20.3.2026 – Die OECD erwartet für Österreich ein positive Wirtschaftsentwicklung. Gleichzeitig spricht sie davon, dass diverse Reformen dazu beitragen würden, die Tragfähigkeit der öffentlichen Finanzen zu sichern – unter anderem bei den Pensionen. Konkret genannt werden eine Kopplung des Antrittsalters an die Lebenserwartung und weniger „Anreize zur Frühverrentung“. Neos und Industriellenvereinigung sehen darin einen Handlungsauftrag.

Steigende Realeinkommen, nachlassende Inflation, stabile Beschäftigung und ein Anstieg des BIP-Wachstums von 0,6 Prozent im letzten Jahr auf 1,1 Prozent 2026 und 1,3 Prozent 2027.
Das sind Projektionen für Österreich, die die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) mit ihrem am Donnerstag vorgelegten Wirtschaftsbericht bekanntgegeben hat.
Ein Hauptunsicherheitsfaktor für den Ausblick ist ein anhaltender Konflikt im Nahen Osten, der zu höherer Inflation – für 2027 wird an sich mit 2,2 Prozent gerechnet – und geringerem Wachstum führen könnte.
„Österreichs Einkommen und Lebensstandard sind hoch, was starken Institutionen, gut ausgebildeten Arbeitskräften und der tiefen Integration in die europäischen und globalen Märkte zu verdanken ist“, kommentiert OECD-Generalsekretär Mathias Cormann.
„Eine nachhaltige Rückführung des Haushaltsdefizits sowie Reformen im Renten-, Arbeitsmarkt- und Gesundheitsbereich würden dazu beitragen, die Tragfähigkeit der öffentlichen Finanzen zu sichern und den Auswirkungen der Bevölkerungsalterung entgegenzuwirken“, so Cormann weiter.
Zusätzliche Steuerreformen würden nach Ansicht der OECD dazu beitragen, dem „aufgrund der Bevölkerungsalterung, des Verteidigungsbedarfs und des Klimawandels steigenden Ausgabendruck“ zu begegnen.
Würden das gesetzliche Renteneintrittsalter an die steigende Lebenserwartung gekoppelt und Anreize zur Frühverrentung reduziert, hätte dies eine stärkere Nachhaltigkeit der Renten zur Folge, heißt es weiter.
Als „Handlungsauftrag für weitere Reformen im Pensionsbereich“ bewertet man den OECD-Bericht bei den Neos. „Wir müssen das faktische Pensionsantrittsalter näher an das gesetzliche heranbringen“, sagt Sozialsprecher Johannes Gasser.
„Dazu gehört eine Harmonisierung der Frühpensionspfade und eine treffsichere Gestaltung der Altersteilzeit.“ Das System müsse so aufgestellt sein, dass sich längeres Arbeiten immer lohnt.
Auch die Kopplung des Pensionsantrittsalters an die Lebenserwartung müsse „seriös diskutiert“ werden. Gasser: „Wenn die Menschen länger leben, kann man nicht so tun, als hätte das keine Auswirkungen auf das Pensionssystem.“
Eine Anpassung an die Lebenserwartung stärke die Einnahmenseite und trage zur künftigen Absicherung des Sozialstaats bei.
Auch die Industriellenvereinigung (IV) sieht einen „klaren Handlungsauftrag“. Sie rief in einer Aussendung nach einer nachhaltigen Reform des Pensionssystems.
Dazu gehöre, angesichts einer steigenden Lebenserwartung, insbesondere eine schrittweise Anhebung des gesetzlichen Pensionsantrittsalters.
Auch Einschränkungen bei Frühpensionen seien nötig, weil durch frühzeitige Austritte das System finanziell belastet und der Fachkräftemangel verschärft würden.
„Wir sehen, dass 82 Prozent der neuen Pensionistinnen und Pensionisten in Pension gehen, schlicht weil die Voraussetzungen erfüllt sind, und nicht aus gesundheitlichen Gründen“, sagt IV-Generalsekretär Christoph Neumayer.
„Das zeigt, dass vor allem die gesetzlichen Rahmenbedingungen den Ausschlag geben. Dem können wir nur mit gezielten Anpassungen beim gesetzlichen Pensionsantrittsalter begegnen“, so Neumayer.
Die bisherigen Maßnahmen wie Anpassungen bei der Korridorpension oder die Einführung der Teilpension betrachtet die IV als „erste Schritte“, die aber noch „keine tiefgreifende Reform“ machen.
„Um strukturelle Reformen und eine schrittweise Anhebung des gesetzlichen Pensionsantrittsalters samt Einschränkungen bei Frühpensionen werden wir nicht herumkommen“, so Neumayer.
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