15.9.2026 – Kurze, lokale Regenfälle haben in den letzten 30 Jahren deutlich an Intensität gewonnen, Hochwasserereignisse entwickeln sich schneller als früher: Das Umweltministerium hat Zwischenergebnisse aus einer in Arbeit befindlichen Studie zum Wasserhaushalt in Österreich bekanntgegeben. Das Forschungsteam erwarte, dass sich der Trend zu intensiveren lokalen Starkregenereignissen bei weiter steigenden Temperaturen fortsetzen wird. Damit steige auch die Wahrscheinlichkeit lokaler Überflutungen.

Die Technische Universität Wien, Geosphere Austria, die Universität Graz und die Universität für Bodenkultur Wien arbeiten derzeit an einer Studie, die den Einfluss der Erderwärmung auf den Wasserhausalt in Österreich untersucht.
„Wasser im Klimawandel – eine Studie über die Auswirkungen“ wird im Auftrag des Bundesministeriums für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft (BMLUK) sowie der Bundesländer durchgeführt.
Der Bericht soll bis November fertiggestellt sein, Projektionen bis 2100 enthalten und eine wissenschaftliche Grundlage für die weitere Planung in Wasserwirtschaft, Landwirtschaft und Raumplanung bilden.
Am Montag hat das Ministerium Zwischenergebnisse veröffentlicht. Die Studie zeige, dass kurze, lokale Regenfälle in Österreich „deutlich an Intensität gewonnen haben“. Bei solchen Ereignissen liege die Niederschlagsmenge heute im Schnitt um rund 15 Prozent höher als noch vor 30 Jahren.
„Je kürzer der betrachtete Zeitraum, desto stärker fällt der Anstieg aus: Bei einstündigen Starkregenereignissen beträgt er rund 20 Prozent. Gleichzeitig hat die Dauer von Niederschlagsereignissen im Schnitt um 10 bis 15 Prozent abgenommen“, berichtet das Ministerium.
Bei länger andauernden, großräumigen starken Niederschlägen falle der Anstieg der Intensität mit rund sieben Prozent im österreichweiten Mittel geringer aus.
Der Unterschied hänge mit den unterschiedlichen meteorologischen Mechanismen zusammen: Lokale Starkregen würden meist durch Gewitter ausgelöst, großräumige Niederschläge durch Wetterfronten.
„Mit der zunehmenden Intensität lokaler Starkregenereignisse steigt auch die Wahrscheinlichkeit lokaler Hochwasserereignisse und Überflutungen“, wird Studienleiter Günter Blöschl, Hydrologe an der Technischen Universität Wien, in der Mitteilung zitiert.
„Die Daten zeigen, dass die stärkste Zunahme dabei an kleinen und mittleren Gewässern zu beobachten ist, nicht bei den großen Flusshochwassern“, fährt Blöschl fort.
„Gleichzeitig gewinnen durch Starkregen ausgelöste Überflutungen an Bedeutung, die auch abseits von Bächen und Flüssen auftreten, wenn Wasser über die Oberfläche abfließt.“
Aus den Auswertungen geht laut Ministerium außerdem hervor, dass sich Hochwasserereignisse heute schneller entwickeln als noch vor 30 Jahren. Dadurch bleibe weniger Zeit, um zu warnen und Schutzmaßnahmen zu ergreifen.
Das Forschungsteam gehe davon aus, dass sich der beobachtete Trend zu intensiveren lokalen Starkregenereignissen bei weiter steigenden Temperaturen fortsetzen wird – womit auch die Wahrscheinlichkeit räumlich begrenzter Hochwasser und Überflutungen weiter ansteige.
Wie stark sich die Niederschläge künftig noch verändern können, werde derzeit mit Hilfe von Modellsimulationen untersucht.
Angesichts einer solchermaßen veränderten Gefährdungslage gelte es nun, den Hochwasserschutz weiterzuentwickeln, folgert das Ministerium.
Aufgrund der Zunahme sogenannter „pluvialer Hochwasser“, also Überflutungen durch oberflächlich abfließendes Wasser abseits von Bächen und Flüssen, werde auch die Eigenvorsorge wichtiger. Denn durch klassischen Hochwasserschutz, wie etwa Dämme, seien solche Ereignisse nicht überall zu verhindern.
Sinnvolle Vorsorgemaßnahmen am eigenen Gebäude seien beispielsweise wasserdichte Kellerfenster, Rückschlagklappen zum Schutz vor Wasser aus der Kanalisation, die Sicherung von Öltanks sowie die hochwassersichere Lagerung von Heizpellets.
Ihre Leserbriefe können für andere Leser eine wesentliche Ergänzung zu unserer Berichterstattung sein. Bitte schreiben Sie Ihre Kommentare unter den Artikel in das dafür vorgesehene Eingabefeld.
Die Redaktion freut sich auch über Hintergrund- und Insiderinformationen, wenn sie nicht zur Veröffentlichung unter dem Namen des Informanten bestimmt ist. Wir sichern unseren Lesern absolute Vertraulichkeit zu! Schreiben Sie bitte an redaktion@versicherungsjournal.at.
Allgemeine Pressemitteilungen erbitten wir an meldungen@versicherungsjournal.at.
Der VersicherungsJournal Newsletter informiert Sie von montags - freitags über alle wichtigen Themen der Branche.
Ihre Vorteile


