26.8.2026 – Wenn es um Wachstum geht, sind heimische Versicherungsmanager optimistischer als ihre Kollegen in anderen Ländern. Pricing, Menschen und Kosten sind für sie wichtiger, beim Einsatz künstlicher Intelligenz sind sie im operationellen Prozess weiter als andere.

Bereits zum siebenten Mal hat die internationale Managementberatung Horváth ihre „CxO Priority Study“ durchgeführt.
Für diese wurden im heurigen Frühjahr mehr als tausend Vorstandsmitglieder aus 32 Ländern zu ihren wichtigsten strategischen Zielen und Herausforderungen befragt.
In Österreich hat die Wiener Horvath & Partner Management Consulting GmbH die Studie durchgeführt. Insgesamt wurden hierzulande 94 Top-Manager befragt, darunter zwölf C-Level-Entscheidungsträger aus der Versicherungsbranche; alle wichtigen Player seien vertreten gewesen, so Horvath.
Über das, was österreichische Versicherungsvorstände derzeit bewegt, welche Prioritäten sie haben und wie sich diese von ihren internationalen Kollegen unterscheiden, darüber hat das VersicherungsJournal mit Horvath-Österreich-Geschäftsführer Stefan Bergsmann gesprochen.
Zu den Besonderheiten österreichischer Versicherer zähle, dass sie sehr dezentral operieren und es viel Spielraum für Tochtergesellschaften gebe, so Bergsmann. Es stelle sich aber die Frage, wie sinnvoll das langfristig ist, vor allem im Hinblick auf Entwicklungen durch künstliche Intelligenz.
Bei der Zukunftsfähigkeit müssten heimische Assekuranzen keinen Vergleich scheuen, es handle sich bei österreichischen Versicherern um „tolle Häuser“ und es gebe auch von Seiten der Aufsicht „keine großen Themen“.
Ein wesentlicher Punkt sei allerdings die anstehende Portfoliobereinigung; dabei gehe es um die Frage „wo verdiene ich Geld?“ und „wie werde ich alte Produkte los?“ Versicherer müssten stärker auf standardisierte Produkte setzen, alte Verträge seien häufig komplex.
Im Bereich der Digitalisierung seien Versicherer hierzulande gut vorbereitet. Sie würden dabei „ins Herz des Geschäfts gehen“, was der richtige Weg sei, so Bergsmann. Zugute komme ihnen dabei das CEE-Exposure, weil die osteuropäischen Länder viel digitalaffiner seien.
Was das Umsatzwachstum betrifft, sind heimische Versicherer optimistischer als der Rest der Befragten. Für heuer erwarten sie ein Umsatzplus von 5,3 Prozent, gegenüber 4,5 Prozent in der Gesamtheit, für das kommende Jahr ein Wachstum von 5,5 Prozent (gesamt: 4,7 Prozent).
Das sei plausibel, da österreichische Versicherer viel stärker in Zentral- und Osteuropa aktiv seien und es dort bessere Wachstumschancen gebe, so Bergsmann. Gleichzeitig seien Österreicher aber auch stärker kostenorientiert.
Auffällig sei auch, dass Österreicher Wachstum stärker aus Volumen und Menge erwarten und weniger preisgetrieben sehen: 51 Prozent der hierzulande Befragten erwarten volumengetriebenes Wachstum, insgesamt liegt dieser Anteil nur bei 43 Prozent.
Pricing, Kosten, Gewinnsteigerung und Mitarbeiter seien für österreichische Versicherer wichtiger als in der Gesamtheit. Gerade in CEE habe das Personalthema große Bedeutung. So sei es insbesondere in Tschechien sehr schwierig, gute Mitarbeiter zu finden.
Deutlich weniger wichtig als der Gesamtheit ihrer Kollegen sind heimischen Versicherungsmanagern aber die Themen Mergers & Acquisitions, Strategie und Geschäftsmodell, Cybersicherheit sowie Liquiditätsmanagement.
Und beim Einsatz künstlicher Intelligenz seien die Österreicher im operationellen Prozess weiter als andere. Ihr Schwerpunkt liege auf dem Kerngeschäft, im Bereich der Administration und im Kundenservice würden sie allerdings etwas hinterherhinken.
Wenig Bedeutung habe für österreichische Versicherer die Pensionsvorsorge. Eine Vorbereitung auf weitere staatliche Instrumente spiele bei ihnen keine Rolle, anscheinend hätten sie das Thema bereits „frustriert abgeschrieben“, so Bergsmann.
Zunehmenden Wettbewerb vonseiten großer Tech-Plattformen erwartet Bergsmann nicht; das Geschäft sei komplex und biete wenig Marge. Möglich sei aber, dass neue Player ohne alte Verträge in den Markt eintreten. So könnte durch Assekuradeure der Einfluss deutscher Versicherer größer werden.
Auch von Fintechs dürfte der heimischen Versicherungsbranche keine große Gefahr drohen: Spannende Risiken, bei denen man Geld verdienen kann, seien durch Fintechs „nicht leicht zu adressieren“.
Prozessdigitalisierung stehe in allen großen Häusern auf dem Programm. Kleine Versicherer hätten kurzfristig einen Wettbewerbsnachteil, weil derzeit noch viele Modelle in den Unternehmen selbst entwickelt werden. Längerfristig dürfte es aber branchenspezifische Angebote geben, die zugekauft werden können.
Bereits seit der ersten Studie 2020 liegen „Künstliche Intelligenz und digitale Transformation“ auf Rang eins der Vorstandsagenda. Platz zwei nehmen bereits das dritte Mal „Verbesserungen bei Kosten und Gewinn“ ein, dahinter folgen heuer Themen rund um Menschen und Mitarbeiter.
Gerade das Thema Menschen werde oft zu wenig beachtet, so Bergsmann. Für Versicherer gehe es einerseits darum, sich ein modernes Markenimage zu geben, andererseits darum, Ältere länger zu halten, auch um von deren Know-how zu profitieren.
Insgesamt wieder wichtiger geworden ist für Versicherungsvorstände das Thema Cybersicherheit. Im Vordergrund stehe dabei die eigene Sicherheit, in den letzten Jahren sei viel unternommen worden; nun folge der Schritt in die operative Verantwortung.
Nur noch auf Rang elf findet sich das Thema Nachhaltigkeit, nachdem es 2022 noch Platz vier belegt hatte. Mittel- bis langfristig werde die Bedeutung wieder zunehmen, erwartet Bergsmann. Auf der Angebotsseite sei es aber schwierig und im Bereich Scope 1 – damit sind unmittelbar selbst verursachte Emissionen gemeint – sei der Anteil der Versicherer gering.
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