2.9.2026 – Ein Ansparprodukt für unter 18-Jährige, spesen-, gebühren- und steuerfrei: Bundeskanzler Christian Stocker will mit diesem als „Zukunftsdepot“ bezeichneten Modell die private Vorsorge ankurbeln. Neos und Wirtschaft begrüßen den Vorschlag. Der ÖGB hält das Modell für den „falschen Ansatz“, die Grünen in erster Linie für eine Förderung für jene, die keine Förderung brauchen. Die FPÖ sähe in diesem Depot nur mit Inflationsabgeltung „ein echtes Angebot“.

Nachdem er zuletzt einen Staatsfonds als zusätzliche Finanzierungsquelle für das gesetzliche Pensionssystem vorgeschlagen hat (VJ 31.8.2026), hat Bundeskanzler Christian Stocker beim „ORF-„Sommergespräch“ am Montag auch ein Modell für die private Vorsorge ins Spiel gebracht.
Dieses „Zukunftsdepot“ soll für junge Menschen unter 18 Jahren angelegt werden können. Es soll nach Stockers Vorstellungen „spesenfrei, gebührenfrei und steuerfrei“ sein. Einzahlungen wären in diesem Modell bis zu 5.000 Euro pro Jahr möglich.
Würden für ein Kind ab der Geburt monatlich 50 Euro in dieses Depot eingezahlt, so ergäbe sich bis zum 18. Lebensjahr – bis dahin wäre das Depot gesperrt – ein Vermögen von 21.000 Euro, so jedenfalls Stockers Rechnung.
„Das Zukunftsdepot als Sparmodell ist eine wichtige Grundlage, um die nächste Generation beim langfristigen Aufbau von Vermögen zu unterstützen“, schickte Generalsekretär Markus Gstöttner seitens der ÖVP im Anschluss an die Sendung in einer Pressemitteilung nach.
„Worauf warten wir noch? Machen wir es“, reagierte Douglas Hoyos, Generalsekretär des Koalitionspartners Neos, in einer Aussendung auf Stockers Aussagen. Neos habe bereits 2024 „ein Chancenkonto gefordert, das im Wesentlichen dem Zukunftsdepot entspricht, das Christian Stocker nun will“.
Das pinke Modell hatte ein Startkapital von 25.000 Euro für junge Menschen und jährlich steuerfreie Einzahlungen von bis zu 3.000 Euro zum Zweck der Altersvorsorge sowie zur Finanzierung von Bildung, Immobilien und Unternehmensgründung beinhaltet (VJ 14.6.2024).
Positiv reagierte auch Michael Höllerer, Obmann der Bundessparte Bank und Versicherung in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), auf Stockers Vorschlag: „Wenn die Politik beginnt, den Kapitalmarkt als Vorsorgeinstrument zu begreifen, ist das ein erfreulicher und notwendiger Schritt.“
Jährliches Ansparen, Zinseszinseffekt und KESt-Befreiung könnten über die Zeit „durchaus bemerkenswerte Beträge“ ergeben, so Höllerer. „Wünschenswert wäre, wenn der Staat die Möglichkeit zur KESt-Befreiung auch auf andere Vorsorgeprodukte ausweiten würde.“
Zugleich warnt er vor „bürokratischen Hürden und einer überkomplexen Ausgestaltung“. Ob eine steuerliche Begünstigung von Anlagen in ausgewählte Kapitalmarktprodukte ein Erfolg werde, hänge davon ab, ob diese Maßnahme „in der Praxis administrierbar ist und der Fokus auf der nachhaltigen Wertsteigerung des Depots liegt“.
Die Industriellenvereinigung (IV) sieht in Stockers Vorschlag einen „wichtigen Anstoß für eine breiter aufgestellte Altersvorsorge“. Vorsorge müsse „früher beginnen und allen Menschen offenstehen“, sagt IV-Generalsekretär Christoph Neumayer.
„Ein Zukunftsdepot schafft die Möglichkeit, Kinder bereits von Beginn an die Chance zu geben, von den Möglichkeiten des Kapitalmarkts zu profitieren und so langfristig Vermögen aufzubauen – unabhängig davon, welche finanziellen Möglichkeiten ihre Eltern haben“, so Neumayer.
Damit könne nicht nur die individuelle Vorsorge gestärkt werden: „Je mehr Menschen die Chancen langfristiger Veranlagung nutzen können, desto stärker wird auch das Bewusstsein für Eigenvorsorge und finanzielle Verantwortung.“
Das Aktienforum, Interessenvertretung österreichischer börsennotierter Unternehmen, will den Kapitalmarkt „als wichtigen Baustein der Vorsorge etablieren“.
Ein „Zukunftsdepot“ für die junge Generation sei „ein wichtiger Impuls für die Vorsorgekultur in Österreich und eine breitere Beteiligung der Bevölkerung am Kapitalmarkt“, sagt Präsidentin Angelika Sommer-Hemetsberger.
Und weiter: „Wir müssen den Kapitalmarkt stärker in die Mitte der Gesellschaft bringen, wie es in vielen vergleichbaren europäischen Ländern schon seit Jahrzehnten der Fall ist. Diese breitere Teilhabe am Kapitalmarkt stärkt auch die Eigenverantwortung.“
Seitens der FPÖ zeigte sich deren Budgetsprecher Arnold Schiefer zurückhaltend. Das vorgeschlagene Depot sei „nur dann ein echtes Angebot“, wenn auch eine echte Inflationsabgeltung sichergestellt werde.
„In Zeiten hoher Inflation und niedriger Bankzinsen“ sei es ansonsten nur „ein von Gebühren und Kapitalertragsteuer – für die ohnehin niedrigen Zinsen – befreites Sparbuch“, hält Schiefer fest.
Deutlich kritisch äußerte sich Sigrid Maurer, stellvertretende Klubobfrau der Grünen. Sie sieht in Stockers Vorschlag „ein Sparmodell, von dem vor allem jene profitieren, die ohnehin genug Geld haben“.
„Wer es sich leisten kann, pro Kind Jahr für Jahr Tausende Euro zur Seite zu legen, wird zusätzlich mit Spesen-, Gebühren- und Steuerbefreiungen belohnt“, so Maurer. „Wer jeden Monat schauen muss, wie sich Miete, Lebensmittel und Schulsachen ausgehen, hat davon genau gar nichts.“
In dieselbe Richtung geht die Argumentation des Österreichischen Gewerkschaftsbundes (ÖGB). Das vorgeschlagene Depot „begünstigt vor allem jene Familien, die sich das Ansparen von bis zu 5.000 Euro pro Kind und Jahr überhaupt leisten können“.
Regelmäßig bis zu 5.000 Euro pro Kind und Jahr zu veranlagen, sei für den überwiegenden Teil der Familien unrealistisch.
„Wer 5.000 Euro im Jahr für jedes Kind übrighat, braucht keine staatliche Anschubfinanzierung“, meint Bundesgeschäftsführerin Helene Schuberth. „Wer dieses Geld nicht hat, kann vom Modell kaum profitieren. Das ist keine breite Vermögensförderung, sondern vor allem ein Vorteil für Besserverdienende und Vermögende.“
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