Warum Rückversicherung für Versicherungsberater ein Thema ist

31.8.2026 – Rückversicherung beeinflusst maßgeblich das Angebot, das Erstversicherer ihren Kunden machen. Berater können Versicherer dabei unterstützen, Risiken besser zu verstehen. Erst die Bereitstellung von Rückversicherungskapazität ermöglicht Erstversicherern die Haftungsübernahme bei Naturkatastrophen. Das sind einige der Kernaussagen der Rückversicherungsspezialisten von Aon Austria.

Christian Freibauer (Bild: Aon)
Christian Freibauer (Bild: Aon)

Der Risikomanager und Versicherungsmakler Aon Austria GmbH hat im heurigen Frühjahr mit der Berufung von Christian Freibauer und Guido Hurtmanns in die Geschäftsführung einen Fokus auf die strategische Weiterentwicklung von Aon Reinsurance Solutions Austria gelegt. Ziel sei es, die lokale Marktpräsenz in Österreich zu stärken.

Das VersicherungsJournal hat mit den beiden neuen Geschäftsführern über die Rolle von Beratern im Bereich der Rückversicherung, über lokale Expertise, aktuelle Herausforderungen und die Bedeutung von Rückversicherung bei der Versicherung gegen Naturkatastrophen gesprochen.

Auch ein Thema für Berater

VersicherungsJournal: Wieso ist Rückversicherung für einen Versicherungsmakler bzw. Berater überhaupt ein Thema?

Aon: Auch wenn Rückversicherung für viele Versicherungsmakler zunächst weit vom Tagesgeschäft entfernt erscheint, beeinflusst sie maßgeblich das Angebot, das Erstversicherer ihren Kunden machen können. Rückversicherung stellt sicher, dass Versicherer auch große, außergewöhnliche oder konzentrierte Risiken übernehmen können und nach schweren Schadenereignissen finanziell stabil bleiben. Sie schafft somit die Grundlage für Versicherungsschutz in vielen Bereichen der Wirtschaft.

Gerade bei Naturkatastrophen, Cyberrisiken oder großen Industrieanlagen entscheidet die Verfügbarkeit von Rückversicherung oft darüber, in welchem Umfang Versicherungsschutz originalseitig angeboten werden kann.

Für Makler und Berater bedeutet das: Viele Deckungskonzepte, Versicherungssummen und Risikolösungen, die sie ihren Kunden präsentieren, wären ohne Rückversicherung in dieser Form nicht möglich. Dieser Bereich, Aon Analytics, beschäftigt nahezu ausschließlich Aktuare und Naturwissenschaftler, welche auch eng in die Beratungsprozesse eingebunden werden.

Unterstützung für Versicherer

Guido Hurtmanns (Bild: Aon)
Guido Hurtmanns (Bild: Aon)

VersicherungsJournal: Welche Rolle bzw. Funktion nimmt Aon als Beratungsunternehmen im Bereich der Rückversicherung ein? Wie können Versicherer bei ihren Entscheidungen unterstützt werden?

Aon: Die Rolle von Aon geht heute weit über die Vermittlung von Rückversicherungskapazitäten hinaus. Wir unterstützen Versicherer dabei, Risiken besser zu verstehen, Kapital effizient einzusetzen und nachhaltige Wachstumsstrategien zu entwickeln.

Dazu kombinieren wir Marktkenntnis, Datenanalysen, Modellierungskompetenz und den Zugang zu internationalen Rückversicherungsmärkten. Gemeinsam mit unseren Kunden analysieren wir Risikoprofile, bewerten unterschiedliche Rückversicherungsstrukturen und entwickeln Lösungen, die auf die jeweilige Unternehmensstrategie abgestimmt sind.

Ziel ist nicht die Suche nach einer standardisierten Lösung, sondern die Entwicklung einer Rückversicherungsstrategie, die den individuellen Anforderungen, dem Risikoprofil und den Wachstumszielen des Versicherers bestmöglich entspricht.

Bedeutung lokaler Expertise

VersicherungsJournal: Viele heimische Versicherer sind international tätig. Welche Bedeutung haben lokale Expertise und Analysekompetenz bei der Beratung im Bereich Rückversicherung?

Aon: Internationale Rückversicherungsmärkte bieten enorme Kapazitäten und globales Know-how. Gleichzeitig bleiben lokale Marktkenntnisse unverzichtbar. Risiken entstehen immer in einem konkreten wirtschaftlichen, regulatorischen und geografischen Umfeld.

