SRI: Wenn sich der „Great Miami Hurricane“ heute ereignen würde

17.9.2026 – Bevölkerungswachstum und zunehmende Vermögenswerte haben das Schadenpotenzial eines Hurrikans in den vergangenen Jahrzehnten grundlegend verändert. Darauf macht das Swiss Re Institute aufmerksam. Eine Wiederholung des „Great Miami Hurricane“ von vor 100 Jahren, eines Sturms der Kategorie 4, könnte heute versicherte Schäden von rund 200 Milliarden Dollar verursachen, bei einem Kategorie-5-Hurrikan könnten es 300 Milliarden oder mehr sein.

Vor hundert Jahren, im September 1926, traf der „Great Miami Hurricane“ Südflorida, ruft das Swiss Re Institute (SRI) in einer aktuellen Analyse in Erinnerung. Er verwüstete die noch junge, aber schnell wachsende Stadt Miami.

Damals habe das Miami-Dade County etwas mehr als 100.000 Einwohner gehabt, heute seien es rund 2,8 Millionen – eine grundlegende Veränderung des Schadenpotenzials.

Eine Wiederholung des Great Miami Hurricane von 1926, eines Sturms der Kategorie 4, könnte heute versicherte Schäden von rund 200 Milliarden Dollar (umgerechnet aktuell rund 174 Milliarden Euro) verursachen, heißt es aus dem SRI.

Wachstum an Bevölkerung und Vermögenswerten verändert Risiken

Das Szenario zeige, wie Bevölkerungswachstum und die zunehmende Konzentration von Vermögenswerten in exponierten Gebieten die versicherten Naturkatastrophenschäden weltweit erhöhen.

„Mehr als zwei Millionen Wohngebäude im Großraum Miami mit Wiederaufbaukosten von insgesamt über 600 Milliarden US-Dollar (rund 522 Milliarden Euro; Anm.) sind heute einem mindestens mittleren Risiko durch Hurrikan-bedingte Windschäden ausgesetzt“, erklärt das SRI.

Zum Vergleich: Das Bruttoinlandsprodukt Österreichs belief sich 2025 laut Statistik Austria auf rund 514 Milliarden Euro.

Weniger Kilometer können massiven Unterschied machen

Hurrikan Matthew, 2017 (Bild: NASA)
Hurrikan Matthew, 2017, ein Sturm der Kategorie 3
(Bild: NASA)

Entscheidend sei, wo ein Hurrikan auf Land trifft. Im August 1992 war dies bei Hurrikan Andrew, einem Sturm der Kategorie 5, rund 20 Meilen südlich von Miami der Fall. Dadurch sei die deutlich größere Konzentration versicherter Sachwerte in Miami weitgehend verschont geblieben.

Nach Schätzungen des SRI könnte derselbe Verlauf heute versicherte Schäden von knapp 100 Milliarden Dollar (rund 87 Milliarden Euro) verursachen.

Bei einem Hurrikan der Kategorie 5 – der höchsten Kategorie –, der den Raum Miami oder Tampa Bay direkt trifft, könnten es sogar 300 Milliarden Dollar (rund 261 Milliarden Euro) – oder mehr – sein. Das wäre mehr als bei jedem bisher verzeichneten versicherten Einzelschadenereignis, wie das SRI anmerkt.

Entscheidend, worauf ein Sturm auf seinem Weg trifft

„Die Atlantik-Hurrikan-Saison war bislang relativ ruhig“, kommentiert Balz Grollimund, Head Catastrophe Perils bei Swiss Re. „Doch ein einziger großer Sturm in einem stark exponierten Gebiet kann aus einer ruhigen Saison eine sehr teure machen.“

Nicht nur die Stärke eines Hurrikans sei entscheidend, sondern auch, was er auf seinem Weg antrifft.

„Diese Erkenntnis reicht weit über Florida hinaus, denn mit wachsender Bevölkerung und steigenden Vermögenswerten in naturkatastrophengefährdeten Gebieten nimmt auch das Potenzial für hohe versicherte Schäden zu.“

Maßnahmen für Widerstandsfähigkeit

Es gehe daher auch um Resilienz, betont das SRI. Traditionelle und alternative Rückversicherung könne wirksamer sein, wenn sie durch „gute Katastrophenmodelle, einen konsequenten Umgang mit Risikokonzentrationen und wirksame Prävention“ unterstützt wird.

Strengere Bauvorschriften und windresistentes Bauen können dazu beitragen, Hurrikanschäden zu begrenzen, ergänzt das SRI und führt als Beispiel Hurrikan Ian 2022 an.

Damals, so das SRI, hielten neuere Häuser in Florida dank modernerer Baustandards besser stand; erneuerte und sturmfestere Dächer reduzierten die Schadenanfälligkeit zusätzlich.

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