22.7.2026 – Durchschnittlich acht Lithium-Batterien pro Tonne Restmüll, obwohl sie dort nicht hingehören, österreichweit 36 größere Brände in Entsorgungsbetrieben im Jahr 2025 – die (falsche) Akku-Entsorgung stellt die Abfallwirtschaft vor wachsende Herausforderungen. Auch die Versicherbarkeit werde dadurch nicht einfacher.

Immer mehr Lithium-Batterien im Alltag stellen die Abfallwirtschaft vor wachsende Herausforderungen, unsachgemäß entsorgte Akkus verursachen zunehmend Brände in Sammelfahrzeugen und Behandlungsanlagen.
Dies stellt das Umweltministerium anlässlich des jüngsten zweiten „Runden Tischs Batterien“ fest, bei dem Vertreter von Abfallwirtschaft, Industrie und Handel auf Einladung des Ministeriums zusammengekommen sind.
Seit dem ersten Runden Tisch im September 2025 seien mehrere Vorhaben „umgesetzt oder auf den Weg gebracht“ worden, zieht das Ministerium eine Zwischenbilanz:
Aus Sicht von Valentin Opfermann, dem Geschäftsführer der Elektroaltgeräte-Koordinierungsstelle, entfaltet die Kampagne Wirkung.
„Die über unsere ‚Her mit Leer‘-Sammelboxen im Handel erfasste Batteriemenge ist von rund 484 Tonnen im Jahr 2021 auf rund 844 Tonnen im Jahr 2025 gestiegen“, zitiert ihn das Ministerium in seiner Aussendung. „Gleichzeitig sehen wir, dass der Handlungsbedarf weiter wächst.“
Das bestätigt Gabriele Jüly, Präsidentin des Verbandes Österreichischer Entsorgungsbetriebe (VOEB) in derselben Aussendung: „Jede Woche brennt es wegen falsch entsorgter Lithiumbatterien, sowohl in Betrieben der Abfallwirtschaft als auch in privaten Haushalten.“
Ein finanzieller Anreiz würde ihrer Meinung nach dazu führen, dass viel mehr Lithiumbatterien korrekt entsorgt werden. Damit würden Brände und wirtschaftliche Folgeschäden Millionenhöhe verhindert. Die Höhe dieses Anreizes siedelt sie, je nach Batteriegröße, bei 50 Cent bis 50 Euro an.
„Dass Bundesminister Totschnig das Thema zur Chefsache macht und noch im Juli eine Task Force zur Entwicklung eines Anreizmodells einrichtet, ist ein wichtiges Signal“, sagt Thomas Kasper, Obmann des Fachverbands für Entsorgungs- und Ressourcenmanagement. „Information und Bewusstseinsbildung bleiben wichtig, reichen aber alleine nicht aus.“
Allein 2025 seien österreichweit 36 größere Brände in Entsorgungsbetrieben registriert worden, teilt der Fachverband mit. Damit entstünden nicht nur enorme wirtschaftliche Schäden, auch für Mitarbeiter, Einsatzkräfte und kritische Infrastruktur steige die Gefahr.
„Gleichzeitig wird es für viele Betriebe immer schwieriger, geeigneten Versicherungsschutz zu erhalten“, so der Fachverband. Auch dazu sollen im Herbst neue Maßnahmen besprochen werden, wie es heißt.
Der Handlungsbedarf sei groß: Bereits 46,5 Prozent aller neu in Verkehr gebrachten Gerätebatterien seien Lithiumbatterien, ihre Sammelquote liege jedoch bei nur 13 Prozent.
Ein höherer Rücklauf von Altbatterien mittels gezielter Anreize könnte laut einer Studie des Industriewissenschaftlichen Instituts (IWI), die von der privaten und öffentlichen Abfallwirtschaft in Auftrag gegeben wurde, innerhalb von fünf Jahren Schäden von bis zu 480 Millionen Euro vermeiden, fügt der Fachverband hinzu.
Aktuelle Untersuchungen zeigen nach Angaben der niederösterreichischen Fachgruppe Entsorgungs- und Ressourcenmanagement, dass sich die Zahl falsch entsorgter Lithium-Batterien im Restmüll innerhalb von zehn Jahren um rund 300 Prozent erhöht habe.
Durchschnittlich befänden sich bereits acht Lithium-Batterien in einer Tonne Restmüll, pro Müllsammelfahrzeug würden rund 70 potenzielle Brandherde festgestellt, berichtet die Fachgruppe.
„Gleichzeitig wird die Versicherbarkeit von Entsorgungsanlagen zunehmend zum Problem: Nach Bränden steigen Prämien massiv, Verträge werden gekündigt oder Versicherungen sind wirtschaftlich kaum mehr leistbar.“
Die Oberösterreichische Versicherung betonte am Dienstag die Rolle der Prävention. „Die meisten Akkubrände lassen sich durch einen bewussten und sorgfältigen Umgang vermeiden“, sagt Generaldirektor Othmar Nagl.
„Wer Warnzeichen erkennt, auf geprüfte Produkte setzt und Akkus richtig lädt und lagert – und ausgediente Akkus auch richtig entsorgt, kann das Brandrisiko deutlich reduzieren“, so Nagl weiter.
Brand- und Explosionsschäden seien meist über die Haushaltsversicherung gedeckt, ergänzt die Oberösterreichische. Je nach Schadenfall seien auch Leistungen aus der privaten Unfallversicherung oder bei Fahrzeugen aus der Kaskoversicherung möglich.
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