20.3.2026 – Naturkatastrophen verursachten letztes Jahr laut Swiss Re weltweit 220 Milliarden Dollar an wirtschaftlichen Schäden. Davon waren etwa 49 Prozent versichert – ein Höchstwert. Die größten versicherten Schäden hinterließen die Waldbrände in Los Angeles. Langfristig rechnet der Rückversicherer mit fünf bis sieben Prozent Natkat-Schadenwachstum pro Jahr.

Katastrophen haben 2025 weltweit wirtschaftliche Schäden in Höhe von 235 Milliarden US-Dollar verursacht; zum aktuellen Umrechnungskurs sind das rund 205 Milliarden Euro.
Davon entfielen 220 Milliarden Dollar auf Natur- und 15 Milliarden Dollar auf von Menschen verursachte Katastrophen, umgerechnet 192 bzw. 13 Milliarden Euro.
Dies geht aus einem „Sigma“-Bericht hervor, den der Rückversicherer Swiss Re am Mittwoch veröffentlicht hat.
Von den Schäden menschengemachter Katastrophen war der Großteil versichert, von den Naturkatastrophenschäden etwa 49 Prozent.
Diese 49 Prozent seien der höchste Anteil, der in den „Sigma“-Statistiken zu finden ist – für Swiss Re ein Hinweis, „dass die Versicherungswirtschaft im Umgang mit globalen Deckungslücken ihre Rolle erfüllt“.
Besonders groß seien die Deckungslücken jedoch nach wie vor in Schwellenländern, wo in der Regel 80 bis 90 Prozent der Katastrophenschäden nicht durch Versicherungen gedeckt seien.
| Schadenkategorie | 2025 | 2024 | Zehnjahres-schnitt* |
|---|---|---|---|
| Angaben in Mrd. US-Dollar in Preisen von 2025 (in Klammer in Mrd. Euro, umgerechnet von der Redaktion zum Kurs vom 19. März 2026; gerundet). – * 2015–2024. – Quelle: Swiss Re Institute. | |||
| Wirtschaftliche Schäden – davon Naturkatastrophen – davon Man-made-Katastr. | 235 (205) 220 (192) 15 (13) | 338 (294) 327 (285) 11 (10) | 280 (244) 267 (233) 13 (11) |
| Versicherte Schäden – davon Naturkatastrophen – davon Man-made-Katastr. | 120 (105) 107 (93) 13 (11) | 151 (132) 141 (123) 9 (8) | 121 (105) 111 (97) 10 (9) |
Wirtschaftliche und versicherte Naturkatastrophenschäden blieben 2025 sowohl unter dem Wert von 2024 als auch unter dem Schnitt der vorangegangenen zehn Jahre.
Balz Grollimund, Head Catastrophe Perils bei Swiss Re, relativiert allerdings: „Die unter dem Trend liegenden Naturkatastrophenschäden sind vorteilhafte Schwankungen und nicht das Ergebnis nachlassender Risiken.“
Wenn das Schadenniveau 2026 wieder im langfristigen Durchschnitt liege, könnten versicherte Schäden auf 148 Milliarden Dollar und im „Spitzenschadenszenario“ sogar auf rund 320 Milliarden steigen.
„Da die Exponierung weiter steigt, ist der Aufwärtstrend bei den versicherten Schäden strukturell“, so Grollimund. „Entscheidend ist deshalb, Risikotreiber frühzeitig zu erkennen, um Risiken zu steuern und zu reduzieren, bevor Schäden entstehen.“
Ein „Rekordanteil“ von 92 Prozent der weltweit versicherten Schäden war im letzten Jahr sogenannten Sekundärgefahren zuzurechnen.
Zu diesen zählt Swiss Re Waldbrände, schwere Gewitter, Überschwemmungen, Winterstürme (außerhalb Europas), Dürren und alle anderen „nicht primären“ Naturkatastrophengefahren – nicht zu den sekundären Gefahren zählen somit Erdbeben, tropische Zyklone und außertropische Zyklone (europäische Winterstürme).
2025 machten Waldbrände, schwere Gewitter und Überschwemmungen allein 88 Prozent aller weltweiten versicherten Naturkatastrophenschäden aus.
Mit versicherten Schäden von insgesamt 40 Milliarden Dollar waren die Waldbrände in Los Angeles im ersten Quartal 2025 das größte versicherte Waldbrand-Schadenereignis nicht nur des Jahres, sondern überhaupt.
Schwere Gewitter mit Hagel und Sturmböen verursachten weltweit versicherte Schäden von 51 Milliarden Dollar. Damit sei 2025 für diese Gefahren das drittteuerste Jahr nach 2023 und 2024 (in Preisen von 2025) gewesen.
Die weltweiten versicherten Schäden durch Überschwemmungen seien hingegen mit 3,4 Milliarden Dollar deutlich unter dem Durchschnitt der letzten fünf Jahre von 15,4 Milliarden Dollar gelegen.
Die Sigma-Daten zeigen laut Swiss Re: Zwischen 1970 und 2025 sind über 80 Prozent des langfristigen weltweiten Anstiegs wetterbedingter versicherter Schäden auf eine Zunahme der Exponierung zurückzuführen.
„Die Hauptursache für langfristig steigende Schäden liegt in einer simplen Erkenntnis: Immer mehr wertvolles Eigentum steht in Gefahrenzonen, und die Wiederaufbaukosten steigen“, erläutert Jérôme Jean Haegeli, Head Swiss Re Institute und Group Chief Economist.
Es gebe aber Fälle, in denen sich das Tempo der Schadenszunahme nicht allein durch Exponierung erklären lässt, betont Swiss Re. Dieses werde bei bestimmten Naturgefahren und in einzelnen Regionen immer stärker auch davon bestimmt, wie sich die Naturgefahren selbst verändern.
In Europa, „wo die versicherten Schäden durch schwere Gewitter am schnellsten zunehmen“, sei weniger als die Hälfte des beobachteten Wachstums allein mit Exponierung zu erklären.
„Dies deutet auf zusätzliche Treiber hin, wie etwa sich verändernde Sturmcharakteristiken und eine zunehmende Vulnerabilität“, so Swiss Re.
Haegeli folgert daraus, dass „nachhaltige und durchdachte Maßnahmen“ zur Anpassung und Risikominderung immer wichtiger werden, „damit Versicherungen tragfähig und bezahlbar bleiben und die globale Deckungslücke, also die Unterversicherung, schrumpft“.
Langfristig rechnet Swiss Re mit einem weiteren Anstieg der weltweit versicherten Naturkatastrophenschäden um fünf bis sieben Prozent pro Jahr.
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