7.4.2026 – Österreichische Versicherer haben auch in schwierigen Phasen Lösungen für die Anforderungen der Industrie gefunden, nun gebe es aber wieder mehr Wachstum und Wettbewerb, so die Diskussionsteilnehmer. Expertise, auch für das internationale Geschäft, ist vorhanden, einen Rückzug vom Markt gebe es nicht.

Die Frage war bewusst provokant formuliert: Eine Paneldiskussion am zweiten Tag des 14. Insurance Forums Austria von Business Circle beschäftigte sich mit dem Thema „Gewerbe- und Industrieversicherung – Rückzug österreichischer Versicherer?“
Eine Erklärung für diese Fragestellung lieferte Walter Kupec, Chief Insurance Officer Schaden/Unfall der Generali Österreich: Die Vienna Insurance Group habe in der Vergangenheit für dieses Thema „Verantwortung übernommen“, ihr Marktanteil sei aber in den letzten beiden Jahren gesunken.
Wolfgang Petschko, Vorstandsdirektor der Donau Versicherung, gab allerdings ein „ganz klares Commitment, dass wir dieses Geschäftssegment forcieren wollen“ ab.
Dennis Froneberg, Managing Director DACH beim US-amerikanischen Versicherungskonzern AIG, betonte, dass der österreichische Industriemarkt „stark KMU-lastig“, sehr „Relationship-getrieben“ und familiär sei. Dies bedeute eine „andere Dynamik“.
Österreichische Kunden würden Expertise und Know-how sowie die Auseinandersetzung mit Risiken schätzen und wissen, dass sie dann besser performen, so Froneberg. Es habe aber in den letzten sechs bis sieben Jahren herausfordernde Zeiten für die Industrie gegeben, ergänzt Petschko.
In dieser Phase habe die Versicherungswirtschaft bewiesen, dass es Möglichkeiten, den Willen und die Kraft gebe, „diese Dinge zu beherrschen“. Allerdings hätten sich nicht alle ausländischen Versicherer so mit dem österreichischen Markt identifiziert.
Österreich sei eine kleine, offene Volkswirtschaft und es habe Veränderungen in der Geopolitik und inflationäre Themen gegeben. Doch: „Der österreichische Markt hat Lösungen gefunden für die veränderten Anforderungen“, betont Petschko.
Es gebe „selbstverständlich“ Kapazitäten und keinen Rückzug, so Kupec. Die Generali sei im österreichischen Industriemarkt nur „selektiv“ tätig, es gebe aber immer noch Anbieter, die Kapazitäten zu billigen Preisen zur Verfügung stellen.
Auch die Allianz ziehe sich nicht vom Markt zurück, sagt Ulrich Kadow, Regional Managing Director von Allianz Commercial Central Europe. Es gebe ein Angebot, man habe aber die Zeichnungskapazitäten für bestimmte Risiken fokussiert und bei einzelnen Risiken weniger Kapazität als früher.
Für Andreas Schmitt, Vorstand Risiko- und Versicherungstechnik beim Versicherungsmakler und Risikoberater Greco, ist das Geschäft „nach wie vor sehr zyklisch“. In Phasen des weichen Marktes vor einigen Jahren habe es einen „marktbezogenen Rückzug“ gegeben.
In Hartmarktphasen hätten österreichischer Versicherer an der heimischen Industrie größeres Interesse gezeigt. Platzierungen hätten sich in Richtung heimischer Anbieter entwickelt, nun befinde man sich aber an einem „Kipppunkt“, es gebe wieder mehr Wettbewerb und Wachstum.
Froneberg betonte, AIG sei „keine Konkurrenz zu inländischen Anbietern“; sein Unternehmen biete Expertise an und arbeite mit Kunden zusammen, „die das wertschätzen“. Die Risikolage sei komplexer geworden, man müsse schauen, welcher Anbieter für welche Risikokategorie der Beste ist.
Das klinge so, als gebe es die Expertise in Österreich nicht ausreichend, warf Petschko ein: Er wolle hier einen Kontrapunkt setzen, man sei in Österreich gut aufgestellt. Es komme aber auf die Produkte an, manches werde von österreichischen Versicherern gar nicht angeboten, ergänzt Kadow.
Der österreichische Markt sei auch international aufgestellt, Kunden seien in vielen Märkten tätig und das Risiko sei global, so Froneberg. Wichtig sei eine gute Mischung aus lokaler und internationaler Expertise, es sei „Platz für alle vorhanden“.
Es gebe Nischen, wo österreichische Versicherer „gar nicht die Breite bekommen könnten“, sagt auch Kupec. Der österreichische Industriemarkt sei „sehr, sehr international, und dort sind wir auch immer sehr dankbar für internationales Know-how“, so Schmitt aus Maklersicht.
„Cyber“ sei aus Versicherersicht die „purste Riskmanagement-Sparte“, von Prävention über Risikotragung bis zum Schadenmanagement, aus Maklersicht ein „Geschäft für die Mutigen und schnell Lernenden“, so Peter Loisel, Country Head Austria beim Insurtech Finlex und fachlicher Leiter des Insurance Forums Austria. Es gebe allerdings kaum österreichische Cyberversicherer.
Die Donau Versicherung fühle sich zu dem Thema „committed“, erklärt Petschko: Man fühle sich im Gewerbe-Segment, im einstelligen Millionen-Bereich der Versicherungssumme, „gut aufgehoben“. Und AIG biete „ab 1.000 Euro Prämie“ Versicherungen auf Portfoliobasis an, so Froneberg.
Vom Allianz-Konzern sei in Österreich nur „Allianz Commercial“ im Cyber-Bereich tätig, für kleinere Kunden arbeite die Allianz an einem Produkt, das spätestens im nächsten Jahr zur Verfügung stehen soll, kündigt Kadow an.
Auch die Generali sei eindeutig auf KMU fokussiert, betont Kupec. Bei großen Lösungen bediene sie sich der Gruppe, die das Know-how und die Möglichkeit habe, solche Dinge abzudecken. Je mehr Anbieter es gebe, die Lösungen anbieten, umso besser sei es, so Schmitt abschließend.
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