9.2.2026 – Der Kreditversicherer erwartet für 2026 global eine Zunahme der Unternehmensinsolvenzen um 2,8 Prozent. Als „entscheidenden Faktor“ für die Insolvenzentwicklung identifiziert Coface die Finanzierungskosten.
Die Zahl der weltweiten Unternehmensinsolvenzen bleibt 2026 hoch, zeigt jedoch erstmals Anzeichen einer leichten Stabilisierung: So lautet die aktuelle Prognose des Kreditversicherers Coface für das laufende Jahr.
„Trotz sinkender Leitzinsen und genereller geldpolitischer Entspannung in den letzten zwei Jahren wird für 2026 weiterhin ein weltweiter Anstieg der Unternehmensinsolvenzen um 2,8 Prozent erwartet – ein im Vergleich zu den deutlich höheren Zuwachsraten der Vorjahre moderater Anstieg“, so Coface.
Die Nachhaltigkeit dieser Erholung hänge aber stark vom Zinsumfeld ab. Schon eine Erhöhung um 25 Basispunkte könnte die globale Insolvenzentwicklung wieder kippen und auf etwa +4 bis +5 Prozent steigen.
Besonders gefährdet bleiben dem Kreditversicherer zufolge Unternehmen in der Bau-, Chemie- und Textilindustrie sowie, in Europa, exportorientierte Sektoren wie der Automobilbau und seine Zulieferer.

„Das Jahr 2026 dürfte eher eine Verschnaufpause als eine echte Trendwende bringen. Die Insolvenzzahlen stabilisieren sich nur, wenn die Finanzierungskosten nicht wieder ansteigen“, kommentiert Markus Kuger, Head of Economic Research D-A-CH bei Coface.
Dagmar Koch, Country Managerin Coface Österreich, bezeichnet diese „Stabilisierung auf hohem Niveau“ als weiterhin „fragil“.
Die Verschuldung sei weiterhin hoch, Kreditbedingungen für Unternehmen seien zuletzt unerwartet verschärft worden, die Margen seien unter Druck, sagt Koch, „und die am stärksten exponierten Branchen zeigen weiterhin Anzeichen von Spannungen“.
Besonders in Europa bleibt der Ausblick eng an die Entwicklung der Finanzierungskosten gekoppelt.
Für Deutschland rechnet Coface im Jahr 2026 mit einem Insolvenzanstieg um 1 Prozent, für Frankreich und das Vereinigte Königreich werden +2 Prozent prognostiziert.
Italien wird mit -2 Prozent vor allem von den statistischen Effekten seiner Verfahrensreformen profitieren. In den Niederlanden wird der Anstieg von +4 Prozent erwartet und spiegelt eine allmähliche Rückkehr zu einem Vor-Pandemie-Niveau wider.
„Der europäische Kontinent reagiert weiterhin äußerst empfindlich auf die Kreditkosten, die den Verlauf für 2026 weitgehend bestimmen werden“, führt Coface weiter aus.
„Ein verhaltenes BIP-Wachstum von unter 1 Prozent sowie ein Zinsniveau, das durch die Leitzinssenkungen der EZB auf 3,47 Prozent im Dezember 2025 zwar gesunken ist, aber weiterhin deutlich über dem Durchschnitt der Jahre 2009 bis 2022 liegt, werden 2026 für einen moderaten Anstieg der Unternehmensinsolvenzen in Österreich sorgen“, sagt Kuger.
In Nordamerika sieht Coface die Entwicklungen auseinandergehen: In den USA (+4 Prozent) werden die Unternehmen laut der Vorhersage „weiterhin von einer sich abkühlenden Konjunktur und Zollerhöhungen betroffen sein“, während Kanada (–5 Prozent) nach einem langen Wachstumszyklus einen deutlichen Rückgang verzeichnen werde.
Fazit des Kreditversicherers: Die Entwicklung der Insolvenzen 2026 wird weniger vom Wachstum als vom Tempo der geldpolitischen Anpassung abhängen, „sodass die Finanzierungskosten zum entscheidenden Faktor für das kommende Jahr werden“.
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