Umfrage: Die größten Haftpflichtrisiken von Managern

10.7.2026 – Gesundheits- und Sicherheitsaspekte am Arbeitsplatz, aber auch bezüglich der Produkte und Dienstleistungen gelten in einer internationalen Willis-Umfrage als bedeutendstes Risikofeld für Manager. Danach folgen IT-Themen: Datenverlust und Cyberangriffe. Erstmals unter den Top 7: geopolitische Risiken. Und: Auch KI-bezogene Risiken rücken weiter ins Bewusstsein. Dass ihr D&O-Versicherungsschutz den Anforderungen genügt, unterschreiben indes nur 30 Prozent der knapp 1.000 Befragten.

Schriftzug Risk mit Lupe (Bild: Sasun Bughdaryan/Unsplash)
Bild: Sasun Bughdaryan/Unsplash

Wo werden derzeit die größten Haftpflichtrisiken für Manager gesehen? Dieser Frage sind das Beratungsunternehmen Willis, ein Geschäftsbereich des Risikoberaters WTW, und die internationale Anwaltskanzlei Reed Smith nachgegangen.

Dazu wurden im Februar und März weltweit 975 Vorstände, Aufsichtsräte und Risikomanager befragt. Sie sind in den Bereichen Dienstleistungen, Finanzen und Versicherungen, Gesundheitswesen, Industrie, Energie und Versorgungswirtschaft sowie Transport und Einzelhandel tätig.

36 Prozent stammen aus der Region Europa, wobei noch 8 Prozent aus dem Vereinigten Königreich hinzukommen, das separat betrachtet wird.

Herausgekommen ist dabei der „Global Directors’ & Officers’ Liability Insurance Survey“. Die Teilnehmer konnten darin an Hand einer Liste von Risiken angeben, welche sie als wie wichtig einstufen. Die Auswertung berücksichtigt die Einschätzungen „sehr“ und „extrem“ wichtig.

Die größten Risiken

An der Spitze stehen wie im Vorjahr „Gesundheit und Sicherheit“ (77 Prozent; 2025: 80) – womit insbesondere Arbeitsplatzsicherheit gemeint ist, aber auch allfällige Produkt- bzw. Dienstleistungsprobleme, die bei Kunden oder Dritten verursacht werden.

Als betroffen gelten hier insbesondere die Bereiche Industrie, Transport und Energie. 82 bis 89 Prozent der Befragten aus diesen Sektoren sehen diesbezüglich ein hohes Risiko.

An zweiter Stelle rangiert „Datenverlust“ (76 Prozent; 2025: 77), an dritter Cyberangriffe einschließlich des Risikos, Opfer von Cybererpressung zu werden (75 Prozent; 2025: 77).

Auf den weiteren Plätzen folgen Fehler in Systemen und Kontrollen (66 Prozent; 2025: 70), regulatorische Risiken einschließlich allfälliger Geldbußen und Strafen (65 Prozent; 2025: 74) sowie Bestechung und Korruption (59 Prozent; 2025: 62).

Geopolitik erstmals unter Top 7 der bedeutendsten D&O-Risiken

Erstmals unter den „Top sieben“-Risiken für Vorstände und Führungskräfte sind wirtschaftliche Schäden, die aus geopolitischen Turbulenzen resultieren.

59 Prozent der weltweit befragten Vorstände, Aufsichtsräte und Risikomanager stufen das geopolitische Risiko als „hoch“ oder „sehr hoch“ ein, womit es von Platz 15 im Vorjahr auf Platz 7 in der aktuellen Wahrnehmung vorrückt.

Top-7-Risiken für Manager, weltweit (Quelle: WTW)
Top-7-Risiken für Manager, weltweit, 2022 bis 2026 (Quelle: WTW). Zum Vergrößern Tabelle anklicken.

Die Risiko-Reihung in der Region Europa – ohne Großbritannien – ähnelt der globalen, unterscheidet sich aber im Detail.

In Europa liegen „Gesundheit und Sicherheit“ (72 Prozent) auf Platz 1, gefolgt von Cyberangriffen (71), Datenverlust (70), regulatorischen Risiken (58), System- und Kontroll-Fehlern (57), geopolitischen Risiken (55) und Strafverfahren (54).

Risiko KI – und die KI-Kompetenz im Vorstand

Künstliche Intelligenz wird global von 56 Prozent als sehr oder extrem wichtiges Risiko eingestuft – das ist Platz 14 im Ranking, nach Platz 21 im Jahr davor.

Zu den meistgenannten Unsicherheiten in diesem Zusammenhang zählen durch KI verursachte Fehler und Fehlinformationen, durch KI ermöglichter Betrug und Social Engineering sowie strategisches Versagen bei der Einführung von KI.

Zugleich glauben nur 55 Prozent aller Befragten, dass ihre Vorstandsmitglieder über die erforderlichen Fähigkeiten und Kenntnisse verfügen, die KI-Implementierung wirksam zu überwachen.

Komplexes Risikoumfeld – mit Risiken, die sich wandeln

„Die Ergebnisse der diesjährigen Umfrage bestätigen, was wir oft von unseren Kunden hören: Unternehmenslenker sehen sich mit einem zunehmend komplexen und vielschichtigen Risikoumfeld konfrontiert“, sagt Philipp Rouget, Head of Finex Deutschland und Österreich bei Willis.

Die etablierten Risiken – etwa Arbeitsschutz, Datenverlust oder Cyber – blieben zwar dominant, verlören aber in der Bewertung durchgängig an Gewicht, während mit Geopolitik und KI zwei neue Risiken für Manager aufstiegen.

Die Reihenfolge der Risiken verändere sich weniger als ihr Charakter, hebt Rouget hervor: „Geopolitik und KI sind Felder, die sich rasch wandeln – gerade bei diesen ist ein angemessener Risikoschutz entscheidend, damit Unternehmen fundierte strategische Entscheidungen treffen und ihr Wachstum aufrechterhalten können.“

Nur 30 Prozent sicher, dass ihre D&O-Versicherung ausreicht

Und wie stufen die Befragten ihren D&O-Versicherungsschutz ein?

„Trotz niedriger Preise und reichlich Kapazität im weichen Markt“, so Willis, halten nur 30 Prozent ihre Polizze sowohl in Bezug auf den Umfang als auch die Höhe für ausreichend. Weitere 47 Prozent meinen, dass ihr Versicherungsschutz „einigermaßen“ genügt.

„Für Unternehmen ergibt sich hieraus ein klarer Handlungsimpuls“, folgert Rouget. „Gerade in einem dynamischen Risikoumfeld sollten Unternehmen den D&O-Schutz nicht nur jährlich überprüfen, sondern als wesentlichen Schutzmechanismus für Unternehmen, Organmitglieder und ihre Bilanz betrachten.“

Unternehmen sollten deshalb die aktuelle Marktlage nutzen, um Deckungsumfang und Limits mit ihren Maklern und Versicherern zu überprüfen, so Willis.

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