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Mit der Risikovernetzung steigt die Gefahr von Kettenreaktionen

28.9.2026 – Vernetzung kann von Vorteil sein, aber auch zum Problem-Multiplikator werden. Diesen Zusammenhang haben das Swiss Re Institute und die London School of Economics untersucht. Ergebnis: Die stärkere Verknüpfung von Risiken schaffe neue Wege für „systemischen Stress“. Als wichtige Knotenpunkte dieser Risikoverbindungen werden künstliche Intelligenz (KI) und Lieferketten identifiziert. Es gelte, Abhängigkeiten zu erkennen und die Risiken entsprechend zu managen.

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Risiken sind zunehmend miteinander verknüpft, stellt das Swiss Re Institute (SRI) fest. Dies lasse neue Wege entstehen, über die sich Störungen, die zunächst begrenzt sind, schneller und weiter in der Wirtschaft ausbreiten können.

Das SRI und die London School of Economics (LSE) haben sich in einer Analyse mit diesem Thema beschäftigt. Sie zeigt um „24 Prozent mehr Verbindungen zwischen den von 91 Fortune-100-Unternehmen ausgewiesenen Risiken als 2019“. Die „Fortune 100“ sind die umsatzstärksten Unternehmen der USA.

Verschiebung bei systemischen Risiken

Laut SRI und LSE deuten die Ergebnisse auf eine breitere Verschiebung bei systemischen Risiken hin. Das heißt: Risiken im Finanz- und Digitalsektor, Naturgefahren und sozioökonomische Risiken greifen zunehmend ineinander.

Wie schwer die nächste systemische Krise ausfällt, könnte daher weniger von der Größe des ursprünglichen Schocks abhängen als davon, wo er auftritt und wie weitreichend seine Folgen sind.

Störungen auch in scheinbar unabhängigen Bereichen

Studie von SRI und LSE (Cover; Quelle: SRI)
Studie von SRI und LSE (Cover; Quelle: SRI)

Die wachsende Abhängigkeit von gemeinsamen Lieferanten, Technologieplattformen und kritischer Infrastruktur könne dazu führen, dass sich Störungen auf scheinbar unabhängige Bereiche der Wirtschaft ausweiten.

„Ein Unternehmen kann gut diversifiziert erscheinen, bis sich zeigt, dass Lieferanten, Technologie und Kunden auf dieselbe Infrastruktur zugreifen. Eine einzige Störung kann dann mehrere Bereiche gleichzeitig treffen“, gibt Ivan Gonzalez, CEO von Swiss Re Corporate Solutions, zu bedenken.

„Wer diese Abhängigkeiten kennt, kann Risikokonzentrationen reduzieren und besser entscheiden, welche Risiken selbst getragen und welche übertragen werden sollen.“

Auf das Unvorhersehbare vorbereitet sein

Der Anteil der Unternehmen, die KI- und neue Technologierisiken ausweisen, sei seit 2019 um rund 30 Prozent gestiegen. Unter ihnen seien mittlerweile auch Einzelhändler, Fluggesellschaften sowie Pharma- und Lebensmittelunternehmen.

Wenn Unternehmen und Finanzinstitute zunehmend gemeinsame Technologien und ähnliche KI-Modelle nutzen, könnten Stresssituationen „schnellere und stärker synchronisierte Reaktionen“ auslösen, so das SRI.

„Wir bereiten uns meist auf die vergangene Krise vor und versuchen davon abzuleiten, was die nächste auslösen könnte. Doch bei systemischen Krisen ist entscheidend, was nach dem Schock passiert, und KI könnte diese Dynamik grundlegend verändern“, wird Jón Daníelsson, Director Systemic Risk Centre LSE and Reader of Finance, in der Mitteilung zitiert.

„Wenn Institutionen ähnliche Modelle einsetzen und in Maschinengeschwindigkeit reagieren, kann ein beherrschbarer Schock systemisch werden, bevor Zeit zum Reagieren bleibt. Die Herausforderung ist nicht, die nächste Krise vorherzusagen, sondern auf unvorhersehbare Schocks vorbereitet zu sein.“

Risiko-Knotenpunkt Lieferketten

Lieferketten sind ein weiterer wichtiger Knotenpunkt zwischen Risiken, betont das Swiss Re Institute.

„Geopolitische Spannungen, Zölle, Klimaereignisse, Pandemien und Cyberangriffe können über Lieferketten aufeinandertreffen, sodass sich ihre Auswirkungen gegenseitig verstärken“, erläutert das SRI. Störungen könnten sich so über Unternehmen und Branchen hinweg ausbreiten.

Naturgefahren: lokale Störungen mit überregionalen Auswirkungen

Der Bericht weist auch darauf hin, wie lokale Naturereignisse überregionale Wirkung entfalten können, wenn sie auf konzentrierte, schwer ersetzbare Infrastruktur treffen, von der große Teile der Wirtschaft abhängen.

So liege mehr als ein Viertel der US-Rechenzentren in Gebieten, in denen jährlich an mindestens drei Tagen mit kräftigem Hagel zu rechnen ist, mehr als 40 Prozent in Zonen mit erheblichem Tornadorisiko. In Taiwan, einem der bedeutendsten Standorte für Halbleiterproduktion, befänden sich 88 Prozent der Halbleiterwerke in Gebieten mit extremem Erdbebenrisiko.

Und Risikokonzentration sei nicht nur geografisch, macht das SRI aufmerksam: Drei Anbieter kontrollierten den Angaben zufolge im Jahr 2024 rund 70 Prozent der weltweiten Cloud-Infrastruktur, drei Unternehmen wickelten 97 Prozent der weltweiten Kreditkartentransaktionen ab.

Vorteile der Vernetzung erhalten, ohne Risiken zu konzentrieren

„Verbindungen können ein System widerstandsfähiger machen, wenn sie Risiken tatsächlich breiter verteilen“, hält Jean-Pierre Zigrand, Director Systemic Risk Centre LSE and Associate Professor of Finance, fest.

„Gemeinsame Abhängigkeiten können jedoch dazu führen, dass dieselben Verbindungen Schocks verstärken“, so Zigrand weiter. „Die Herausforderung besteht darin, die Vorteile der Vernetzung zu erhalten, ohne Risiken an denselben Stellen zu konzentrieren.“

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