9.9.2026 – Früher ging es mehr um den Arzt der Wahl und um Komfort, heute werde Versicherten der Zugang zu medizinischer Versorgung wichtiger, berichtet die Uniqa. Es gelte nicht nur, als Versicherer den Kunden einen leistbaren, niederschwelligen Zugang zur Krankenversicherung zu ermöglichen, auch ein Zusammenwirken öffentlicher und privater Träger sei gefragt. Der ÖGB reagierte umgehend: Der Ausbau privater Gesundheitsangebote sei „das Gegenteil einer zukunftsorientierten Gesundheitsversorgung“.

Österreich verfüge über ein „extrem starkes“ Gesundheitssystem, sagte René Knapp, Vorstand der Uniqa für Personal Lines & Asset Management, am Dienstag zu Beginn eines Pressegesprächs in der Wiener Unternehmenszentrale.

Auch in der Zukunft soll die öffentliche Komponente das Fundament des Gesundheitssystems bilden, unterstrich Knapp. Die private Krankenversicherung sieht er freilich als zusätzliches Element in einer wichtigen Rolle.
Denn: Das öffentliche System gerate wegen der demographischen Entwicklung unter Druck – zum einen aufgrund niedriger Geburtenraten.
Zum anderen bedeute eine höhere Lebenserwartung nicht zwangsläufig ein Mehr an gesunden Jahren; bei über 80-Jährigen steige die Wahrscheinlichkeit der Pflegebedürftigkeit an.
Den Österreichern sei nicht nur die finanzielle Absicherung für den Krankheitsfall wichtig, es gehe auch um die Verfügbarkeit der Versorgung. Dies sei aus Umfragedaten abzulesen.
Eine Verschiebung sei auch im Versicherungsgeschäft zu erkennen. So seien im Bestand der privaten Krankenversicherung zwei Drittel sonderklasseversichert, ein Drittel seien Wahlarzt-Versicherungen. Im Neugeschäft sei das Verhältnis gerade umgekehrt.
„Das Thema der ambulanten Versorgung gewinnt massiv an Bedeutung“, stellte Knapp fest.

Auch Hans Aubauer, Leiter Group Health Insurance bei Uniqa und CEO von Uniqa Health Service, ging auf sich ändernde Kundenerwartung ein. Früher seien freie Arztwahl und die „Hotelkomponente“ beim Aufenthalt im Spital treibende Motive für eine private Krankenversicherung gewesen.
„Das ändert sich“, so Aubauer. Wesentlicher Treiber sei heute ein möglichst gesicherter Zugang zur Gesundheitsversorgung. In diesem Punkt bestehe in der Bevölkerung Sorge. Besonders jungen Menschen sei dieses Thema wichtig.
Zugleich bekräftigte er: Die Botschaft, das öffentliche System breche zusammen, wolle die Uniqa nicht unterstützen. Vielmehr sei man für „Teamplay“, also ein Zusammenwirken von öffentlichem und privatem Angebot, in dem Aubauer den „Weg der Zukunft“ sieht.
Das Interesse in der Bevölkerung an der Vorsorge sieht die Uniqa gegeben und stützt sich bei dieser Annahme auf eine eigene Umfrage, die von Ende Mai bis Anfang Juli österreichweit unter 3.029 Personen im Alter von 16 bis 60 Jahren durchgeführt wurde.
48 Prozent wollen demnach „mehr für die eigene Gesundheitsvorsorge“ tun. 60 Prozent finden es wichtig, sich einen Privatarzt leisten zu können.
Nach der Zahlungsbereitschaft wurde ebenfalls gefragt: Im Schnitt waren die Teilnehmer gewillt, 55 Euro pro Monat (2025: 54 Euro) für die Gesundheitsvorsorge auszugeben. Bei Männern seien es im Schnitt 59 Euro, in der „jungen Zielgruppe“ sogar 62 Euro.
Als Versicherer sei man gefordert, den Einstieg in die Vorsorge möglichst einfach und niederschwellig zu gestalten, kommentierte Aubauer und kündigte für die nächsten Tage den Start eines „Telemedizin-Produkts“ an.
Von der Politik wünscht sich die Uniqa, mehr „Abwicklungseffizienz“ zu ermöglichen. Derzeit müssten Patienten Arztrechnungen doppelt einreichen: sowohl beim öffentlichen als auch beim privaten Träger. Ein automatisierter Datenverkehr würde die Einreichung vereinfachen, argumentiert die Uniqa.
Nicht unerwähnt blieb, dass die private Krankenversicherung die soziale aufgrund der Kostenerstattungsregeln entlaste. Zudem trage sie durch Prämien der Privatversicherten in Form von Sonderklassehonoraren dazu bei, Ärzte im öffentlichen System zu halten.
Und: Rund 130.000 Patienten würden jährlich in Privatspitälern behandelt, berief sich die Uniqa auf Daten des Verbandes der Privatkrankenanstalten Österreichs.
Beim Österreichischen Gewerkschaftsbund (ÖGB) stieß das Werben um öffentlich-private Partnerschaft auf überschaubare Gegenliebe.
„Der Ausbau privater Gesundheitsangebote ist das Gegenteil einer zukunftsorientierten Gesundheitsversorgung“, reagierte Claudia Neumayer-Stickler, Leiterin des Referats für Gesundheits- und Sozialversicherungspolitik im ÖGB, in einer Aussendung auf die Pressekonferenz der Uniqa.
Dass die Anzahl der Privatversicherten steigt, sei kein Auftrag zu mehr Privatisierung, sondern zu einer Stärkung des öffentlichen Gesundheitssystems. „Lange Wartezeiten und regionale Versorgungslücken müssen im öffentlichen System gelöst werden.“
Gesundheit dürfe „nicht von der Kreditkarte abhängen“, so Neumayer-Stickler weiter. Bereits knapp ein Viertel der Gesundheitsausgaben in Österreich werde privat finanziert, „unsere Solidarität steht auf dem Spiel“, folgert sie.
Auch der Fokus auf Gesundheit in der modernen Arbeitswelt müsse verstärkt werden. „Zukunftsorientierte Gesundheitspolitik setzt auf Prävention, Solidarität und öffentliche Verantwortung – nicht auf mehr Privatmedizin.“
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