Gerade bei Naturgefahren, landwirtschaftlichen Risiken oder regulatorischen Anforderungen unterscheiden sich die Märkte oftmals erheblich. Erfolgreiche Beratung erfordert daher die Kombination aus lokalem Verständnis und internationaler Expertise.

Die derzeit größten Herausforderungen

VersicherungsJournal: Wo sehen Sie aktuell die größten Herausforderungen für Berater, Versicherer und Rückversicherer?

Aon: Die Branche befindet sich in einer Phase tiefgreifender Veränderungen. Zu den wichtigsten Herausforderungen zählen die Auswirkungen des Klimawandels, die zunehmende Komplexität von Risiken, geopolitische Unsicherheiten sowie technologische Entwicklungen wie künstliche Intelligenz und Cyberrisiken.

Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Kapitalmanagement, Datenqualität und Risikotransparenz. Versicherer und Rückversicherer müssen Risiken nicht nur verstehen, sondern ihre Entscheidungen gegenüber Aufsichtsbehörden, Investoren und Kunden zunehmend datenbasiert begründen.

Für Berater besteht die Herausforderung darin, aus einer immer größeren Menge an Informationen konkrete und praxisnahe Handlungsempfehlungen abzuleiten. Erfolgreich werden jene Marktteilnehmer sein, die analytische Kompetenz mit fundiertem Marktverständnis in den jeweiligen Regionen verbinden.

Naturkatastrophen im Fokus

VersicherungsJournal: Thema Klima/Naturkatastrophen: Welche Lösungen sind notwendig und realistisch umsetzbar, insbesondere in Österreich?

Aon: Naturkatastrophen stellen eine der zentralen Herausforderungen für die Versicherungswirtschaft dar. Gleichzeitig sehen wir in Österreich nach wie vor eine erhebliche Schutzlücke. Viele Schäden durch Hochwasser oder Erdbeben sind nur teilweise oder gar nicht versichert. Im Gegensatz zu den restlichen Ländern in Europa bestehen bei uns relativ niedrige Deckungslimits, sodass ein großer Teil der wirtschaftlichen Verluste bei Betroffenen oder der öffentlichen Hand verbleiben.

Unser Ziel sollte es sein, in Österreich mehr Menschen und Unternehmen gegen Naturkatastrophen abzusichern. Versicherungsschutz bietet den Betroffenen einen klar definierten und vertraglich garantierten Leistungsanspruch. Staatliche Hilfsprogramme oder Katastrophenfonds können wichtige Unterstützung leisten, bieten jedoch naturgemäß keine vergleichbare Planungs- und Rechtssicherheit.

Aus unserer Sicht liegt der Schlüssel in einer Kombination aus Prävention, moderner Risikoanalyse und Versicherungsprodukten mit entsprechender Haftungsübernahme. Einem solchen Anstieg der Exponierung auf Seiten der Erstversicherer muss natürlich dann ebenfalls Rechnung getragen werden und der Anstieg würde wiederum (zu einem großen Teil) in den Rückversicherungsmarkt transferiert werden.

VersicherungsJournal: Welche Bedeutung haben dabei Rückversicherer?

Aon: Hierbei spielen Rückversicherer entsprechend eine zentrale Rolle. Sie ermöglichen/beeinflussen durch die Bereitstellung von Rückversicherungskapazität die Möglichkeit der Haftungsübernahme für die Erstversicherer auf der Originalseite.

Die Bereitstellung von Haftung durch die Rückversicherer wird maßgeblich beeinflusst von der eigenen Kapitalausstattung, aber auch von Faktoren wie dem Grad der Diversifizierung, strategischer Portefeuille-Steuerung sowie natürlich schlussendlich einer positiven technischen Bewertung eines Rückversicherungsvertrages am Ende eines Underwriting-Prozesses.

Insbesondere bei diesem letztgenannten Punkt können wir als Aon einen wichtigen Beitrag leisten, da wir die Rückversicherer eng und technisch fundiert durch solche Underwriting-Prozesse begleiten. Wir können bestehende Risiken erläutern und transparent machen und somit diese Underwriting-Prozesse im Sinne – und vor allem für - unsere Kunden unterstützen.

Das Gespräch führte

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Aktuar · Elementarschaden · Rückversicherung · Unwetter · Versicherungsmakler
 
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