.
Es gebe einen „klaren Wunsch“ nach Wahlmöglichkeiten, etwa bei der Auszahlung, Veranlagung oder freiwilligen Zuzahlungen.
Und: Die betriebliche Vorsorge soll „jedenfalls einen spürbaren Beitrag zur Gesamtpension“ leisten. Auch bestehe unter den Befragten Einigkeit, dass „mehr Geld aus der zweiten Säule“ nötig sei.
„Wenn wir das System nachhaltig stabilisieren wollen, müssen wir die zweite Säule deutlich stärken“, schließt Sardelic aus den Umfrageerkenntnissen. „Mehr Transparenz und damit mehr Vertrauen in das System und in die Veranlagung auf dem Kapitalmarkt sind dazu unerlässlich.“

In diesem Zusammenhang zeigten sich Unterschiede zwischen den Generationen.
Jüngere sind laut Umfrage aufgeschlossener gegenüber den Kapitalmärkten und nennen strukturelle Herausforderungen wie sinkende Geburtenraten oder spätere Berufseintritte, stellt Valida fest.
Ältere legten den Fokus dagegen auf „konkrete Fragen der Fairness, Planungssicherheit und der tatsächlichen Pensionshöhe“.
Philipp Mayer, Mitglied des Valida-Vorstands, erkennt ein „Spannungsfeld“ zwischen Problembewusstsein und fehlendem Vertrauen in ergänzende Modelle.
„Gerade hier“ seien „klare Rahmenbedingungen und gezielte Anreize“ für die betriebliche Vorsorge nötig.
Wenn die Menschen aufgrund der von der Regierung in Angriff genommenen Reformschritte (VJ 13.7.2026) „künftig selbst entscheiden müssen, ob sie die Gelder der zweiten Säule besser veranlagen lassen und zu einem Teil der monatlichen Pension machen wollen, müssen wir dringend in die Aufklärung und in die Information investieren“.
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