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Vorsorge: „Sofort umsetzbare Maßnahmen“

9.9.2026 – Die Abschaffung der Kapitalgarantie bei der prämienbegünstigten Zukunftsvorsorge und ein steuerfreies Vorsorgedepot auch für Erwachsene könnten die private Vorsorge stärken. Für die Umsetzung müsste man nichts Neues erfinden, so Samuiloff. Die Veranlagung sollte sich jeweils an den Vorschriften für Pensionskassen orientieren.

Präsentierten den Status quo des Pensionssystems und neue Vorsorgeideen: Eric Samuiloff (Wiener Finanzdienstleister) und Martin Kwauka (Finanzjournalistenforum). Bild: VJ
Präsentierten den Status quo des Pensionssystems und neue Vorsorgeideen: Eric Samuiloff (Wiener Finanzdienstleister, links) und Martin Kwauka (Finanzjournalistenforum). Bild: VJ

Die Zahlen sind weitgehend bekannt: Im kommenden Jahr werden die Gesamtzuschüsse für Pensionen in Österreich rund 33,4 Milliarden Euro betragen; damit werden fast 43 Prozent aller Abgaben, über die der Bund verfügen kann, in das staatliche Pensionssystem fließen.

Darauf machte Martin Kwauka, Initiator des Finanzjournalistenforums, bei einem Pressegespräch aufmerksam. Und erwähnte noch eine Zahl: 91,5 Prozent der gesamten Pensionszahlungen stammten im Jahr 2024 hierzulande aus dem staatlichen System.

Positiv anzumerken sei, dass die Brutto-Einkommensersatzrate in Österreich bei 74,1 Prozent liegt. Das ist deutlich mehr als beispielsweise in Deutschland, Schweden oder Dänemark. Die Frage stelle sich aber, ob das aktuelle Pensionsniveau langfristig aufrechterhalten werden kann, so Kwauka.

Denn nicht nur die Pensionen, sondern die insgesamt steigenden Kosten des demografischen Wandels seien eine „tickende Zeitbombe“, die in Zweitrundeneffekten auch die Zinskosten erhöhe. So rechne das Wifo bis 2060 mit Maastricht-Schulden von 148,2 Prozent und einer jährlichen Neuverschuldung von 7,4 Prozent.

Es kommt Bewegung in die Sache

Zuletzt hatte Bundeskanzler Christian Stocker mit Ideen zu einem Staatsfonds (VJ 31.8.2026) zur Mitfinanzierung der ersten Säule und einem Zukunftsdepot (VJ 2.9.2026) zur Stärkung der Vorsorge aufhorchen lassen. Und mit dem geplanten Generalpensionskassenvertrag soll die betriebliche Vorsorge gestärkt werden.

Für eine Übertragung des Guthabens von einer Vorsorgekasse in eine Pensionskasse sei aber ein Mindestbetrag von 20.000 oder 25.000 Euro im Gespräch – bei einem aktuellen Durchschnittsbetrag von rund 4.000 Euro, sieht Kwauka das Vorhaben kritisch. Und für die private Vorsorge von Erwachsenen gebe es derzeit keine Ideen.

Anders ist die Situation in Deutschland, wo die sogenannte „Riester-Rente“ ein ähnlicher Misserfolg war wie die prämienbegünstigte Zukunftsvorsorge hierzulande. Doch nun kommt ein Altersvorsorgedepot ohne verpflichtende Kapitalgarantie, dafür aber mit hohen Förderungen und großer Produktauswahl.

Dazu erklärte Barbara Eibinger-Miedl, Staatssekretärin im Finanzministerium, in einer schriftlichen Beantwortung einer Frage von Kwauka: „Nachdem wir die 1. Säule reformieren konnten und auch bei der betrieblichen Pensionsvorsorge eine Novelle auf den Weg gebracht haben, bin ich überzeugt, dass die private Vorsorge der logische nächste Schritt sein sollte.“

Einfache Vorschläge

Eine so große Lösung wie in Deutschland wäre angesichts des österreichischen Budgets aber nicht realistisch, weiß Eric Samuiloff, Obmann der Fachgruppe der Wiener Finanzdienstleister in der WKO. Er präsentierte deshalb zwei Vorschläge, die einfach und sofort umsetzbar wären.

So sieht Samuiloff Möglichkeiten zur Reform der prämienbegünstigten Zukunftsvorsorge, um diese wieder zum Leben zu erwecken. Dies würde nicht viel kosten, da die Förderungen ohnehin gering seien, und Vorsorge für alle Altersklassen ermöglichen.

Bis heute ignoriere die Politik das Problem des einst propagierten Flaggschiffs der geförderten privaten Vorsorge. Weil die Kapitalgarantie nicht mehr darstellbar sei, würden nur noch vier Versicherungen Neuverträge anbieten.

Notwendig sei es deshalb, wahlweise einen Verzicht auf die Garantie zu ermöglichen; stattdessen schlägt Samuiloff eine Veranlagung nach § 25 Pensionskassengesetz vor: Man könnte hier auf eine bestehende Rechtsvorschrift zurückgreifen und müsste nichts Neues erfinden. Alle anderen Eckdaten sollten gleich bleiben.

Steuerfreies Vorsorgedepot

Samuiloffs zweiter Vorschlag betrifft ein steuerfreies Vorsorgedepot, aber nicht nur für Kinder und Jugendliche, wie es der Stocker-Vorstoß vorsieht. Auch für dieses Depot sollten die Vorschriften des § 25 Pensionskassengesetz gelten, wobei in unterschiedliche Produkte mit unterschiedlicher Aktienquote investiert werden könnte.

Herzstück des Vorschlags sind steuerfreie Einzahlungen sowie ein steuerfreier Auszahlungsplan mit 15-jähriger Mindestlaufzeit ab Pensionsantritt. Alternativ sollte es bei Pensionsantritt eine Entnahmemöglichkeit mit einem festen Steuersatz von sechs Prozent, ähnlich den Vorsorgekassen, geben.

Sowohl Erträge während der Laufzeit als auch Renten steuerfrei zu halten, sei keine unrealistische Idee, so Kwauka: „Der Staat hat mit der prämienbegünstigten Zukunftsvorsorge schon einmal so ein Produkt auf den Markt gebracht.“

Weitere Eckpunkte für das Depot sollten jährliche Einzahlungen von bis zu 5.000 Euro und, „wenn budgetmäßig machbar“, eine einmalige Startförderung von 500 Euro für Kinder und Jugendliche sein. Der Möglichkeit eines „Ausräumens mit 18“ erteilt Samuiloff aber eine klare Absage.

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Altersvorsorge · Kapitalgarantie · Pension  · Pensionskasse · Zukunftsvorsorge
 
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