22.10.2026 – Vier Fünftel der österreichischen Autofahrer finden laut Allianz-Umfrage, dass die Zunahme an moderner Technik im Auto auch zu mehr Ablenkung geführt hat. Von den Lenkern, die Touchscreen-Bedienung im Fahrzeug haben, gab knapp ein Drittel an, dass sie dadurch in mindestens eine kritische Situation geraten sind. Die Allianz schätzt, dass mindestens jeder dritte Unfall mit Ablenkung zu tun hat. Ablenkung sei außerdem mitunter riskanter als das Fahren mit 0,8 Promille.

79 Prozent der österreichischen Fahrer sind überzeugt, dass die Ablenkung durch Technologien im Fahrzeug – also etwa Touchscreens und Infotainmentsysteme – in den vergangenen Jahren zugenommen hat. 58 Prozent stufen das Ablenkungsrisiko als hoch oder sehr hoch ein.
Dies geht aus einer aktuellen Umfrage der Allianz unter 1.200 Personen hervor. 18 Prozent gaben an, dass sie in den vergangenen drei Jahren ein Unfall verursacht – oder teilweise verursacht – haben. Von diesen wiederum sagten 70 Prozent, dass Ablenkung eine Rolle gespielt habe.
Veröffentlicht wurden die Zahlen anlässlich des „14. Allianz Motor Day“ des Allianz-Zentrums für Technik (AZT), das ein Forschungsprogramm zum Thema Ablenkung am Steuer durchgeführt hat.
31 Prozent jener, die einen Touchscreen im Auto haben, haben in den letzten drei Jahren während der Fahrt mindestens eine kritische Situation durch die Bedienung des Touchscreens erlebt.
Zwei Drittel (66 Prozent; 18- bis 25-Jährige: 67 Prozent) der Befragten mit Touchscreen im Fahrzeug würden bestimmte Fahrzeugfunktionen lieber über klassische Schalter und Tasten bedienen.
Ein Problem bleibt auch das Smartphone: 40 Prozent der Befragten geben an, „zumindest gelegentlich“ während der Fahrt mit dem Handy Textnachrichten zu schreiben.
26 Prozent gaben an, dass die Nutzung eines Mobilgeräts beim Fahren innerhalb der letzten drei Jahre zu einer kritischen Situation geführt hat; unter den intensiven Nutzern räumten dies sogar 59 Prozent ein.
Die meisten sehen dabei durchaus die eigene Verantwortung: 85 Prozent sind der Meinung, dass in erster Linie die Fahrer selbst gefordert sind, Ablenkung zu reduzieren.
„Diese Einsicht ist eine gute Grundlage, denn wer das Risiko kennt, kann es auch vermeiden“, meint Jörg Hipp, CPO der Allianz Österreich.
Die Einschätzung der Befragten decke sich auch mit Untersuchungen des AZT und des auf kognitive Modellierung spezialisierten Unternehmen Cognibit.
Die Berechnungen basieren auf einem kognitiven Fahrermodell und realen Blickdaten aus einer umfangreichen Fahrzeugstudie, erklärt die Allianz und stellt fest: „Die Ergebnisse zeigen die erheblichen Auswirkungen von Ablenkung auf die Verkehrssicherheit.“ Das heißt konkret:
Die Allianz schätzt, dass mindestens jeder dritte Verkehrsunfall auf Ablenkung zurückzuführen ist. „Untersuchungen zeigen zudem, dass abgelenkte Fahrer in kritischen Situationen sogar schlechter abschneiden können als Fahrer mit einem simulierten Blutalkoholwert von 0,8 Promille“, fügt der Versicherer hinzu.
Dass Funktionen, die früher „intuitiv und ohne Blickkontakt“ bedient werden konnten, heute zunehmend via Touchscreen zu erreichen sind, und häufig genutzte Funktionen wie Klimaanlage oder Radio oft mehrere Eingaben am Bildschirm erfordern, lasse den Blick der Fahrer länger und häufiger vom Verkehrsgeschehen abschweifen.
„Unsere Forschung zeigt, dass derselbe Bedienvorgang in einem Fahrzeug bis zu 25 Prozent weniger visuelle Aufmerksamkeit beanspruchen kann als in einem anderen“, sagt Klaus-Peter Röhler, Vorstandsmitglied des Allianz-Konzerns.
Das zeige, dass Ablenkung nicht nur eine Frage des Verhaltens, sondern auch der Benutzeroberfläche ist. Röhler: „Das Cockpit selbst ist zu einem Bildschirm geworden, der mit der Straße um die Aufmerksamkeit des Fahrers konkurriert. Aber ein Auto ist kein Smartphone. Wenn es um Sicherheit geht, muss Design der Funktion folgen“,
Eine AZT-Studie unter realen Bedingungen zeige, dass die Gestaltung des Touch-Bedienkonzepts erheblichen Einfluss darauf hat, wie lange Fahrer den Blick von der Straße abwenden, wie es seitens der Allianz weiter heißt.
Bei einzelnen Aufgaben konnten durch ein günstiger gestaltetes Bedienkonzept demnach bis zu rund drei Sekunden Blickabwendungszeit einsparen. Nicht der Touchscreen selbst sei also das Problem, sondern die Art, wie Funktionen in das Bedienkonzept des Fahrzeugs integriert werden.
Die Allianz plädiert deshalb für „sicherheitsoptimierte Cockpits, klare regulatorische Vorgaben und mehr Verantwortungsbewusstsein im Straßenverkehr“.
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